Prüfbericht wurde publik: Schwere Vorwürfe gegen Bischof Schwarz

Das Gurker Domkapitel trat am Dienstag mit einem Bericht an die Öffentlichkeit. Vergangene Woche war die Veröffentlichung untersagt worden.

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Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz.
© APA/HANS PUNZ

Klagenfurt – Sechs Mann hoch ist am Dienstag das Gurker Domkapitel vor die Presse getreten, um schwere Vorwürfe gegen Bischof Alois Schwarz zu erheben. Diese betreffen sowohl seinen Amts- und Führungs- als auch seinen Lebensstil. Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger sprach von fragwürdigen Personalentscheidungen und undurchsichtigen Vorgängen, die der Kirche schweren Schaden zugefügt hätten.

Gleichzeitig wurde eine Zusammenfassung des Prüfberichts über das Mensalgut publik gemacht. Daraus geht hervor, dass das Bistum 2016 und 2017 Verluste geschrieben hat, im vergangenen Jahr waren es 1,7 Millionen.

Tiefrote Zahlen brachte das Bildungshaus St. Georgen samt dem Hotelbetrieb im Stift, dessen Auslastung sehr zu wünschen übrig ließ. Die Mitarbeiterkosten im Hotel explodierten ab 2016, im Bereich des Bildungshauses findet sich der Vorwurf, dass Konzertbesucher einfach zu den Teilnehmern der hauseigenen Veranstaltungen dazuaddiert wurden.

Badehaus für eine Million Euro

Fragwürdig erscheint bei dem Betriebserfolg auch der Bau eines Badehauses um eine Million Euro. Dazu wurde das Statut des Bistums nicht eingehalten, und zwar über Jahre hinweg. Da einzelne Mitglieder des Aufsichtsgremiums dagegen protestierten, wurde das Gremium von Bischof Schwarz kurzerhand aufgelöst und auch gleich das Statut geändert. Im Bericht heißt es dazu: „Ein so abgeändertes Statut entspricht nicht den im kirchlichen Vermögensrecht gegebenen Normen.“

Dieser Bericht durfte vergangene Woche nicht veröffentlicht werden. Die Situation nach der Weisung der Bischofskongregation war laut Guggenberger für viele Anlass zur Sorge, Unsicherheit, Irritation, Ratlosigkeit, Wut, Empörung und Sprachlosigkeit: „Das Gurker Domkapitel, das gemeinsam mit mir die Leitung innehat, sieht sich daher veranlasst, mit diesem Statement an die Öffentlichkeit zu treten.“

Anlässlich der Berufung von Schwarz nach St. Pölten seien massive öffentliche Vorwürfe betreffend seiner Amts- und Lebensführung erhoben worden. Da der scheidende Bischof dazu nicht Stellung genommen habe, sei die neue Führung mit diesbezüglichen Anfragen konfrontiert. Guggenberger: „Uns war klar, dass die offenen Fragen eine Dimension erlangt hatten, die es unmöglich gemacht hat, diese Angelegenheit als eine innerkirchliche zu betrachten und die Öffentlichkeit außen vor zu lassen.“ Zu schwerwiegend und zu weithin bekannt seien die Vorwürfe gewesen. Daher habe man eine Arbeitsgruppe eingesetzt, einen Bericht erarbeitet, dessen Veröffentlichung dann per Weisung untersagt worden sei.

Guggenberger sieht sich an Affäre Groer erinnert

Seitdem seien im ganzen Land, nicht nur in Kärnten, die Wogen hoch gegangen. Einerseits würden sich die Menschen mit der Diözesanleitung solidarisieren, andererseits drohten viele damit, die Kirche zu verlassen. Die Kirche, so der Vorwurf, verweigere sich der Transparenz und beschädige damit nachhaltig ihre Glaubwürdigkeit. Guggenberger bezeichnete die Vorgangsweise als „Rückfall in überwunden geglaubte Verhaltensmuster in die Zeit aus der Affäre rund um Kardinal Groer.“

In seiner Führung der Diözese sei der Bischof von seinem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber seiner Vertrauten geprägt gewesen. Aufgrund seiner Lebensführung sei der Bischof in seiner Amtsführung immer mehr beeinträchtigt gewesen, „weil er für Priester im Zusammenhang mit seiner Zölibatsverpflichtung erpressbar war“. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe schließlich das Engagement eines Ex-Geheimdienstchefs durch Bischof Schwarz mit dem Ziel, den Verfassern der anonymen Schreiben im Kreis der Mitarbeiter nachzuspüren.

