Wie Putin Trump ins Amt half

Laut einer Studie des US-Senats mit Daten der Universität Oxford ist bewiesen, dass von Russland aus eine gezielte Kampagne orchestriert wurde, um den heutigen US-Präsidenten Donald Trump zu unterstützten – und seine Gegner von der Wahl abzuhalten.

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US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin.
© AFP

Washington – Dass Russland die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten befördert hat, ist lange bekannt. Zwei Studien im Auftrag des US-Senats zeigen jetzt das Ausmaß und bisher weniger bekannte Details der Kampagne in den sozialen Medien. Ausgewählte Erkenntnisse:

• Russische Agenten haben für ihre gefälschten Konten und gezielten Botschaften alle verfügbaren sozialen Medien genützt: Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Tumbler, Google+ und andere. Durchgeführt wurde die Kampagne vor allem von der Internet Research Agency (IRA), einer Firma in St. Petersburg, die einem Vertrauten von Kreml-Chef Wladimir Putin gehört.

• Die Anfänge von Russlands Bemühungen, die öffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen, reichen zurück bis ins Jahr 2009. Damals traten mit Präsident Barack Obama und seiner Außenministerin Hillary Clinton zwei Putin-Kritiker ihre Ämter an. Starke Zuwächse gab es dann vor den Wahlen 2014 und 2016.

• Die IRA-Leute dürften in Summe mehr als 100 Millionen Amerikaner auf irgendeine Weise erreicht haben. Ihre Instagram-Beiträge etwa erhielten 185 Mio. „Likes“. Oft versuchten sie, zunächst Aufmerksamkeit oder Zuspruch zu finden, und änderten dann das Thema. Ein Instagram-Account etwa postete zuerst zur Muppet Show und assoziierte später Jesus mit Trump und Satan mit Clinton.

• Die russischen Agenten haben ihre Strategie im Laufe der Jahre verfeinert und im Wahlkampf 2016 maßgeschneiderte Botschaften an viele verschiedene Wählergruppen gesendet, darunter Afroamerikaner. Alle sollten die in der Gesellschaft vorhandenen Gräben vertiefen.

• Auf der rechten Seite ging es etwa darum, die Gegnerschaft zu Waffenkontrolle und Einwanderung anzustacheln. Und auf der liberalen Seite ging es darum, Hillary Clinton zu verhöhnen und innerparteiliche Rivalen wie Bernie Sanders zu promoten. Letztlich sollten Rechte zur Wahl gebracht und Linke gespalten und frustriert werden.

• Die Kampagne der Russen lief nach dem Wahlsieg von Donald Trump und den Republikanern weiter. Die gefälschten Konten machten sich etwa über die Ermittlungen zur Russland-Affäre lustig und versuchten, Trump weiterhin die Unterstützung seiner Kernwähler zu sichern.

Für die Studien, die der Washington Post und der New York Times vorab vorlagen, haben spezialisierte Firmen und Forscher das Material ausgewertet, das sie von sozialen Medien zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Politische Reaktionen lagen zunächst nicht vor. (floo)


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