„Frida Kahlo“: Ein Leben im Rausch der Gefühle

Wie gehabt: Das Tanzstück „Frida Kahlo“ wird bei der Rückkehr in die Kammerspiele ausgiebig gefeiert.

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Keine leeren Worte. Frida Kahlo (in dieser Szene getanzt von Maria Pilar Sanchez) und ihr Ehemann Diego Rivera (Gabriel Marseglia) vermitteln die „Pasión“ (Leidenschaft) einer wechselhaften Beziehung.
© TLT Larl

Von Markus Schramek

Innsbruck –Wenn es angespannt ruhig wird im vollen Saal, ist das ein gutes Zeichen. Volle Aufmerksamkeit gilt dann dem Geschehen auf der Bühne. An die 200 Augenpaare folgen gebannt der Performance der Tanzcompany. Sie holt am Sonntagabend das turbulente Leben der mexikanischen Malerin Frid­a Kahlo (1907–1954) auf die nagelneuen Bretter der Kammerspiele im Haus der Musik: mitreißend und mitfühlend, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

Spontaner Beifall stört da eher. Umso ausgiebiger fallen die Ovationen zum Finale aus. Das Publikum verehrt das tänzerische Team, das durchgemischt wird, jedes Jahr aufs Neue. 10 der 18 jungen Damen und Herren sind erst seit Kurzem für das Landestheater tätig. Ihre Vorgänger wurden von vermeintlich größeren Häusern abgeworben. Was soll’s. Die Qualität hat nicht gelitten.

Ein großes Wagnis war der tanztheatralische Stoff der malenden Ikone Frida K. nicht gerade. Schon 2011/12 hatte Tanzcompany-Kopf Enrique Gasa Valga mit seinem Stück 17 ausverkaufte Abend­e verbucht. Für die jetzige Neuproduktion „Frida Kahlo – Nueva Pasión“ hat der Choreograf und Regisseur das Original kaum verändert. Weil es das Publikum so will, wie der Spanier betont. Auch die Musik, im Pulsschlag von lateinamerikanischer Folklore, wurde beibehalten. Für viele im Publikum enthält die Premiere folglich eine Reihe von Déjà-vus, die offenbar in Kauf genommen werden: Bis März sind alle weiteren Termine ausverkauft. Innsbruck und die Tanzcompany, das ist eine besondere Beziehung.

Die Kahlo wird wie schon 2011 von zwei Tänzerinnen verkörpert. Maria Pilar Sanchez, temperamentvoll, strahlend, draufgängerisch, sowie die elegante, in ihren Bewegungen schon deutlich ausgereifte Lara Brandi bilden auf wunderbar kontrastierende Weise ein künstlerisches Ganzes.

Sanchez ist die junge, lebensfrohe Kahlo, entfesselt in ihrer Liebe zum späteren Gespons Diego Rivera, einem Star der malenden Zunft seiner Zeit. Brandi offenbart die zerbrechliche, enttäuschte, vom Leben gezeichnete Kahlo. Betrogen und vorgeführt vom treulosen Rivera, körperlich angeschlagen, eine im Tiefsten verletzte Frau, die Fehlgeburten erleidet als Folg­e eines schweren Unfalls.

In der Rolle von Diego Rivera tanzt Gabriel Marseglia zu großer Form auf. Mit gestähltem Körper geriert er sich als Macho. Er pflückt sich Liebschaften nach Gemütslage, betrügt Frida sogar mit deren liebster Schwester Cristina (getanzt von Brígida Pereira Neves). Ins Wanken gerät der so selbstsichere Gockel nur einmal, unfreiwillig. Rivera wird von Frida (in der Person von Maria Pilar Sanchez) dermaßen stürmisch umworben, dass er kurz zu Boden geht.

Eine zweifache Kostprobe seines Könnens tischt Addison Ector auf. Mit einer peppigen Stepptanz-Einlage an der Seite von Alice White sorgt der Tänzer zu Fred Astaire­s „Puttin’ on the Ritz“ für willkommene Momente der Entspannung nach all der Dramatik. Und als Josephine Baker umgarnt Ector, federleicht tänzelnd, die Kahlo. Auch sie hatte Affären, beiderlei Geschlechts, in einem Leben, das einem Rausch der Gefühle glich.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die farbenfroh-prächtigen Kostüme. Andrea Kuprian trägt mit ihrem sicheren Gespür für das richtige Bühnenoutfit ganz wesentlich zu einem Tanzabend bei, der Herz und Auge anspricht.


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