Rund 9.000 Nächtigungen jährlich in Notschlafstellen in NÖ

St. Pölten (APA) - In Niederösterreichs Notschlafstellen werden jährlich rund 9.000 Nächtigungen in Anspruch genommen. Etwa 360 akut wohnung...

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St. Pölten (APA) - In Niederösterreichs Notschlafstellen werden jährlich rund 9.000 Nächtigungen in Anspruch genommen. Etwa 360 akut wohnungslose Menschen haben in den vergangenen zwölf Monaten von den 33 Plätzen in St. Pölten und Wiener Neustadt Gebrauch gemacht, informierte Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Dienstag. Neben Schlafmöglichkeiten werden Verpflegung und medizinische Versorgung angeboten.

Ermöglicht werden die Notschlafstellen durch die Emmausgemeinschaft St. Pölten sowie durch den Verein für Soziale Betreuung NÖ Süd, hielt Königsberger-Ludwig fest. „Das oberste Ziel ist es, in akuten Notsituationen eine Erstversorgung anzubieten, ein Dach über den Kopf für eine Nacht zu geben“, sagte die SP-Landesrätin bei einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Emmausgemeinschaft St. Pölten.

Verpflegung, Wasch- und Schlafmöglichkeiten „klingen für uns selbstverständlich, für Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, sind das Grundbedürfnisse“. Die Personen, die eine Notschlafstelle aufsuchen, „werden so wie sie sind angenommen und mit ihren Sorgen und Nöten auch ernst genommen“, erklärte Königsberger-Ludwig. Dies sei für Menschen in einer solchen Situation „besonders wichtig“. Es gebe auch eine Nachbetreuung für die Betroffenen, sagte die Landesrätin und erinnerte an die Initiative „Betreutes Wohnen“ und an die Tageszentren in Niederösterreich. Finanziert werden die Notschlafstellen vom Land Niederösterreich, rund 500.000 Euro pro Jahr werden dafür investiert, hielt die SPÖ-Politikerin fest.

Karl Langer, der Geschäftsführer der Emmausgemeinschaft St. Pölten, sieht das Angebot als einen „sozialen Empfangsraum“. „Mit einer ersten Schale Tee soll es beginnen, die Menschen können dann wieder so etwas wie Würde erfahren.“ Die Betroffenen würden meist auf eine ähnliche Geschichte zurückblicken: „Man kann eine Blaupause darüber legen.“ Meist beende eine familiäre oder psychische Krise das bis dahin geführte „gewöhnliche Leben“. Die Menschen würden in der Folge „innerlich heimatlos“. Dies führe dazu, „dass sie nach Lösungsmöglichkeiten suchen, die nicht ganz gesund sind“, sagte Langer.

„Irgendwann stehen sie dann vor einer Notschlafstellen-Tür - das ist für die Menschen kein leichter Schritt.“ Obdachlose könnten zu jeder Zeit herkommen, betonte der Geschäftsführer. „Unsere drei Notschlafstellen sind ganzjährig für Männer, Frauen und Jugendliche geöffnet. Gerade im Winter würden viele von ihnen die klirrend kalten Nächte im Freien sonst nicht überleben.“

Um die Frage zu klären, ob das Angebot künftig ausgebaut werden müsse, wünscht sich Langer eine Bedarfserhebung. „Von den Zahlen her alleine müssten wir das Auslangen finden“, meinte Königsberger-Ludwig mit Verweis auf die Tatsache, dass die bestehenden Plätze „nie zu 100 Prozent ausgelastet“ seien. Sie sei aber ebenfalls der Meinung, dass man sich den Bedarf „speziell in ländlicheren Regionen anschauen kann“.


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