Scharfe Kritik an der Pflegepolitik

Liste Fritz klagt Versäumnisse bei Personalfragen und Bettenerhebung an, Gesundheitslandesrat kontert.

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Innsbruck –Für Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider ist die Lage paradox: „Einerseits stehen am Papier viele Betten leer, andererseits finden diejenigen, die akut einen Pflegeplatz benötigen würden, keinen.“ Für die Oppositionspolitikerin ist auch das ein Indikator dafür, wie es um die Personalsituation in den über 90 Tiroler Alten- und Pflegewohnheimen in Tirol so steht. Aus Sicht von Haselwanter-Schneider nämlich nicht gut.

Nun ist die angespannte Lage im Pflegebereich bekannt – insbesondere was die Zukunftsprognosen betrifft. Die Zahl der zu Pflegenden steigt immer weiter, doch das dafür nötige Pflegepersonal ist schon jetzt kaum zu bekommen. Eine andere Frage ist jene nach der Finanzierbarkeit. Das Land ist derzeit dabei, seinen laufenden Strukturplan Pflege zu evaluieren. Die Bundesregierung will bis Ende 2019 einen „Masterplan Pflege“ für Österreich als Gesetzespaket vorlegen.

Anhand je einer Anfrage an Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) sowie Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) wollte die Liste Fritz genaue Zahlen über die Anzahl freistehender Pflegebetten in Land und Stadt erhalten. Mit Stand Ende April waren dies landesweit 37 von 6196 Langzeit- sowie 237 von 313 Kurzzeitpflegeplätzen. In Innsbruck waren mit Anfang November 58 Plätze frei (Anm: das war vor dem Brand des Altenwohnheims Schwaz und der nachfolgenden temporären Absiedelung seiner Bewohner nach Innsbruck). „Die Auskünfte passen nicht zusammen“, wundert sich Haselwanter-Schneider. Immerhin müssten die freien Plätze in Innsbruck in den tirolweiten Zahlen bereits inkludiert sein. Aber auch der vom Land angegebene Erhebungsstichtag mit Ende April stößt der Politikerin sauer auf: „Aktuelle Zahlen gibt es nicht?“ Tilg wirft sie deshalb vor, in Sachen Pflege „im Blindflug“ unterwegs zu sein.

Beim Pflegepersonal fehlten in Tirol (mit April 2018) rund 50 vollzeitäquivalente Stellen im Bereich Pflegediplom, 50 in der Pflegeassistenz sowie zirka 26 Heimhilfen.

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Um Abhilfe zu schaffen, bereiten die Innsbrucker Sozialen Dienste eine Personalmarketingkampagne im In- und Ausland vor, zudem werden über die Immobilien GmbH Raum günstige Dienstwohnungen gesucht. Die diesbezüglichen Initiativen auf Landesebene gehen Haselwanter-Schneider indes nicht weit genug. Das Motto „ambulant vor stationär“ kann sie aus dem Budget auch nicht herauslesen. Der Budgetposten für die mobile Pflege verbleibe 2019 bei 55 Mio. Euro. So wie auch heuer.

Tilg weist die Kritik der Liste Fritz zurück. Die Bettenerhebungen würden regelmäßig durchgeführt. Dass die Frage des Personals eine zentrale für die Zukunft sei, habe man erkannt und steuere dagegen: „Mit unserem Zehn-Punkte-Programm haben wir ein Bündel an Maßnahmen in der Umsetzung.“ (mami)


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