Feller über Hirscher: „Ich weiß auch nicht, wo der eingereist ist“

Manuel Feller (4.) über Hundertstelpech, Risikobereitschaft, Selbstverständnis und einen Außerirdischen namens Marcel H.

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Manuel Feller verpasste in Alta Badia knapp das Podest.
© gepa

Drei Hundertstelsekunden fehlen zum ersten Podestplatz in diesem Winter – und das trotz eines groben Schnitzers in der Entscheidung. Zufrieden?

Manuel Feller: Absolut. Wie ich den Fehler noch gemeistert habe, war eine Glanzleistung. Unten wollte ich zu viel gutmachen, wobei ich mir nicht gedacht hätte, dass ich noch um das Podium mitfahren kann. Von der Seite wurmt es mich jetzt umso mehr, dass ich die drei Hundertstel nicht noch rausgequetscht habe, denn es wäre ganz leicht drin gewesen, wenn ich das mehr mit Köpfchen fahre. Aber ich dachte mir, es ist eh schon wurscht. Die Platzierung nehme ich aber sehr gerne mit.

Dabei sind Sie, wie Sie nach dem ersten Durchgang meinten, gar nicht Vollgas gefahren?

Feller: Wenn du hundertprozentiges Selbstvertrauen hast, fährst du von oben bis unten Vollgas. Wenn es nur 80, 85 Prozent sind, nimmst du dich eben an ein paar Stellen zurück, um nicht zu viel zu riskieren. Ich möchte diesbezüglich noch etwas klarstellen.

Bitte?

Feller: Im ORF-Interview habe ich nach dem ersten Lauf gesagt, dass mein Selbstvertrauen nicht bei 100 Prozent ist und gemeint, dass es aber auch so für die meisten reiche. Ich wollte damit ausdrücken, wie ich aus meiner Sicht das Rennen angegangen bin: nämlich, dass für mich derzeit 98 Prozent besser sind, als würde ich 102 Prozent fahren. Es war auf keinen Fall überheblich gemeint. Vielleicht, wenn mir einmal zwei Läufe mit 102 Prozent gelingen, kann ich mit dem einen mitfahren.

Der eine heißt Marcel Hirscher ...

Feller: Richtig.

Ein Außerirdischer?

Feller: Ich weiß auch nicht, wo der eingereist ist. Es wird hier immer schwieriger, ihm nahezukommen. Er hat sieben große Kugeln daheim, sein ganzes Leben abgesichert, er fährt befreit drauflos. Wenn er einmal auf die Gosch’n fliegt, kann es ihm auch wurscht sein.

Im Vorjahr sagten Sie hier im Zielraum, dass Sie Marcel noch schlagen wollen, solange er noch fährt?

Feller: Das stimmt, aber derzeit muss man einfach anerkennen, dass er weit weg ist von uns. Vor allem im Riesentorlauf, im Slalom geht’s eher. Aber gerade auf diesem Hügel wird er fast nicht zu schlagen sein.

Sehen Sie ihm gerne zu?

Feller: Man ist beeindruckt. Aber gern schaut man sich das nicht an, wenn einer am Ende zwei Sekunden vor dem Zweiten und zweieinhalb Sekunden vor einem selbst liegt. Marcel fährt es in Perfektion und macht keine Fehler. Bei einigen Teilzeiten kann ich mithalten, mehr noch nicht.

Montagabend steht in Alta Badia noch der Parallel-Riesentorlauf an. Worauf wird es ankommen?

Feller: Ein ganz schwieriger Bewerb, weil wir das auch kaum trainieren. Dazu kommt doch ein gewisses Risiko. Zwei Riesentorläufer so nebeneinander auf einem Kurs, da kann es schon zu brenzligen Situationen kommen. Letztlich musst du einfach von oben bis unten Gas geben und versuchen, den anderen zu ignorieren. Wenn du mich fragst, mir sind Parallelslaloms lieber. Aber nichtsdestotrotz: Es ist ein cooler Bewerb und ich freu’ mich darauf.

Das Gespräch zeichnete Max Ischia auf


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