Heftige Kritik an Plänen für elektrische Achenseebahn

Verein Achenseebahn (un)erträglich hält Appenzeller-Garnituren für ungeeignet. Laut LHStv. Geisler soll Landesgeld für Bahn bald fließen.

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Christian Wirtenberger, Martin Komploier und Helmuth Wirtenberger (v. l.)sind gegen die Elektrifizierung und den Taktverkehr der Achenseebahn.
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Von Walter Zwicknagl

Jenbach –„Der Fortbestand der Achenseebahn liegt uns am Herzen, eine Elektrifizierung brauchen wir aber nicht“, sagen Helmuth Wirtenberger, Martin Komploier und Christian Wirtenberger energisch. Sie haben einen Verein namens „Achenseebahn (un)erträglich“ aus der Taufe gehoben, der vor wenigen Tagen auch von der Behörde genehmigt wurde.

Klar formuliert Helmuth Wirtenberger, ein gelernter Elektroingenieur und Obmann des Vereins, seine Zweifel an der Verwendbarkeit der Trieb- und Steuerwagen, die von der Appenzellerbahn gekauft wurden. Zu hohes Gewicht, zu hohe Leistung, keine Zulassung für die Steigung und fehlende Barrierefreiheit seien genug Gründe, um gegen eine Elektrifizierung aufzutreten. „Wir brauchen keinen Taktverkehr im Stil einer Straßenbahn“, sagt Martin Komploier als Anrainer der Bahn. Einhellig dokumentiert das Trio: „Gegen eine umweltfreundlichere und marketing-technisch gut aufgestellte Achenseebahn ist nichts einzuwenden.“ Das Gerede, der Nostalgiebahn den Dampf abdrehen zu wollen, hat Christian Wirtenberger satt. „Die bald 130-jährige Bahn gehört zu Jenbach. Und daran gibt es nichts zu rütteln“, meint er im TT-Gespräch.

„Die Fahrzeuge der Appenzellerbahn sind für eine Steigung von 100 Promille zugelassen, die Achenseebahn-Trasse weist allerdings eine maximale Steigung von 160 Promille auf“, gibt Helmuth Wirtenberger, der in Jugendjahren als Heizer der Achenseebahn auf der Lok stand, zu bedenken. Zudem sei die Belastung der Zahnradstrecke nach Umbauten schon heute an der Grenze angelangt. Die Achenseebahn wiege laut Infos durch das Bundesministerium 33 Tonnen, eine Garnitur der Appenzellerbahn bringe aber 58 Tonnen auf die Waage. Ob überhaupt eine Weiche – und eine solche brauche es – im Taktverkehr für das verwendete Zahnstangensystem Riggenbach verfügbar ist, bezweifelt er. Sein Resümee: Die bereits angekauften Fahrzeuge sind auf der bestehenden Strecke nicht verwendbar. Ob der Betrieb einer elektrifizierten Strecke in Verbindung mit täglich mehrmals verkehrenden Dampfloks überhaupt möglich ist, stellt er in Frage.

Intensiv beschäftigt sich jetzt auch die Politik mit dem Überleben der Achenseebahn. „Mir ist der Fortbestand der Dampfzahnradbahn ein Anliegen“, betont LHStv. Josef Geisler. „In einem Soforthilfepaket werden Land und Bund 1,2 Millionen Euro aufbringen müssen. Den Tiroler Anteil wollen wir im nächsten Landtag beschließen“, sagt er. Andernfalls müsste die Bahn wohl Konkurs anmelden. Damit im Mai des nächsten Jahres wieder gefahren werden kann, sei schnelles Reagieren notwendig. Eine Grundlagenerhebung von Landesseite habe es bereits gegeben. Ziel sei erst einmal die Sanierung der Flachstrecke von Eben bis Seespitz, im Auge habe man auch eine langfristige Sanierung. Durch eine Kapitalaufstockung – sprich Aktienmehrheit – sollten wieder die Gemeinden Eben, Jenbach und Achenkirch das Sagen haben.

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Ganz anders sieht Achenseebahn-Vorstand Georg Fuchshuber die Kritik des jungen Vereins. „Die Belastung für die Gleisanlage liegt in derselben Gewichtsklasse. Zugelassene Triebwagenzüge aus der Schweiz sind grundsätzlich auch in Österreich zugelassen. Die Leistung reicht aus, dass Züge mit 30 km/h in der Zahnstange und 65 km/h auf freier Strecke fahren“, sind seine Argumente. Barrierefreiheit könne man mit einer Rampe am Bahnhof bieten. „Wenn die Bahn planmäßig starten soll, braucht es jetzt Geld und nicht in einigen Monaten“, meint der Vorstand.


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