Weltweit einzigartiges Gerbverfahren in Brixen

Die Gerberei Niederkofler in Brixen lässt eine jahrhundertealte Technik wieder aufleben und setzt damit ganz auf Nachhaltigkeit.

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Hans Niederkofler präsentiert mit seinen Kindern Christine und Johann sowie seiner Gattin Elisabeth Niederkofler die Felle die mit dem neuen Gerbverfahren hergestellt wurden.
© Gerberei Niederkofler

Von Harald Angerer

Brixen i. Th. –Er ist einer der Letzten seiner Art in Tirol und wird aber dennoch nicht müde, sein Handwerk weiterzuentwickeln. Hans Niederkofler betreibt in der dritten Generation die Gerberei Niederkofler. Gestartet ursprünglich in Westendorf, ist die Firma nun in Brixen ansässig. Seit Jahren ist er bestrebt, das Gerbverfahren zu optimieren, um Schadstoffe weitestgehend zu minimieren.

Hier hat er nun einen Durchbruch geschafft. Als erster Betrieb weltweit hat er bei Lammfellen auf ein zu hundert Prozent natürliches Gerbverfahren mit Olivenblattextrakt umgestellt. „Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater Leder gegerbt hat und wir als Kinder über das Leder gerutscht sind. Den Geruch weiß ich noch heute“, schildert Niederkofler bei der Präsentation des neuen Verfahrens. Sein Vater setzte damals auf natürliche Stoffe, „und die Felle riechen jetzt auch wieder so ähnlich“, freut sich der Gerber über diesen Schritt in eine nachhaltige Zukunft.

Aus einem natürlichen Abfallprodukt – den Blättern mediterraner Olivenbäume – wird ein hundertprozentig umweltfreundlicher Extrakt gewonnen, der für Mensch und Umwelt vollkommen unbedenklich ist. Nicht „weniger schädlich“ war das Ziel, sondern gut für die Umwelt, frei von Schadstoffen sowie biologisch abbaubar. „Der Extrakt ist hautverträglicher als so manche Handcreme“, erklärt Niederkofler. Auf die Idee dazu kam er nicht zuletzt durch seinen Sohn Johann, mit dessen Schwester Christine bereits die vierte Generation im Betrieb. „Diese Verfahren gibt es bei Leder schon länger, und damit bin ich auf die Idee gekommen, es auch beim Fell zu probieren.“

Im Rahmen der Präsentation, zu der zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher gekommen waren, schilderte Niederkofler, dass es sich bei dem neuen Verfahren um eine Ergänzung zur herkömmlichen Weißgerbung handle: „Wir beziehen die Lammfelle von heimischen Züchtern, die in der Aufzucht der Tiere auf Sorgfalt und Qualität achten. Mit der Kraft des Olivenbaumes schließen wir die ökologische Lücke bis zum wunderschönen Lammfell und erweitern die positiven Eigenschaften um eine weitere, wichtige Komponente: 100 Prozent ökologisch.“

Nach einer rund zweijährigen Entwicklung ist die nunmehrige Zertifizierung als erster Betrieb weltweit eine echte Herzensangelegenheit für den Gerbmeister. „Nicht nur die besondere Eigenschaft des fertigen Fells steht im Vordergrund, sondern dieses Gefühl, sich einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur zu leisten“, sagt Niederkofler.


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