Postraub vom Oktober 2009: Prozess gegen Hintermänner fortgesetzt

Wien (APA) - Am Wiener Landesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen zwei mutmaßliche Hintermänner eines Überfalls fortgesetzt worden, der...

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Wien (APA) - Am Wiener Landesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen zwei mutmaßliche Hintermänner eines Überfalls fortgesetzt worden, der sich am 6. Oktober 2009 auf eine Post-Filiale in Wien-Ottakring zugetragen hat. Verhandelt wurde vor einem Schwurgericht - eine der Angestellten hat der Raub laut Anklage derart mitgenommen, dass bei ihr schwere Dauerfolgen eingetreten sind.

Der beigezogene Gerichtspsychiater Peter Hofmann bescheinigte der mittlerweile 53-Jährigen eine posttraumatische Belastungsstörung, die er auf das Erlebte zurückführte. Die Frau war erstmals 2008 überfallen worden. Der damalige Täter hatte im Postamt sogar in die Decke geschossen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Gänzlich aus dem Gleichgewicht brachte sie aber der zweite Raub, wie sie nun als Zeugin dem Gericht (Vorsitz: Sonja Weis) darlegte.

Dieser Täter hätte sie und ihre Kollegen mit einer Schusswaffe bedroht und einen „tödlichen Blick“ an den Tag gelegt, sagte die Zeugin: „Es war schrecklich. Ich möchte mich nicht daran erinnern.“ Der Unmaskierte sei einfach da gestanden und hätte auf sie gezielt: „Vielleicht hat‘s ihm Spaß gemacht.“

Zu den Folgen des Überfalls meinte die 53-Jährige: „Ich kann seither schlecht schlafen, habe Angstzustände, Schweißausbrüche.“ Sie habe schließlich ihren Job bei der Post und zwei weitere berufliche Tätigkeiten aufgeben müssen: „Ich habe vorher 3.000 Euro netto verdient. Jetzt habe ich nichts als Schulden. Ich kann mir nix mehr leisten.“ Sie stehe in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung: „Ich habe lange Zeit überall dieses Gesicht (gemeint: des Täters, Anm.) gesehen.“

Allerdings hatte die Frau erst 2013 ihre berufliche Karriere beendet, woraus die Verteidiger den Schluss zogen, dass der Raub möglicherweise gar nicht kausal für ihren psychischen Verfall war. „Ich habe lange versucht, selbst damit klar zu kommen“, hielt dem die Frau entgegen. Sie habe vier Jahre gebraucht, um zu erkennen, „dass ich es nicht in den Griff bekomme.“

Weil ein Anwalt sie recht scharf befragte, stürmte die Zeugin nach ihrer Aussage noch ein Mal weinend in den Gerichtssaal und pflanzte sich vor dem betreffenden Verteidiger auf. „War das nötig?“, rief sie ihm sichtlich erbost zu. „Ja“, erwiderte dieser trocken. Sie wolle sich mit dem Postraub nicht mehr auseinandersetzen, konterte die 53-Jährige: „Soll ich deswegen im Urwald verschwinden?“

Die nunmehrigen Angeklagten sollen die Tat gemeinsam mit einem Mann, gegen den gesondert verhandelt wird, und einem bereits verurteilten, damals im betroffenen Postamt beschäftigten Mitarbeiter geplant haben, der in den Coup eingeweiht war. Bei dem Überfall hatte ein mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bewaffneter Georgier 264.000 Euro erbeutet. Dafür fasste er zwölfeinhalb Jahre Haft aus. Der involvierte Postmitarbeiter kassierte zehn Jahre. Vor Antritt seiner Strafe setzte sich der Mann mit türkischen Wurzeln allerdings in seine Heimat ab. Seither ist er von der Bildfläche verschwunden.

Der nunmehrige Erstangeklagte, ein 48-jähriger Armenier, und der Mitangeklagte, ein 32-jähriger, seinerzeit ebenfalls bei der Post beschäftigter Österreicher, hatten schon beim Verhandlungsauftakt im vergangenen August in Abrede gestellt, mit dem Untergetauchten den Überfall eingefädelt zu haben. Der Armenier beteuerte auch heute, er habe mit der Sache nichts zu tun. Der 32-Jährige erklärte, er sei vom verschwundenen Ex-Arbeitskollegen auf einen inszenierten Raub angesprochen worden, hätte dieses Ansinnen aber abgelehnt und nicht mitgemacht.


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