Zärtliche Spuren im arktischen Schnee

Mit „Ága - Nanouk“ bringt Filmemacher Milko Lazarov ein eindrucksvolles Paar auf die Leinwand.

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In der Arktis verstehen sich Sedna (Feodosia Ivanova) und Nanouk (Mikhail Aprosimov) ohne Worte: Sie vermissen ihr Tochter Ága.
© Filmladen

Innsbruck –„Ága – Nanouk“ ist ein Film, wie er selten im Kino zu sehen ist. Die Lebenswelt der beiden Protagonisten könnte entrückter nicht sein. Sedna und Nanouk sind ein altes Ehepaar, das in der arktischen Eiswüste Jakutiens lebt. Ihr Alltag ist der ihrer Vorfahren, mit Jagd und Jurte und ohne moderne Hilfsmittel. Doch die Zeiten und das Überleben werden schwieriger – der Klimawandel, aber auch das Alter.

Ein symbolischer und realer Sturm bricht über die beiden herein. Sie können und wollen ihr Leben aber nicht mehr ändern. Erst mit dem Besuch des Sohnes Chena – der in der Stadt lebt – mit dem Motorschlitten verortet Regisseur Milko Lazarov seine Story in der Gegenwart. Chena ist die einzige Verbindung zur Außenwelt. Doch es gibt auch noch eine Tochter, Ága, die im Streit vor dem traditionellen Leben der Eltern geflüchtet ist. Nanouk will sie ein letztes Mal sehen und macht sich auf eine Reise zur Diamantenmine, wo sie arbeitet.

Der Bulgare Milko Lazarov hat sich für seinen zweiten Film ein ruhiges Setting ausgewählt, inspiriert vom Gespräch mit einem Anthropologen und als Referenz auf die legendäre Doku „Nanook of the North“ von 1922. Er meistert die weiten Bilder der Landschaft ebenso wie die Nähe zwischen seinen Figuren. Selten wurde so zärtlich von Altersliebe erzählt. Das einfache Paar in der Arktis ist fast wie ein versöhnliches Gegenstück zur schonungslosen Kälte in Hanekes „Amour“.

Die Hauptdarsteller Feodosia Ivanova und Mikhail Aprosimov drücken ihre Gefühle ohne viele Worte aus. Feine Spuren der Handlung ziehen sich durch 96 schneeweiße Minuten. Auf der Tonebene mischt sich Wind mit Musik und Maultrommelklängen. Es ist keine kleine Leistung, bei so einem Film den Ethnokitsch im Zaum zu halten. Milko Lazarov gelingt das über weite Strecken formidabel. Eine poetisch-arktische Winterreise. (maw)


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