Prüfbericht über Bistum Gurk listet ganze Reihe von Mängeln auf

Klagenfurt (APA) - Der Prüfbericht über das Bistum Gurk, das bischöfliche Mensalgut, der am Dienstag in einer Zusammenfassung öffentlich gew...

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Klagenfurt (APA) - Der Prüfbericht über das Bistum Gurk, das bischöfliche Mensalgut, der am Dienstag in einer Zusammenfassung öffentlich geworden ist, listet eine ganze Reihe von Mängeln auf. So wird der Abschluss von Rechtsgeschäften ohne die nötigen Gremialbeschlüsse moniert, das Bistum schrieb 2016 und 2017 rote Zahlen, und die Evaluierung von Bildungshaus und Hotel in St. Georgen ergab viele Mängel.

Die Prüfer merkten gleich einmal kritisch an, dass es sich um eine Erstprüfung gehandelt habe, da es seit 2013 keine jährliche Prüfung gegeben habe, obwohl dies das ab September 2013 geltende Statut des Bistums und die ab Oktober 2013 geltende Geschäftsordnung für den Wirtschaftsrat des Bistums Gurk verlangen würden. Es seien Rechtsgeschäfte gefunden worden, deren Abschluss nicht von den Gremien abgesegnet worden war, wie etwa den Dienstvertrag mit Andrea Enzinger, der ehemaligen Leiterin des Bildungshauses. Dieser hat bei einem Arbeitsgerichtsprozess nach Enzingers Kündigung den Arbeitsrichter dazu veranlasst, bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen des Verdachts der Untreue zu erstatten.

Die Rechnungsabschlüsse des Bistums waren 2014 und 2015 noch positiv. 2016 drehte das Ergebnis auf minus 0,7 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es bereits 1,9 Millionen. Dies ist vor allem darin begründet, dass es in den Jahren 2016 und 2017 im Hotel- und Bildungsbereich eine massive Steigerung der Verluste gab. So lagen die jährlichen operativen Verluste im Hotel- und Bildungsbereich des Bistums Gurk bis ins Jahr 2015 bei etwa 0,6 Millionen. Diese Verluste wurden zu einem wesentlichen Teil durch diözesane Zuschüsse ausgeglichen. In den Folgejahren verdoppelten sich die jährlichen Abgänge in diesem Bereich auf 1,3 und 2017 1,4 Millionen Euro. Das konnte durch die sonstigen Erträge des Bistums nicht mehr ausgeglichen werden. Vergleichsweise harmlos muten da die Zuschüsse von knapp 600.000 Euro an, die das 2013 gegründete Wirtschaftsethikinstitut Stift St. Georgen bis zu seinem Verkauf im Vorjahr gebraucht hatte. Das von Schwarz gegründete Unternehmen sollte Firmen und Organisationen bei der Implementierung von Ethik und Corporal Social Responsibility im Management helfen.

Ein schlechtes Zeugnis wird Hotel und Bildungshaus ausgestellt. So stiegen die Mitarbeiterkosten im Hotelbereich durch zusätzliche Personalaufnahmen im Jahr 2016 um 260.000 Euro, ein Plus von 25 Prozent. Die Gesamt-Mitarbeiterkosten im Stift betrugen 2016 und 2017 im Schnitt 1,5 Millionen Euro. Die Auslastung des Hotels lag bei 47 Prozent, für einen Ganzjahresbetrieb ein sehr schwacher Wert.

Im Bildungsbereich haben sich die Mitarbeiterkosten nach der Einsetzung Enzingers laut Bericht „maßgeblich erhöht“, nämlich von 256.000 Euro im Jahr 2015 auf im Vorjahr 409.000 Euro, das ist eine Steigerung um 60 Prozent. Mehr Nächtigungen aufgrund der angebotenen Kurse wurden kaum registriert. Gleichzeitig sank der Output des Bildungshauses. 2014 wurden 63,4 Prozent der geplanten Veranstaltungen auch tatsächlich durchgeführt, 2017 waren es knapp unter 60 Prozent. Zugleich verschlechterte sich die Kostenstruktur, die Einnahmen aus Seminarbeiträgen deckten fast nur mehr die Honorarkosten externer Referentinnen und Referenten. Dies bedeutet, dass keine weitere Deckung für Kosten von eigenem Personal, Infrastruktur etc. gegeben ist. Dazu kommt noch ein Vorwurf: Im Bildungsbereich seien 2016 und 2017 die Teilnehmerzahlen falsch dargestellt worden, indem die Besucher von Konzerten den Teilnehmern der hauseigenen Veranstaltungen hinzu gezählt wurden. Ob für diese Veranstaltungen auch öffentliches Geld in Form von Subventionen geflossen ist, war vorerst noch offen.

Die Prüfung umfasste auch ausführliche Gespräche mit Mitarbeitern von Hotel und Bildungshaus. Deren Ergebnisse fasst der Bericht so zusammen: „Enzinger agierte (...) inkompetent, willkürlich und sehr oft auf den Bischof verweisend („der Herr Bischof wünscht das“). Dieses Agieren wurde auch beschrieben als „von Emotionen geleitet“, „unberechenbar“, „nicht kommunikativ“ und „unprofessionell“. Nach den Aussagen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trägt Andrea Enzinger die Verantwortung für ein Arbeitsklima, das befragte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als „verheerend“ bezeichneten und das nach ihrem Eindruck geprägt war von „Angst, Intrige und Mobbing.“

Die Personalfluktuation spiegelt diese Entwicklung wider. Sie lag 2014 und 2015 bei 25 Prozent, 2016 mit Übernahme des Bildungsbereichs durch Enzinger stieg sie auf 60 Prozent und lag 2017 immer noch bei 30 Prozent. Für die Prüfer bedeutet das: „Dies schlug sich durch zusätzliche Kosten im wirtschaftlichen Ergebnis nieder. Die (...) signifikante Ergebnisverschlechterung resultiert hauptsächlich aus einem verfehlten Personalmanagement und einer überzogenen, die Wirtschaftserfordernisse wenig beachtenden Investitionspolitik im Hotel- und Bildungsbereich.“

Dass die Änderung der Statuten des Bistums und die Entmachtung des Wirtschaftsbeirates nicht dem Kirchenrecht entsprechen, war bereits im Sommer bekannt geworden. Bischof Schwarz ersetzte das Kontrollgremium durch einen Fachbeirat mit ausschließlich beratenden Kompetenzen. Die Bilanz wurde nicht mehr durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft. Sämtliche Genehmigungsvorbehalte wurden von Schwarz abgeschafft. Zugleich wurden die Wertgrenzen für die Beratung durch den Fachbeirat bei Krediten und Veräußerungen von 100.000 Euro auf eine Million angehoben. Im Bericht heißt es dazu: „Ein so abgeändertes Statut entspricht nicht den im kirchlichen Vermögensrecht gegebenen Normen. Insbesondere wurde der nach can. 1280 CIC geforderte Vermögensverwaltungsrat in seinen Befugnissen ausgehöhlt. Das Bistum Gurk stand damit ohne effektives Aufsichtsorgan da. Guggenberger hatte diese Anordnungen des Bischofs gleich nach seiner Wahl zum Diözesanadministrator rückgängig gemacht.


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