FACC-Klage gegen Ex-Vorstände - Folge des Betruges im Jahr 2016

Ried im Innkreis (APA) - Die Klage des börsenotierten Flugzeugkomponentenherstellers FACC mit Hauptsitz in Ried im Innkreis gegen zwei ihrer...

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Ried im Innkreis (APA) - Die Klage des börsenotierten Flugzeugkomponentenherstellers FACC mit Hauptsitz in Ried im Innkreis gegen zwei ihrer Ex-Vorstände, die ab heute, Montag, beim dortigen Landesgericht verhandelt wird, ist die Folge eines Betruges im Jahr 2016. Damals wurden „im Auftrag der Chefs“ über 50 Mio. Euro auf ausländische Konten überwiesen.

Der Finanzbuchhaltung der Firma war zwischen 22. Dezember 2015 und 13. Jänner 2016 im Zuge eines „Fake-President-Frauds“ von Außenstehenden mit Mails eine falsche Identität vorgegaukelt worden. Der angebliche Vorgesetzte teilte einer Mitarbeiterin mit, es werde ein Firmen-Zukauf getätigt. Dafür erteilte er den Auftrag, Geld in Millionenhöhe zu überweisen. Die Beträge gingen auf Konten in Asien und auf eines in der Slowakei. Ein Teil konnte noch auf Konten eingefroren werden. Der Rest war verloren. Darüber wurde mit der Versicherung des Unternehmens verhandelt. Im Juli 2016 wurde die FACC wieder Ziel einer Cyber-Attacke. Diese wurde aber abgewehrt.

Nach Bekanntwerden des Betruges wurde die Mitarbeiterin gleich „entfernt“. Danach musste die Finanzchefin gehen. Im Mai entschied der Aufsichtsrat, dass auch der Vorstandsvorsitzende gefeuert wird. FACC klagt die beiden Chefs nunmehr auf 10 Mio. Euro Schadenersatz.

Der „Incident“ - wie der Konzern ihn nennt - riss das Unternehmen noch tiefer in die Verlustzone. Inzwischen hat es sich wieder finanziell erholt. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende August) stieg der Umsatz um 4 Prozent von 358,7 auf 373,0 Mio. Euro. Das EBIT (Ergebnis von Zinsen und Steuern) ging aber von 29,7 auf 25,1 Mio. Euro zurück, der Halbjahresüberschuss nach Steuern fiel um 12 Prozent auf 16,3 Mio. Euro.

Dem im Oktober veröffentlichten Ausblick für das Gesamtjahr zufolge wird ein Umsatzzuwachs im einstelligen Prozentbereich in einer Bandbreite von 760 bis 770 Mio. Euro erwartet. „Die Ertragskraft ist zwar vorübergehend rückläufig, für das Gesamtjahr erwarten wir jedoch eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr“, so Vorstandschef Robert Machtlinger. Konkret wird ein operatives Ergebnis zwischen 52 und 55 Mio. Euro erwartet. Der Auftragspolster stieg im ersten Halbjahr auf 6,5 Mrd. US-Dollar (5,62 Mrd. Euro) und lag damit deutlich höher als zum Ende des Geschäftsjahres 2017/18 mit 5,9 Mrd. Dollar. Der Personalstand zum Ende des 2. Quartals 2018/19 betrug 3.434 Mitarbeiter. Insgesamt will man 700 neue Mitarbeiter aufnehmen, den Großteil davon in Österreich.

Die FACC ist mehrheitlich in chinesischer Hand, dies schon seit 2009. Damals hat die staatliche chinesische Luftfahrt- und Militärindustrie AVIC - über ihren kommerziellen Arm - die Firma aus Oberösterreich fast zur Gänze übernommen. 2014 schickten die Chinesen die FACC dann an die Börse, heute halten sie 55 Prozent am Unternehmen. Beteiligungen im einstelligen Prozentbereich halten auch das JP Morgan Asset Management UK und Erste Asset Managemenent GmbH. Der Rest ist im Streubesitz. Dem Aufsichtsrat der FACC stehen Chinesen vor.

Mit der sogenannten Chef-Masche haben Betrüger in Europa bereits Hunderte Millionen Euro ergaunert - und dies sind nur die offiziellen Zahlen. Auch in Österreich werden Firmen jeder Größenordnung ins Visier genommen. Die Buchhaltungsabteilungen bekommen E-Mails zur Durchführung von wichtigen Transaktionen, unter anderem für Anteile von Firmen, für Patentrechte, Maschinen, Immobilien oder auch für Kunstwerke. Meist wird zur Eile gedrängt. Die Daten der Unternehmen finden die Betrüger im Internet, großteils auf der Homepage und auch über Social Media. Zur Kontaktaufnahme benützen die Täter ausländische Server unter anderem in Asien. Denn mit diesen Ländern gibt es kein Rechtshilfeabkommen, was die Aufklärung der Angriffe erschwert. Auch die ausländischen Konten, auf die überwiesen werden soll, befinden sich bevorzugt in China, Hongkong oder Osteuropa. Sie wurden zuvor unter falschem Namen eingerichtet und werden sofort leergeräumt sobald das Geld eingetroffen ist.

Bereits seit 2010 besteht eine Kooperation zwischen Wirtschaftskammer und Innenministerium im Kampf gegen den Firmenbetrug. Im März 2017 wurde dieses Vereinbarung erweitert. Der Fokus liegt auf der Prävention - vor allem im Bereich von Cyberkriminalität und Internetbetrug.


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