Amerika feiert die „Notorious R.B.G.“

„RBG“ ist das filmische Porträt der amerikanischen Höchstrichterin Ruth Bader Ginsburg, einer aufrechten Liberalen.

Ihre jungen Fans nennen die 85-Jährige gerne „Notorious R.B.G.“ – der juristischen Vorkämpferin für Gleichberechtigung gefällt es
© Thimfilm

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –RBG ist eine Liebeserklärung an Ruth Bader Ginsburg. Sie ist 85 und eine von neun Richtern und Richterinnen am US-Supreme-Court.

In den vergangenen Jahren wurde sie zu einer Ikone der Linken in den USA. Das liegt natürlich vor allem am Kontext der erstarkten Rechten und Trump, der mit dem umstrittenen Brett Kavanaugh erst kürzlich seinen zweiten Höchstrichter durchbrachte, trotz Vorwürfen der sexuellen Nötigung.

Als sie 1993 auf Vorschlag Bill Clintons mit breiter Zustimmung gewählt wurde, war Ruth Bader Ginsburg eher in der Mitte des Meinungsspektrums am Höchstgericht angesiedelt.

Mit Aufnahmen aus ihrem Hearing bereitet das Filmporträt von Betsy West & Julie Cohen den Boden. Daran lässt sich die rechte Polarisierung der USA seit damals ablesen, die in der Wahl Trumps kulminierte.

Umso notwendiger hat die liberale Linke eine Galions­figur wie Ginsburg. Diese Sehnsucht merkt man dem recht simplen Doku-Film ebenso an wie den Fans von „Notorious R.B.G.“. Der Spitzname (auch Titel einer Biografie-Vorlage des Films) findet sich mittlerweile als Meme auf Tassen und T-Shirts. Er ist an die Rap-Ikone Notorious B.I.G. angelehnt, und die zierliche 85-jährige Juristin scherzt, dass sie viel mit ihm gemeinsam habe, er würde ja auch aus Brooklyn kommen.

Die Ironie, die die alte Dame in Interviews und öffentlichen Auftritten an den Tag legt, trägt ihren Teil zur Verehrung bei – und sie lässt es sich gerne gefallen. Im Film dürfen wir sie etwa im Fitnessraum bei Liegestützen beobachten. Ihr Personal Trainer attestiert seinem wichtigen Schützling eiserne Disziplin. Die brauchte sie nicht nur bei ihren zwei überstandenen Krebserkrankungen, sondern schon früh als Jus-Studentin in Harvard und Mutter. Damals hatte ihr geliebter Ehemann Marty mit seiner Anwaltskarriere noch den Vortritt. Doch schon bald tritt er hinter seine brillante Frau zurück.

Als Professorin erstreitet sie ab den 1970ern mit ihren Klagen wegweisende Urteile für die Gleichstellung von Mann und Frau vor den damals noch neun männlichen Höchstrichtern.

Das Spannende an diesen im Film kursorisch vorgestellten Fällen: Es ging dabei mitunter durchaus auch um die Gleichbehandlung von Männern, etwa bei Kinderbetreuung und Kindergeld für einen alleinerziehenden Vater.

Ruth Bader Ginsburg war die zweite Frau am Supreme Court und machte mit ihren zu Zitaten gewordenen Urteils-Sprüchen Furore, ebenso wie mit ihren Minderheits-Meinungen in der jüngeren Vergangenheit. Im März kommenden Jahres folgt der Doku ein Spielfilm-BioPic mit Felicity Jones als RBG, unter dem Titel „Die Berufung – On the Basis of Sex“.

In Zeiten, in denen auch hierzulande die Justiz oft die letzte Schranke für eine populistische Politik ist, strahlt RBG vor allem eine Hoffnung aus: Der Rechtsstaat und die Demokratie sind noch nicht verloren.


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