Guggenberger ging auch auf den Vorwurf ein, dass man während Schwarz‘ Amtszeit nichts unternommen hätte. Er erklärte, das Domkapitel und auch andere Priester und Laien hätten Schwarz wiederholt mit den Zuständen konfrontiert, und zwar sowohl unter vier Augen als auch in Gremien. Die Nuntiatur in Wien und damit die römischen Stellen, auch Kardinal Schönborn sowie die jeweiligen Salzburger Metropoliten „sind seit Jahren in Kenntnis über die Auswirkungen des „Systems Bischof Schwarz“, sie waren nicht nur Adressaten zahlreicher anonymer Briefe, sondern auch namentlich gekennzeichneter Schreiben und persönlicher Vorsprachen“.

Die Bischofskonferenz habe spätestens seit 2008 Kenntnis von den Zuständen. Bischof Kothgasser habe damals von einer Situation gesprochen, die einer verantwortungsvollen und entschiedenen Klärung bedürfe. Dennoch habe sich seit 2008 an den beschriebenen Umständen nichts geändert.

Zur Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, erklärte Guggenberger namens des Domkapitels: „Wir fühlen uns unserem Gewissen verpflichtet, wollen mit diesem Statement und dem Abschlussbericht, den wir auch auf unsere Website stellen, unseren Teil dazu beitragen, dass diese Fragen, das Mensalgut betreffend, der Transparenz gerecht werden.“ Guggenberger entschuldigte sich dann ausdrücklich bei den Mitarbeitern, die gekündigt worden waren oder aufgrund der unerträglichen Arbeitssituation in Bistum und Diözese selbst gekündigt hätten. Er bedankte sich auch bei den Medien, die immer wieder Problemzonen aufgezeigt und Glaubwürdigkeit und Transparenz eingemahnt hätten. Abschließend erklärte er: „Die katholische Kirche in Österreich hat 2010 in Befolgung des biblischen Leitfadens, ‚die Wahrheit wird euch frei machen‘, einen gangbaren Weg gefunden. Möge es den Verantwortlichen gelingen, sich auf den Grundlagen dieses Leitfadens zu verständigen, das Geschehene aufarbeiten und so einen guten Weg in die Zukunft zu gehen.“

Keine Stellungnahme aus St. Pölten

Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz wollte sich nicht zu den am Dienstag erhobenen Vorwürfen des Gurker Domkapitels äußern. Auf Anfrage wurde auf eine Stellungnahme vom Montag der Vorwoche zur Forderung der Bischofskongregation verwiesen, „die kirchenrechtlich legale Vorgehensweise betreffend der Prüfung des Wirkens eines Bischofs einzuhalten“.

Bischof Schwarz „wird in dieser Causa keine weitere Stellungnahme abgeben und bittet um Geduld, bis Antworten zur weiteren Vorgehensweise seitens der Bischofskongregation bekannt sind“, wurde am Dienstag mitgeteilt.

In der Stellungnahme in der Vorwoche hatte der Bischof u.a. erklärt, dass der Rohbericht die „Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und der ergänzenden Bestimmungen der Geschäftsordnung für den Wirtschaftsrat und der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung festhält“. Weiters wurde mitgeteilt: „Wahrheit ist, dass laut Rohbericht keine Tätigkeiten stattgefunden haben, die den Bestand des Bistums gefährden oder seine Entwicklung wesentlich beeinträchtigen können. Ebenfalls konnten laut Rohbericht keine schwerwiegenden Verstöße der gesetzlichen Vertreter oder von den Arbeitnehmern gegen Gesetz oder Geschäftsordnung erkannt werden.“ Seine Tätigkeiten als Bischof hätten sich immer an den Vorgaben des Kirchenrechts orientiert – „Erhaltung und Vermehrung des Stammvermögens des Bistums“. Das zeige sich „in den massiven Wertsteigerungen angekaufter Immobilien, dem Rückkauf von Forstflächen, sowie umfangreichen Sanierungen von Beständen“. (APA, TT.com)


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