O, du fröhliche? Weihnachtszeit Hochsaison bei Notruf 142

Wien (APA) - Seit 50 Jahren haben die Mitarbeiter der Telefonseelsorge ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Österreicher. Der bundesw...

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Wien (APA) - Seit 50 Jahren haben die Mitarbeiter der Telefonseelsorge ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Österreicher. Der bundesweit kostenlose und vertrauliche Notruf 142 ist rund um die Uhr erreichbar - mittlerweile auch via Chat und E-Mail. Gerade zu Weihnachten und Silvester werden die Dienste besonders benötigt, erläuterten die Verantwortlichen am Montag bei einem Pressegespräch in Wien.

Jetzt zeigen sich oft Einsamkeit und Enttäuschung besonders deutlich, Süchte aller Art und Überforderung werden oft in der emotional häufig besonders aufwühlenden Zeit wieder virulent. Nicht nur, weil bei Weihnachtsfeiern und rund um den Heiligen Abend besonders viel Alkohol konsumiert wird. „Wir haben ein echtes Suchtproblem, das sich immer vor Weihnachten verstärkt“ erläuterte Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts. Dazu zähle auch etwa die Abhängigkeit von Medikamenten, von der in Österreich um die 150.000 Menschen betroffen sind, so der Suchtexperte. 340.000 gelten als alkoholkrank. Dem niederschwelligen Zugang zu einer Behandlung via Telefonseelsorge als Anlaufstelle für Patienten und Angehörige komme eine wichtige Aufgabe zu - denn die „extrem schambesetzte“ Thematik werde oft totgeschwiegen. „Das größte Problem ist nicht die Behandlung, sondern der Beginn der Behandlung“, meinte Musalek.

Das gemeinsame Hilfsprojekt von katholischer und evangelischer Kirche bietet eigenen Angaben zufolge „Entlastung und Unterstützung für alle Anrufenden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion und sozialer Herkunft ?“ und besteht heuer ein halbes Jahrhundert. Seit zwei Jahrzehnten gilt 142 als amtlicher Notruf gleich einer Blaulichtorganisation. Rund 132.000 Beratungsgespräche wurden 2017 in 34.000 Stunden geführt - in Wien um die hundert täglich. Etwa 800 Mitarbeiter besetzten stets mindestens zehn Leitungen, an deren anderen Enden derzeit vor allem Stress, Druck und (Sehn-)Süchte stehen. Im Rahmen der „Erwartungsgesellschaft“ verdichten sich viele Probleme vor allem rund um das „Fest der Liebe“ bzw. die „heile Weihnachtswelt“ und die Urlaubszeit, so Musalek.

Nicht immer geht es um konkrete Unterstützungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen. So mancher sucht schlicht das Gespräch, weil er niemanden zum Reden hat - was ihm aktuell besonders schmerzlich bewusst werden kann. Zuhören auf Augenhöhe scheint eine verlorene Tugend, gerade wenn Erwartungen, Druck und infolge Enttäuschung so ausgeprägt sind wie jetzt, schilderten Marlies Matejka, Leiterin der Telefonseelsorge Wien und ihre oberösterreichische Kollegin Silvia Breitwieser.

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Hauptthemen sind Beziehungsprobleme, Einsamkeit und psychische Gesundheit bzw. Krankheit. Sieben von zehn Hilfe suchenden sind weiblich, die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahren alt. Der Großteil der Anrufe gehe zwischen 17 und 22 Uhr ein.

(S E R V I C E - Weitere Informationen unter www.telefonseelsorge.at und unter https://onlineberatung-telefonseelsorge.at)


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