Verkehr in Gries: „Raser sind eine Gefahr für uns“

Anrainer monieren seit Langem, dass der 50er vielfach nicht eingehalten wird – ein Messgerät der Gemeinde belegt das. Nun soll sich ein Verkehrsplaner der Sache annehmen.

  • Artikel
  • Diskussion
Polizist Hans Salchner, Anrainer Martin Hörtnagl und BM Karl Mühlsteiger (v. l.) bei der Messstelle auf der Nösslacher Straße. Die lange Gerade verleitet viele, schneller als die erlaubten 50 km/h zu fahren.
© Daum

Von Denise Daum

Gries a. Br. – Die Wipptaler sind in Sachen Verkehr leidgeprüft. In Nösslach ist nicht nur der Ausweichverkehr von der Brennerautobahn ein Problem. Die Anrainer leiden zudem unter Autolenkern, die sich nicht an die 50-km/h-Beschränkung halten. Martin Hörtnagl, Betroffener und Gemeinderat in Gries am Brenner, hat schon mehrfach Alarm geschlagen. „Die Raser sind eine Gefahr für uns. Wir haben keinen Gehsteig, die Fußgänger sind also auf der Straße unterwegs“, erklärt Hörtnagl. Besonders um die Kinder sind die Anrainer besorgt. Ihm zufolge sind großteils Pendler – sprich Einheimische – auf dieser Strecke unterwegs. „Fast jedes Auto fährt zu schnell, manche blasen wie die Irren an uns vorbei. Wenn man ihnen dann mit der Hand signalisiert, langsamer zu fahren, bekommt man als Reaktion den Mittelfinger gezeigt“, ärgert sich Hörtnagl.

Ein Messgerät der Gemeinde Gries, direkt am Haus der Familie Hörtnagl montiert, bestätigt die Wahrnehmungen der Anrainer. Eine Messung im November ergab, dass von den insgesamt 4570 registrierten Fahrzeugen knapp 3730 mit mehr als 60 km/h unterwegs waren. Der Großteil davon fährt zwischen 60 und 70 km/h. Auch extreme Ausreißer sind dabei: 43 Fahrzeuge rasten mit 100 km/h vorbei, neun sogar mit mehr als 110. Für Martin Hörtnagl der Beweis dafür, dass „endlich etwas passieren muss“.

Hans Salchner, stellvertretender Kommandant der Polizeiinspektion Steinach und ebenfalls Gemeinderat in Gries am Brenner, ist bei der Beurteilung der Messergebnisse etwas zurückhaltender und relativierend. „Es handelt sich dabei um Messungen mit einem nicht geeichten Gerät. Es ist zudem nicht nachvollziehbar, welches Fahrzeug zu schnell war. Es könnte beispielsweise auch ein Einsatzfahrzeug darunter sein“, gibt Salchner zu denken. Die Problematik sei der Polizei aber bekannt. Es handle sich um eine Freilandstraße mit einer langen Geraden, auf der zudem schon von Weitem das Verkehrsschild mit dem Ende der 50er-Beschränkung zu sehen ist. „Das verleitet natürlich zum Schnellfahren“, weiß Salchner. Die Polizei führe deshalb dort auch regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen durch. „Wir wollen nicht nur strafen, sondern setzen vor allem auf Bewusstseinsbildung“, betont der Beamte.

Dem Bürgermeister Karl Mühlsteiger ist die Problematik bekannt. „In Nösslach kommt ja noch das Problem mit dem Ausweichverkehr dazu.“ Die Gemeinde hat deshalb nun einen Verkehrsplaner mit der Angelegenheit betreut. Zunächst soll die Situation evaluiert werden. Nur eines müsse dabei beachtet werden: Das Gutachten könnte auch ergeben, dass auf der Strecke auch eine 70er-Beschränkung ausreichen würde. „Das wollen wir natürlich keinesfalls“, betont Mühlsteiger. Erste Ergebnisse werden für das kommende Jahr erwartet.


Kommentieren


Schlagworte