Altersstatistik alarmiert: Mangel an Ärzten droht

In zehn Jahren werden 48 Prozent aller niedergelassenen Ärzte das Pensionsalter erreicht haben. Noch dramatischer sei die Situation der Ärzte mit einem Gebietskrankenkassen-Vertrag. Von diesen haben in zehn Jahren 55 Prozent das Pensionsalter erreicht.

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Wien –Die Ärztekammer unterlegt ihre Warnung vor einem Ärztemangel mit Zahlen. Die Standesvertretung hat die Altersstatistik (Stand Dezember 2018) aller 18.287 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ausgewertet. In zehn Jahren werden demnach 48 Prozent aller niedergelassenen Ärzte das Pensionsalter erreicht haben. Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf beziffert die Ärztekammer mit 938 Ärzten. Das sei aber nur jene Zahl, die zur Aufrechterhaltung des Status quo in fünf Jahren benötigt werde, um die pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren.

Man sei aber weit davon entfernt, den Bedarf decken zu können, sagt Kammer-Vizepräsident Johannes Steinhart. 2017 gab es zwar an den öffentlichen Universitäten 1665 Medizin-Absolventen, aber nur rund 40 Prozent davon werden in Österreich als Ärzte arbeiten. Verschärfend komme hinzu, dass der Ärztebedarf steigen werde, weil es immer mehr Menschen gebe, die sehr alt, somit auch betreuungsbedürftig werden.

Noch dramatischer sei die Situation der 7099 Ärzte mit einem Gebietskrankenkassen-Vertrag. Von diesen haben in zehn Jahren 55 Prozent das Pensionsalter erreicht. Mittelfristig nachzubesetzen seien 434 GKK-Ärztestellen pro Jahr. Bei den Fachärzten werden gar 60 Prozent in zehn Jahren in Pension gehen. Von den heute 239 praktizierenden Orthopäden sind es 64 Prozent, von den 394 Frauenärzten 65 Prozent, von den 166 Urologen 58 Prozent und von den 390 Fachärzten für Innere Medizin 61 Prozent.

Nur geringfügig besser ist die Situation bei den 10.099 Wahlärzten, die Steinhart als „unverzichtbare Säule“ der ärztlichen Versorgung qualifiziert. Fast 42 Prozent von diesen erreichen in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter.

Steinhart begehrt einen Polit-Gipfel, um den Ärztemangel zu beheben. Nötig seien bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. In Deutschland gebe es einen Masterplan zur Erhöhung der Medizinstudenten-Zahl. Möglich wären auch Stipendien für Landärzte oder von Spitälern, wenn Absolventen eine Zeit lang dort werken. In manch ländlicher Region würden Ärzte mit Zusatzleistungen gelockt. (APA, TT)


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