White Album: Soundstudien ohne Gedudel

Das „Weiße Album“ der Beatles wurde aufgemotzt und durch lässige Demo-Tracks ergänzt.

Die Beatles sind als Band seit 1970 Geschichte, ihre Musik erlebt in der Gegenwart das x-te Revival: Paul McCartney, Ringo Starr, John Lennon und George Harrison (v. l.).
© imago/ZUMA/Keystone

Innsbruck –Mit zwei hymnisch gelobten Konzerten hat Paul McCartney (76) letzt­e Woche Wien beglückt. Er lieferte wahren Edelstoff für Nostalgiker der Beatles, deren Welthits McCartney im Verbund mit dem 1980 auf offener Straße erschossenen John Lennon einst zu Papier brachte.

Für Fans der „Fab Four“ (die fabelhaften Vier, hübsches Kosewort für die Beatles), zu denen noch Drummer Ringo Starr und der 2001 verstorbene Leadgitarrist/Sänger Georg­e Harrison gehörten, gibt es rechtzeitig vor Weihnachte­n ein Monsterpaket an irgendwie neuem Material. Das legendäre, rätselhafte, aber unbestritten progressive „Weiße Album“ aus dem Jahr 1968 wurde zum 50er runderneuert, neu abgemischt und mit allerhand bisher Ungehörtem (und bisweilen auch Unerhörtem) auf den neuzeitlichen Markt geworfen (erschienen bei Apple/Universal).

Die noch lebenden Bandmitglieder McCartney und Starr beauftragten nicht einfach irgendjemand mit dem Facelift der angestaubten Doppel-LP: Giles Martin, Sohn von Beatles-Produzent George Martin, nahm sich der historischen Aufnahmen an.

Je nach Grad der eigenen Beatles-Sehnsucht – von non-existent bis brusthoch – muss man unterschiedlich tief in die Geldtasche greifen. Das „Weiße Album“ (so genannt nach dem Cover, eigentlich hieß das Album schlicht „The Beatles“) ist in der Version des Jahres 2018 in mehreren Packages erhältlich: als Ausgaben mit drei oder sechs CDs (plus einer Blu-ray), darüber hinaus, wie 1968, als Doppel-LP auf Vinyl, oder, mit Bonusmaterial, als Deluxe-Ausgabe mit dann sogar vier LPs.

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Wer über die Feiertage sonst nichts vorhat, kann sich ja diesen Songkatalog zu Ohren führen. Der überarbeitete Sound der Tracks klingt tatsächlich überraschend knackig und frisch. So trotzig wie auf der 2018er-Version von „Helter Skelter“ klang McCartne­y noch nie. Und Harrisons Gitarre vergießt bei „While My Guitar Gently Weeps“ bittersüße Tränen.

Das Highlight des (bleiben wir beim) 3CD-Sets sind aber die bis dato unbekannten „Eshe­r Demos“ – Aufnahmen von 1968 aus dem Privatbesitz von Olivia, der Witwe George Harrisons. Roh, aber nicht unferti­g, heute würde man sagen „unplugged“, kommen diese akustisch begleiteten Songs und Soundstudien herüber. Spätere Beatles-Standards wie „Back in the USSR“ wirken ohne überfrachtetes U-u-u-h-Gedudel im Hintergrund lässig und entspannt.

Die „Esher Demos“ beinhalten auch einige Songentwürfe, die es vor 50 Jahren gar nicht auf das „Weiße Album“ schaffte­n. Das damals übergangene „Child of Nature“ kam Jahre später aber doch noch groß heraus: John Lennon textete diesen Demo-Track in seinen Solo-Hit „Jealou­s Guy“ um. (mark)


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