EU-Afrika-Forum - Leitl fordert vernetzte Strategie

Wien (APA) - Christoph Leitl, Präsident der Europäischen Wirtschaftskammern (Eurochambres), fordert anlässlich des EU-Afrika-Forums in Wien ...

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Wien (APA) - Christoph Leitl, Präsident der Europäischen Wirtschaftskammern (Eurochambres), fordert anlässlich des EU-Afrika-Forums in Wien eine bessere, „vernetztere Strategie“ in Afrika. Auf dem Kontinent gebe es seitens Europa bereits „vielfältige Ansatzpunkte“, doch „niemand weiß etwas von dem anderen“, erklärte Leitl am Montag im Gespräch mit der APA.

Derzeit seien die Aktivitäten der verschiedenen Akteure „separiert“, wenn diese „in Zukunft koordiniert sind, dann ist es für alle Beteiligten und im Endeffekt auch für Afrika besser“, betonte der langjährige Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Der erste Schritt müsse die Erfassung des Ist-Zustandes sein, daraus müsse eine Zielsetzung entwickelt werden und dadurch wiederum eine „vernetzte Strategie“. Um den Erfahrungsaustausch voranzutreiben, schwebt Leitl ein Treffen der EU mit der Afrikanischen Union (AU), wie derzeit etwa in Form eines EU-Afrika-Gipfels, „mindestens einmal pro Jahr“ vor.

Afrika sei ein Kontinent, der „ungeheure Möglichkeiten“ für die EU biete. Man dürfe sich aber „nicht vor Afrika fürchten - Stichwort Migration und Flüchtlinge „, so Leitl. Ganz im Gegenteil, man könne auf den Kontinent „hoffen, wenn man zeitgerecht eine gute Partnerschaft eingeht und diese nicht - in anderer Form - den Chinesen überlässt“.

Zentraler Bestandteil jener langfristigen Partnerschaft, die Leitl fordert, müsse die Bildung sein. „Wir müssen stärker in die Lehrlingsausbildung investieren, die Beispiele aus Österreich über Europa nach Afrika bringen.“ Vor allem der jungen Bevölkerung würden so neue Lebensperspektiven vermittelt, die dazu beitragen würden, dass diese ihre Heimat nicht verlassen.

Handelsabkommen, wie sie derzeit zwischen der EU und afrikanischen Ländern existieren - früher das Lome- und später das Nachfolgeabkommen von Cotonou - sieht Leitl nicht problematisch. Gerade das Abkommen von Lome, das die Beziehungen zwischen der EU und den AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik) regelte, habe den afrikanischen Staaten Zugänge zum europäischen Markt gewährt, die „rückblickend sensationell“ waren. Europa sei seiner Aufgabe nachgekommen und sollte „dadurch ermutigt sein, dort, wo sich neue Aufgaben stellen, wieder die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, betonte der Eurochambres-Präsident. Das umstrittene Abkommen von Cotonou läuft 2020 aus, die Verhandlungen für ein Post-Cotonou-Abkommen haben Ende September begonnen und werden laut Bundeskanzleramt auch beim EU-Afrika-Forum in Wien Thema sein. Die Handelsvereinbarung verpflichtet die Länder, ihre Märkte stärker zu öffnen. Vor allem gegen aus der EU stammende, hoch subventionierte Agrarprodukte haben lokale Produkte aber oft kaum eine Chance. Einige afrikanische Staaten weigern sich deshalb, WPAs zu unterzeichnen.


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