Entscheidung ohne Zuhörer in Westendorf

Der Westendorfer Gemeinderat hat die Richtlinien und die Vergabe der Grundstücke im Einheimischenprojekt Lindacker beschlossen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Bereits im kommenden Jahr könnte der Lindacker bebaut werden.
© Angerer Harald

Von Harald Angerer

Westendorf –Leistbares Wohnen – ein Thema, das allen Gemeinden im Bezirk Kitzbühel unter den Nägeln brennt. In Westendorf hat sich der Gemeinderat am Dienstagabend gleich mit zwei Flächen beschäftigt, die für Einheimische interessant sind. Zum einen ist dies das Einheimischenwohnprojekt am Lindacker und zum anderen das so genannte Schede­rerfeld.

Vor allem beim Lindacker ist man schon recht weit. Hier hat die Gemeinde zusammen mit dem Tiroler Bodenfonds etwa einen Hektar zur Vergabe. Am Dienstagabend stand neben dem Erlass eines Bebauungsplans für die Fläche auch die Vergabe der Grundstücke auf der Gemeinderats-Tagesordnung. Für die Zuhörer gab es aber nur die Erklärung und Abstimmung des Bebauungsplans zu hören, denn die Vergabe wurde kurzerhand in den nicht öffentlichen Teil gesetzt und damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen. Aber nicht nur die Vergabe, sondern auch die Kriterien selbst wurden erst im nicht öffentlichen Teil festgelegt. „Wir wollten das in Ruhe diskutieren. Das wollte eigentlich kein Gemeinderat, dass dieser Punkt öffentlich behandelt wird“, sagt Annemarie Plieseis (WIR).

Es gebe aber nachvollziehbare Kriterien, nach denen die Vergabe nun erfolgt ist. Man habe sich ein Punktesystem überlegt. Dieses sei bereits im Gemeindevorstand besprochen worden und im Gemeinderat wurden nun noch Anpassungen vorgenommen. Die Vergabe sei aber völlig transparent, betont Plieseis, es könne in jedem Fall belegt werden, warum die Grundstücke an die jeweilige Person vergeben wurden.

Beschlossen wurden die Vergaberichtlinien aber nicht, das werde man in der Jännersitzung nachholen. Ob diese dann auch öffentlich ersichtlich sind? „Darüber haben wir noch nicht diskutiert“, sagt die Bürgermeisterin. 16 der 18 Einheiten wurden jedenfalls am Dienstag vergeben, aber auch das sei nicht in Stein gemeißelt. Erst müsse überprüft werden, ob die Angaben der Bewerber noch aktuell sind und auch stimmen.

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Auf dem Lindacker sind derzeit 18 Wohneinheiten geplant, mit einer Grundstücksgröße von 265 bis 410 m2. Bei der Bebauung gibt es sehr strenge Vorgaben, wie zum Beispiel Giebeldächer, eine sehr verdichtete Bauweise mit nur schmalen Zugängen zu den Gärten, auch die Baulinie zur Erschließungsstraße muss genau eingehalten werden. Auch sind Freihalteflächen für eine Spielwiese vorgesehen und ein Bereich für Besucherparkplätze. Die Erschließungsstraße ist mit sieben Metern recht breit gehalten, „diese ist aber nicht zum Parken gedacht“, betont Raumplanerin Claudia Schönegger.

„Mit der Zufahrt über die Brücke sind wir nicht ganz zufrieden“, sagt Leonhard Schroll von der Liste „Aufwind“. Er bittet aber, beim Bau auf jeden Fall das Gebiet nicht über den Ort, sondern über den Bereich Au anzufahren. Das solle klar festgelegt werden. Hinter den Kulissen sind einige Gemeinderäte mit der geplanten Bebauung nicht ganz zufrieden. Der Bebauungsplan wurde trotzdem einstimmig beschlossen. Läuft alles nach Plan, soll bereits in der Jännersitzung des Gemeinderates die Widmung der Grundstücke erfolgen, „dann könnten die Ersten bereits im Jahr 2019 zu bauen beginnen“, freut sich die Bürgermeisterin.

Ebenfalls Thema war das so genannte „Schedererfeld“. Hier gibt es schon seit einigen Jahren Gespräche zu einem Siedlungsprojekt. Nun wurde im Gemeinderat ein Bebauungsplan für die Fläche beschlossen. Auch hier sind Grundstücke für Häuser geplant, aber auch eine Fläche für einen gemeinnützigen Wohnbauträger. Eine Widmung gibt es für die Fläche noch nicht, das sei aber der nächste Schritt.


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