Post - Sonderaufsichtsrat hat am Montagabend angedauert

Wien (APA) - Bei der teilstaatlichen, börsennotierten Post hat es am Montagnachmittag eine Sonder-Aufsichtsratssitzung gegeben, die am Abend...

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Wien (APA) - Bei der teilstaatlichen, börsennotierten Post hat es am Montagnachmittag eine Sonder-Aufsichtsratssitzung gegeben, die am Abend weiter andauerte. Grund war das Platzen des Joint Ventures mit der deutschen FinTech Gruppe, über das die Post weiterhin Finanzdienstleistungen anbieten will, wenn die momentane Kooperation mit der BAWAG per Ende 2019 ausläuft.

Der Diskussionsbedarf schien groß, war die Sitzung, die um 15:00 Uhr begonnen hatte, doch um 19:15 Uhr immer noch nicht beendet. Im Vorfeld war medial über ein mögliche personelle Auswirkungen im vierköpfigen Vorstand der Post spekuliert worden.

Bei der Aufsichtsratssitzung, zu der es keine offiziellen Stellungnahmen gab, dürften aber nicht nur über die Zukunft der Post-Finanzdienstleistungen - die wichtig für ein dichtes Filialnetz sind - Thema sein, sondern auch die grundsätzliche weitere Vorgehensweise im Konzern nach dem Platzen des Deals. Ende November war das Aus der geplanten Kooperation bekanntgeworden.

Zuletzt hatte die Post etwa noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob sie das im Zusammenhang mit dem abgesagten Joint Venture gezeichnete 35 Mio. Euro schwere FinTech-Aktienpaket wieder verkaufen oder behalten wird. Die Post AG hat am 5. Oktober - wie am 10. September mit der FinTech-Gruppe vereinbart - rund 1.225.761 neue FinTech-Aktien gezeichnet und dafür je Aktie 28,50 Euro bezahlt. Der gesamte Gegenwert belief sich somit auf rund 35 Mio. Euro und die Post hält nun gut 6 Prozent an der deutschen Firma. Die Aktien haben seither deutlich an Wert verloren , notierten heute nach Börsenschluss bei 16,20 Euro je Stück.

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Die Investition galt als erster Meilenstein zur Gründung des geplanten gemeinsamen 50/50-Joint Ventures. Der zweite Meilenstein - dass die FinTech eine Kapitalanlage im höheren zweistelligen Millionenbereich überweist - wurde nicht mehr erreicht.

Konkrete Gründe für das Platzen des Joint Ventures wurden bei Bekanntwerden nicht genannt. Es war lediglich die Rede davon gewesen, dass man sich beim Zeitplan nicht einig geworden sei.

Post-Aktionäre haben wegen der Vorgänge inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. Investoren hätten die Prüfung von Ansprüchen im Zusammenhang mit dem geplatzten FinTech-Deal beauftragt, so Lukas Aigner von der Rechtsanwaltskanzlei Aigner + Partner kürzlich. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger sprach sich ebenso vor Kurzem dagegen aus, bereits jetzt zu klagen. Er sagte, die Sache sei Thema für die nächste Hauptversammlung der Post AG.

Noch bevor die FinTech-Gruppe im September als künftiger Partner offiziell genannt worden war, hatten andere potenzielle Kooperationspartner wie beispielsweise die Volksbanken oder Santander einer Zusammenarbeit eine Absage erteilt. Seit Herbst 2017 ist klar, dass die Post einen BAWAG-Nachfolger für das Anbieten von Finanzdienstleistungen ab 2020 brauchen wird.

Der Schlusskurs der Post AG für eine Aktie belief sich heute auf 29,94 Euro. Am Tag des geplatzten FinTech-Joint-Ventures waren es 33,80 Euro gewesen und am Tag des Bekanntgebens des Joint Ventures am 10. September noch 37,18. Seit damals hat die Post, wenn auch in einem schwachen Umfeld, fast eine halbe Milliarde Euro Marktkapitalisierung verloren, die sich heute nach Börsenschlus auf 2,02 Mrd. Euro belief.

Derzeit finden sich BAWAG und Post gemeinsam noch an rund 120 Standorten in Österreich, die bis spätestens Ende 2019 wegen des Kooperationsendes entflechtet werden müssen. Ursprünglich waren es rund 500 gewesen.

~ ISIN AT0000APOST4 WEB http://www.post.at ~ APA477 2018-12-17/19:22


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