Schätze der klingenden Weihnacht

Am Wochenende findet im Konservatoriumssaal zum letzten Mal das beliebte Tiroler Weihnachtskonzert statt.

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Frater Josaphat Leitner OFM, „Das Christkindlein erscheint selbst in dem von Franziskus gemachten Kripplein“ (Franziskanerkloster Brixen).
© Larl

Von Ursula Strohal

Innsbruck –Das Tiroler Weihnachtskonzert vor dem Heiligen Abend gehört traditionell zum Advent. Es wird übermorgen Samstag (16 und 20 Uhr) und am Sonntag (16 Uhr) erneut den Konservatoriumssaal in Innsbruck füllen. Aktuell aufliegen wird die CD vom Livemitschnitt 2017. Da stand eine Messe des legendären Lechtaler Franziskanermönchs P. Peter Singer im Mittelpunkt, dessen Orgelspiel sogar von Franz Liszt bewundert worden ist.

Zur Interpretation ist wieder die Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessls Leitung aufgeboten. Das nunmehr 30. Tiroler Weihnachtskonzert steht unter dem Motto „Ein’ große Freud’ euch muss verkünden“. Danach beenden die Musikwissenschafter Manfred Schneider und Hilde­gard Herrmann-Schneider (Institut für Tiroler Musikforschung) ihre Konzertreihe.

Feldforschungen Manfred Schneiders in den 1980er-Jahren gaben den Ausschlag für sein Konzept der Tiroler Weihnachts-, Passions- und Ostersingen, für die er viel unbekanntes und auch verloren geglaubtes Repertoire aufbereitete.

Ab 1994 wurden dann in den Weihnachtskonzerten volksmusikalische Schätze, frühe Weihnachtsliteratur aus seiner klingenden Aufbereitung der Tiroler Musikgeschichte und aus den grundlegenden Forschungen von Hildegard Herrmann-Schneider präsentiert.

Die vielen unbekannten Weihnachtslieder, die oft volksnahen liturgischen Vertonungen, die Qualität und Originalität der Musik und Offenbarung lokaler Begabungen war einzigartig in der regionalen Aufarbeitung. Was in diesen im Vorfeld sehr aufwendigen Konzerten berührte, waren über die Wiederentdeckungen hinaus die Kunstfertigkeit vieler Werke sowie eine Schlichtheit und Ehrlichkeit des schöpferischen Musizierens, die ihre Spiegelung in den Interpretationen sucht. Die Konzert­e sind wissenschaftlich aufgearbeite­t und in CDs zugänglich gemacht worden (www-musikland-tirol.at).

In ihrem letzten Weihnachtskonzert gehen Schneider und Herrmann-Schneider weiter auf die franziskanische Musiziertradition ein. Durch das Programm zieht sich eine Pastoralmesse aus anonymer Feder, in die, bislang beispiellos, Weihnachtslieder direkt in die Sätze eingebaut sind.

Ein besonderes Fundstück ist auch das begleitende Bild, ein Detail aus einem Gemälde im Franziskanerkloster Brixen: Der Bilderzyklus zum Leben des heiligen Franz von Assisi von Frater Josaphat Leitner OFM entstand 1700/01 und zeigt – eine Rarität – die Anbetung der Franziskaner, Figuren verschiedener Gesellschaftsschichten und vier Musikinstrumente.


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