Therapie und Heilung: Es werde Licht

In der dunklen Jahreszeit gieren alle nach Licht. Die Medizin verwendet die wohltuenden Fähigkeiten des Lichts in vielfältiger Weise zur Therapie und Heilung.

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Lichttherapie am Morgen verbessert die Stimmung.
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Von Theresa Mair

Licht wirkt auf das Gehirn als Zeitgeber. Menschen füllen untertags die Lichtreserven auf, die gebraucht werden, um den Melatonin-Haushalt und damit den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren. Bei Menschen, die an (Winter-)Depression, Stresszuständen oder Demenz leiden, gerät dieser Rhythmus durcheinander, was auf auf die Stimmung drückt. „Licht ist da ein wichtiger Ansatz. Es aktiviert und kann, am Morgen angewandt, das Wachwerden fördern“, sagt Josef Marksteiner, Direktor der Uniklinik für Psychiatrie A in Hall. Dort wird damit über zwei Wochen ungefähr eine halbe Stunde pro Tag behandelt. Lichtlampen für zuhause müssen zertifiziert sein, um Augenschäden zu vermeiden. Der indirekte Blick ins Licht sei wichtig. „Bei Depression und anderen schwerwiegenden Problemen sollte Licht nie alleinige Therapie sein. Oft wird es in Kombination mit Psychotherapie und Bewegung eingesetzt.“

Blaues Licht hilft Babys mit Gelbsucht

Bei zwei von drei extremen Frühgeborenen ist der Wert des gelben Blutfarbstoffs Billirubin zu hoch. Aber auch bei termingeborenen Kindern kann es etwa aufgrund einer speziellen Blutgruppenkonstellation zu der behandlungspflichtigen Gelbsucht kommen. „Je nachdem, wie reif oder unreif das Kind ist, gibt es verschiedene Grenzwerte“, erklärt Ursula Kiechl-Kohlendorfer, Direktorin der Uniklinik für Pädiatrie II in Innsbruck. Zu hohes Billirubin kann für die Hirnentwicklung des Kindes gefährlich werden. Deswegen werden Babys mit Gelbsucht in den ersten Lebenstagen zunächst für 24 Stunden mit blauem Licht bestrahlt. „Das Licht bewirkt, dass Billirubin in die einzelnen Komponenten aufgespalten und ausgeschieden werden kann“, so Kiechl-Kohlendorfer. Mittlerweile gibt es auch so genannte Billimatten und -schlafsäcke, damit die Säuglinge im eigenen Bettchen bei der Mutter bleiben können.

Mit Rotlicht Hautkrebs ohne Messer behandeln

Einerseits ist man an der Hautklinik in Innsbruck großteils damit beschäftigt, Patienten mit Sonnenschäden zu behandeln. Andererseits gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Denn das UV-Licht, das als Hauptauslöser für Hautkrebs gilt, wirkt auch entzündungshemmend. Zur Therapie von Neurodermitis, Schuppenflechte oder Ekzemen werden die Patienten in Kabinen mit UVA- oder UVB-Licht bestrahlt. „Wir trennen das auf, verwenden nur eine Wellenlänge und messen eine minimale Dosis aus, um keine Sonnenschäden zu setzen“, erklärt die stv. Direktorin Gudrun Ratzinger. Bei der nicht-chirurgischen Therapie von Hautkrebs kommt hingegen Rotlicht sehr oft zum Einsatz. Eine Lichtsensibilisator-Creme wird aufgetragen und mit Rotlicht aktiviert. „Die entstehenden Sauerstoffradikale zerstören das Tumorgewebe. Die entstehenden Wunden können narbenfrei abheilen.“

Laserlicht heilt viele Wunden, Rotlicht entspannt

In der Physiotherapie kommt Licht gleich in mehreren Varianten zum Einsatz, wie Erich Mur, Vorstand des Instituts für Physikalische Medizin an der Innsbrucker Klinik, schildert. Rheuma-Patienten profitieren besonders von der großflächigen Bestrahlung mit Rotlicht. „Die Infrarotenergie trifft auf die Haut und wird in Wärmenergie umgewandelt, die circa 0,5 Zentimeter in die Haut eindringt“, erklärt Mur. Dadurch werde die Durchblutung angeregt und es komme zu einer Muskelentspannung, die schmerzlindernd wirke. Mit Laserlicht – dem Low-Power-Laser – könne bei Wundheilungsstörungen aller Art, offenen Beinen und entzündeten Schleimhäuten, aber auch bei Arthrose, Rheuma und sportlichen Überlastungsverletzungen, etwa der Achillessehne, gut geholfen werden. „Das Laserlicht fördert die Gefäßversorgung und die Bildung von kollagenem Gewebe“, sagt Mur.


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