Überlebende von Kindertransporten erhalten einmalige Entschädigung

Berlin (APA/AFP) - 80 Jahre nach den ersten Kindertransporten jüdischer Minderjähriger ins sichere Ausland erhalten die Überlebenden eine ei...

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Berlin (APA/AFP) - 80 Jahre nach den ersten Kindertransporten jüdischer Minderjähriger ins sichere Ausland erhalten die Überlebenden eine einmalige symbolische Entschädigung von 2.500 Euro. Darauf einigten sich das deutsche Finanzministerium und die Jewish Claims Conference (JCC) in intensiven Gesprächen, wie beide Seiten am Montag mitteilten.

Damit solle das „besondere Schicksal dieser Kinder gewürdigt werden“, die noch in Friedenszeiten ihre Familien verlassen mussten - „in vielen Fällen, ohne sie jemals wiederzusehen“, erklärte das Finanzministerium.

Mit den Transporten wurden rund 10.000 jüdische Kinder nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 aus Deutschland und von Deutschland annektierten oder besetzten Gebieten in sichere Staaten gebracht. In den meisten Fällen war das Großbritannien. Die Jewish Claims Conference hob die oft tragischen Umstände hervor, häufig habe es „herzzerreißende Szenen auf Bahnsteigen“ gegeben, wo die Kinder oft aus den Armen ihrer Eltern gerissen wurden und diese in fast allen Fällen nie wieder gesehen hätten.

Mit der symbolischen Entschädigung erhielten die Überlebenden „jetzt ein kleines Maß an Gerechtigkeit“, erklärte Stuart Eizenstat, Verhandlungsführer der JCC. Greg Schneider von der JCC ergänzte, damit sei eine „schmerzliche Lücke“ in den Entschädigungsregelungen geschlossen worden.

Die Verteilung der Mittel nimmt die JCC vor. Der Kindertransportfonds wird nach Angaben der JCC am 1. Jänner starten.

Das Finanzministerium betonte, Deutschland stehe „auch weiterhin zu seiner historischen Verantwortung für die durch das NS-Unrechtsregime verfolgten Menschen“. Jährlich werden demnach weiterhin Zahlungen von insgesamt über einer Milliarde Euro an die Überlebenden geleistet. Bis Ende 2017 wurden Entschädigungen für nationalsozialistisches Unrecht in Höhe von über 75 Milliarden Euro gezahlt.


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