Papst gab slowakischem Präsident Geschenk für Robert Bezak mit

Vatikanstadt/Bratislava (APA) - Der Besuch des slowakischen Präsidenten Andrej Kiska bei Papst Franziskus am 14. Dezember hat ein Nachspiel ...

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Vatikanstadt/Bratislava (APA) - Der Besuch des slowakischen Präsidenten Andrej Kiska bei Papst Franziskus am 14. Dezember hat ein Nachspiel gehabt, das in der Slowakei mit einiger Verzögerung zu einem Medienhype geführt hat. Der Papst übergab Kiska Kathpress zufolge ein Geschenk für den 2012 unter ungeklärten Umständen abgesetzten populären und als progressiv eingestuften Erzbischof Robert Bezak.

Nach Abschluss der Privataudienz überreichte Franziskus Kiska zunächst die offiziellen Geschenke - vier Lehrschreiben sowie die von ihm unterzeichnete Weltfriedensbotschaft 2019. Danach bat der Papst Kiska „um die Liebenswürdigkeit“, ein Geschenk an dessen Vater weiterzuleiten, mit der Bitte, dieser möge für ihn beten. Danach drückte er eine kleine rote Schatulle an sein eigenes Herz, blickte Kiska einen Augenblick ernst an. Und er übergab ihm die Dose mit den Worten: „Und das ist von Herzen, dass Sie es Erzbischof Bezak übergeben mögen.“

Die Szene wurde in einem Video von „Rome Report“ festgehalten, in dem der Name des Adressaten eindeutig hörbar war. Infolge eines falschen Untertitels des Videos auf Facebook tauchte jedoch zunächst die Version auf, das Präsent sei für den Vorsitzenden der Slowakischen Bischofskonferenz, den Pressburger Erzbischof Stanislav Zvolensky, bestimmt, was aber sowohl vom Pressesprecher des Präsidenten als auch von jenem der Bischofskonferenz dementiert wurde.

Mittlerweile hat die Schatulle ihren Empfänger gefunden: Am Montagnachmittag holte sie der im Jahr 2012 abberufene Erzbischof von Trnava beim Präsidenten im Präsidentenpalais ab und öffnete sie auch. Sie enthielt eine Goldmedaille mit einer Abbildung der Muttergottes mit dem Jesuskind sowie des Papstwappens.

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Robert Bezak, der zunächst nicht recht glauben wollte, was da auf ihn zukam, erklärte danach, es sei „fein, dass der Präsident dort war“, doch sei dieser „nicht ein Vertreter der Kirche“, weshalb er „eigentlich nicht den Postboten abgeben sollte“. Deshalb wisse er jetzt nicht nicht, „ob das nur eine freundschaftliche Diplomatie“ gewesen sei, so Bezak.

Der frühere Parlamentspräsident Frantisek Miklosko, ein Verteidiger Bezaks der ersten Stunde, erklärte, der Schritt des Papstes werde „in die große Geschichte der Kirche in der Slowakei“ eingehen. Ob er auch „in die kleine Geschichte Robert Bezaks“ eingehen werde, erscheine ihm jedoch zweifelhaft, denn hinter der Causa stehe „eine ganze Maschinerie“; es gehe hier „nicht nur um den Papst“ und der Prozess sei „komplizierter als eine Person“.

Schon beim Platznehmen im Bibliothekssaal des Apostolischen Palastes hatte der Papst daran erinnert, dass dies bereits die zweite Privataudienz des slowakischen Präsidenten bei ihm sei. Kiska war am 9. April 2015 das erste Mal in den Vatikan gekommen, um sich für eine Lösung der Causa Bezak einzusetzen. Tags darauf empfing Franziskus den Erzbischof zusammen mit dem Prager Alterzbischof Kardinal Miloslav Vlk (1932-2017), der sich ebenfalls für Bezaks Rehabilitierung eingesetzt hatte.

Zum letzten Mal ein großes Thema war die Causa Robert Bezak beim Ad-Limina-Besuch der slowakischen Bischöfe im November 2015. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Pressburger Erzbischof Stanislav Zvolensky, erklärte unmittelbar danach in einem Interview, der Papst habe die Bischöfe „ermuntert zu vermitteln, dass der Heilige Vater bereit sei ihm zu helfen“. Die Frage, was dies bedeute, könne aber nur der Papst selbst beantworten. Letztlich hänge alles von Bezaks Verhalten ab. Seit September 2017 unterrichtet Bezak Religion und Ethik am zweisprachigen C.-S.-Lewis-Gymnasium der evangelischen Brüderkirche (Cirkev bratska) in Bratislava.

Präsident Kiska, der sich nach Ablauf seiner ersten Amtsperiode nächstes Jahr nicht einer Wiederwahl stellen will, möglicherweise aber in anderer Weise politisch tätig wird, hat zur Audienz im Vatikan seinerseits Weihnachtsdekorationen mitgebracht. Sie waren von Personen mit besonderem sozialem Hintergrund hergestellt worden, etwa von Romakindern und Obdachlosen aus der Organisation „Resoty“, die von dem mit Kiska und mit Erzbischof Bezak eng verbundenen Salesianerpater und einstigen Dissidenten Anton Srholec gegründet wurde. Kiska berichtete nach der Audienz, er habe in den Augen des Papstes Tränen gesehen, als er ihm unter Zuhilfenahme eines Tablets die Geschichte der vier großen Kugeln erzählte.


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