Altach-Torjäger Aigner: „Es gibt viel schlimmere Sachen im Leben“

Torjäger Hannes Aigner, in seiner Wahlheimat in Altach von den Fans auch „Fußballgott“ gerufen, bangt um seine Karriere. Der 37-jährige Routinier bewahrt aber trotz Sehstörungen einen ganz klaren Blick.

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Naturbursch – mit Sira (hell/9 Jahre) und Luna (13) ist Hannes Aigner an der Seite von Nichte Juliana als Hundeflüsterer unterwegs.
© Gruber

Schwaz – Nach einem Kopfball im Training sah Hannes Aigner Ende September im Training plötzlich auf beiden Augen doppelt. „Ich hatte zu wenig Spannung im Nacken“, blickt er zurück. Nicht der klassische Sehnerv, sondern jeweils einer von drei Nerven hinter den Augen sei beschädigt „wie ein eingerissenes Band“. Die Heilung kann laut Aigner zwei bis sechs Monat­e oder auch bis zu zwei Jahre dauern. Bei einem Spaziergang und Kaffee in Schwaz fragte die TT nach.

Wie geht es Ihnen?

Hannes Aigner: So weit gut, im Alltag habe ich keine Probleme. Es ist schon besser geworden, ich kann aber nicht sagen, wie es dann ist, wenn ich wieder im Mannschaftstraining stehe. Im Endeffekt muss ich mir Anfang Jänner einen Ball auf den Kopf schießen lassen, und dann werde ich feststellen, ob ich wieder doppelt sehe.

Ist es eine Folgeerscheinung Ihrer langen Karriere, in der Sie viele schonungslose Luftkämpfe führten?

Aigner: Nein, der Arzt hat gesagt, dass es sicher eine neue Verletzung von diesem einen Kopfball war. In gut 20 Tests wurde alles geklärt.

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Hat Ihnen die Erfahrung im Karriereherbst geholfen, ruhig zu bleiben?

Aigner: Ich weiß natürlich, dass ich nicht mehr 25 bin und es Richtung Karriereende geht – aber nein: Es ist mir vor und zu Beginn dieser Saison körperlich extrem gut gegangen, ich hatte eine 100-prozentige Trainingsbeteiligung. Und dann durch so etwas zurückgeschmissen zu werden, war eine Watschn. Ich habe ein paarmal kräftig schlucken müssen. Aber jetzt passt es wieder. Es gibt viel schlimmere Sachen im Leben. Und wenn sie dir mit Anfang 20 sagen, du kannst nicht mehr spielen, ist es viel härter.

Wie haben Sie die letzten zweieinhalb Monate überbrückt?

Aigner: Privat war ich oft in Tirol. Sportlich habe ich Kraft und Ausdauer trainiert – am Anfang hatte ich Probleme mit der Kontrolle vom Ball, weil ich die Distanzen nicht richtig einschätzen konnte.

Da bietet ein Spaziergang mit Ihren beiden Hunden wohl die beste Entspannung?

Aigner: Unbedingt. Und vor allem bei uns in Tirol ist es etwas ganz Eigenes, wenn man auf einen Berg gehen kann und übers Inntal blickt. Das weiß man nicht so zu schätzen, wenn man die ganze Zeit in Tirol ist. Wenn ich aus Vorarlberg komme, ist es immer etwas Besonderes. Mit den Hunden bist du nie alleine, bleibst aktiv, und das ist zum Entspannen super.

Von der Entspannung zur Anspannung. Zu Saisonbeginn waren Sie mit vier Treffern on fire. Dabei denken sich einige: Wann hört er endlich auf?

Aigner (schmunzelt): Es war ein cooler Saisonstart. Und warum soll das nicht gehen, wenn man körperlich gut drauf ist und Vertrauen in sich hat? Ich mache ja seit 15, 17 Jahren nichts anderes.

Sind Sie irgendwann in einen Jungbrunnen gefallen?

Aigner: Es gibt kein Geheimnis. Ich hatte nie schwere Verletzungen, habe viel investiert und vielleicht ganz gute Gen­e mitbekommen. Ich hab­e mich immer so gut gefühlt, dass ich gesagt habe, es geht noch. Auf der anderen Seite war ich auch der Erste, der zum Verein gesagt hat, wenn ich merke, die Jungen sind besser und ich kann nicht mehr helfen, dann höre ich sofort auf. Ich will niemandem im Weg stehen.

Aber der Plan wäre, im Frühjahr wieder in der Bundesliga einzulaufen?

Aigner: Wenn’s der Schädel zulässt.

Und wenn nicht?

Aigner: Ich habe mit meinem Berater Mario Weger einen guten Kontakt. Vielleicht können wir in Zukunft gemeinsam arbeiten. Ich möchte auch die andere Seite kennen lernen und dort Fuß fassen. Ich bin auch in der Trainerausbildung (B-Lizenz, Anm.), trainiere Altachs U18 und halt­e einmal die Woche ein Stürmertraining in der Akademie Vorarlberg ab. Das macht extrem Spaß und ich habe noch viel zu lernen.

Der vermeintlich hölzerne Weerberger, der früher beim ISK in Hötting West kickte, hat ja eine sehenswerte Karriere hingelegt.

Aigner: Ich bin glücklich, dass alles so gekommen ist. Eine meiner großen Stärken war, dass ich mich immer sehr gut einschätzen konnte. Ich habe mich für den Weg entschieden, ein Stürmer zu sein, der Bälle sichern und ablegen kann und in jeder Sekunde alles für die Mannschaft gibt. Es hat viel Talentiertere als mich gegeben, aber vielleicht muss man auch mit viel Talent ein bisschen mehr tun. Deswegen bleiben viele in ihrer Karriere hängen.

Steht schon fest, ob der Lebensmittelpunkt in Vorarlberg bleibt oder wieder in Tirol sein wird?

Aigner: Es kann beides sein. In Tirol ist mir meine Familie sehr wichtig, in Vorarlberg habe ich viele Freunde kennen gelernt. Wir werden sehen.

In Altach werden Sie „Fußballgott“ gerufen?

Aigner: (grinst) Ob sie dieses oder jenes schreien – es ist mir nicht so wichtig, aber natürlich sehr nett und etwas Besonderes. Die Leute mögen mich und ich mag sie. Die Vorarlberger sind nette bodenständige Menschen. Fußballgott? Ich weiß mich sehr gut einzuschätzen.

Ihr Wunsch ans Christkind wird Gesundheit lauten?

Aigner: Natürlich möchte ich, dass die Rückkehr aufs Feld hinhaut. Wenn es nicht mehr gehen sollte oder mir gesagt wird, dass gesundheitlich etwas zurückbleiben könnte, das mich in Zukunft beim Sehen beeinträchtigt, dann werde ich nicht mehr spielen. Für diesen Entschluss hätte ich ja das Alter und ich bin den Gegnern lange genug auf die Nerven gegangen. Und ich möchte über meine Karriere hinaus sportlich aktiv bleiben.

Das Gespräch führte Alex Gruber


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