Ehefrau wegen angeblicher Wut über Gotteslästerung erstochen: Prozess

Wien (APA) - „Es ist ein sehr tragischer Fall“, hat ein 67-Jähriger am Montag zu Beginn seines Mordprozess einem Wiener Schwurgericht erklär...

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Wien (APA) - „Es ist ein sehr tragischer Fall“, hat ein 67-Jähriger am Montag zu Beginn seines Mordprozess einem Wiener Schwurgericht erklärt. Ihm wurde vorgeworfen, am 20. Mai 2018 seine Ehefrau in Favoriten abgepasst und an der Ecke Leebgasse/Buchengasse erstochen zu haben. Er sei „teilweise schuldig, weil sie nicht mehr am Leben ist. Aber ich trage sie noch immer im meinem Herzen“, sagte der Angeklagte.

„Ich liebe meine Frau immer noch“, versicherte der gebürtige Kosovare, „ich trage ein Leibchen von ihr am Körper.“ Zum Beweis dafür wollte er sogar seinen Pullover und sein Hemd lüften, was die vorsitzende Richterin Eva Brandstetter unterband.

Auf die Frage, weshalb er mit einem Küchenmesser acht Mal auf die 59-Jährige eingestochen hatte, erwiderte der Angeklagte, diese hätte bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße im Zuge eines Wortgefechts ein „schmutziges Wort“ gesagt, das er nicht wiedergeben wolle, ihn am Kragen gepackt und bespuckt. „Schmutz ist mein Geschäft“, forderte ihn die Richterin zu detaillierteren Angaben auf, was er auch tat. Auf die seiner Meinung nach gotteslästerlichen Äußerungen seiner Frau seien Wut und Zorn in ihn gefahren, führte der 67-Jährige weiter aus: „Ich war außer mir.“ Seine Frau habe „eine abnormale Provokation“ begangen und darüber hinaus noch den Verdacht geäußert, er habe ein Naheverhältnis zu ihrer Nichte: „Wenn sie keinen Gott hat, hat sie kein Recht mehr in der Gesellschaft zu leben.“

In Tötungsabsicht habe er aber keinesfalls zugestochen, beeilte sich der Mann zu betonen: „Das schwöre ich Ihnen bei meinem letzten Tropfen!“ Er sei im Tatzeitpunkt „seelisch zerstört“ gewesen, ihm sei „dunkel vor Augen geworden“. Er wisse nicht mehr, „wie ich gestochen habe. Ich habe kein Blut gesehen. Ich hab‘ gemeint, ich habe sie vielleicht verletzt. Ich habe überhaupt nicht an ein Tötungsdelikt gedacht.“ Es sei schwer, das zu beweisen, „aber ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren wird.“

Der 67-Jährige ist allerdings bereits zwei Mal im Gefängnis gesessen, weil er in jüngeren Jahren zwei Frauen getötet hatte. In den 1970er-Jahren wurde er in Deutschland verurteilt, weil er in betrunkenem Zustand seine damalige Freundin erstochen hatte. Eigenen Angaben zufolge verbüßte dafür 20 Monate. 1992 verhängte das Schweizer Kantonsgericht Graubünden über den Kosovaren wegen Mordes 17,5 Jahre Haft. Bei einem Raub hatte er einer Frau ein Messer elf Mal in Gesicht, Hals und Brustkorb gerammt.

In Wien wurde der Mann dann 2008 wegen Suchtgifthandels zu fünf Jahren verdonnert. Im Gefängnis lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Als diese entlassen wurde, heirateten die beiden, nach Verbüßung seiner Strafe zog er bei ihr ein. Zwei Mal zeigte sie ihn wegen gefährlicher Drohung an. Beide Verfahren wurden eingestellt. Das erste Mal zog sie ihre belastenden Angaben zurück, beim zweiten Mal reichte die Beweislage nicht aus.

Ende Dezember 2016 verließ die Frau den Kosovaren und begab sich für ein paar Wochen in ihre serbische Heimat. Als sie im Februar 2017 zurück nach Wien kam, wohnte sie bei ihrem Sohn. Ihrem Mann verschwieg sie die Adresse, die dieser jedoch herausbekam, indem er ihrer Nichte für die entsprechenden Informationen Geld bezahlte.

Staatsanwältin Andrea Kain betonte, das Motiv sei nicht die Beleidigung Gottes, sondern Eifersucht gewesen. Der Angeklagte habe die Trennung nicht verkraftet: „Er konnte das nicht akzeptieren.“ Daher habe er ein 30 Zentimeter langes Filetiermesser eingesteckt und sei damit seiner Frau gegenüber getreten.


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