Vor 75 Jahren erreichte der Krieg Schwaz

Am 19. Dezember 1943 fielen die ersten Bomben auf Schwaz. Es gab neun Tote und Hunderte Verletzte. Kurz vor Weihnachten mussten viele in Notunterkünfte ziehen.

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Das Gerichtsgebäude in Schwaz erhielt einen Volltreffer, der berühmte „Meistersingersaal“ wurde zerstört.
© Stadtchronik

Von Peter Hörhager

Schwaz –„Das Dröhnen der Flugzeuge, das Surren der fallenden Bomben, die krachenden Einschläge, das Vibrieren der Wände im Luftschutzkeller – das sind Eindrücke, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst.“ Die einleitende Schilderung stammt von Walter Knapp, der als Bub den 19. Dezember 1943 im Keller des „Angerer-Hauses“ in der Franz-Josef-Straße miterlebt hat. Also jenen Tag vor 75 Jahren, als der Bombenkrieg auch Schwaz erreichte.

„Ein Föhntag. Klare Sicht in die Ferne! Kein Schnee im Tale, auf den Hängen und Höhen wenig. Die Temperatur recht milde für diese Zeit, ein ungewöhnlicher Winter für Nordtirol.“ So schildert ein Zeitzeuge im Stadtbuch die äußeren Verhältnisse an diesem für Schwaz so schicksalsschweren Tag. Zu Mittag war es vorbei mit der so friedlich beschriebenen Idylle. Fliegeralarm schreckte die Bevölkerung auf. „Da tauchte plötzlich aus dem Vomperloch kommend eine von den Jägern abgetriebene feindliche Bomberstaffel auf. Zu gleicher Zeit flogen noch einige Jäger vom Staner Joch heran. Die Bomber flogen etwas tiefer heran, lösten ihre Bomben, um den Jägern zu entkommen, Flugrichtung Kellerjoch. Die Bomber brausten quer über Schwaz hin, das Sausen der Bomben und gleich darauf die dröhnenden Einschläge waren das Werk einiger Sekunden“, wird im Stadtbuch besagter Zeitzeuge zitiert. Vom Wexhaus in der Gilmstraße über das Leitenfeld bzw. den „Hag“, den Bereich um Burg Freundsberg bis zum „Schmadl“ und den „Anzingerhof“ am Schlinglberg zog sich eine Spur der Verwüstung. Dutzende Bombentrichter markierten noch Jahre nach Kriegsende die zerstörende und todbringende Schneise. Die Bilanz an diesem traurigen Sonntag: Neun Tote, mehr als Hunderte Verwundete, zwei gänzlich zerstörte und Dutzende beschädigte Häuser, verwüstete Felder und Gärten.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später erlebte Schwaz ein weiteres trauriges Kriegskapitel. Am 15. Dezember 1944, wieder um die Mittagszeit, steuerten neuerlich Bomber die Stadt an und entluden diesmal im Zentrum ihre Munition. Bei diesem Angriff, bei dem nach Schätzung von Zeitzeugen rund 130 Bomben auf Schwaz krachten, wurden nicht nur 16 Personen getötet, sondern auch bedeutende Kulturdenkmäler unwiederbringlich zerstört. Etwa der berühmte „Meistersingersaal“ im Gerichtsgebäude sowie der Barocksaal im Grafenhaus mit seinen Waldmannschen Gemälden. Auch das Kolpinghaus und ein Teil der Arkaden am Friedhof wurden in Schutt und Asche gelegt. Dem Landrat wurde folgende Schadensmeldung übermittelt: 20 Totalschäden, 60 schwer und mittelschwer beschädigte und hundert leicht beschädigte Gebäude. Wenige Tage vor Weihnachten mussten damals Hunderte Schwazer Notunterkünfte in den Nachbargemeinden beziehen.


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