Arik Brauer 2 - „In Wahrheit flüchten sie auch vor dem Islam“

Wien (APA) - APA: Während sich viele Ihrer Kollegen ganz klar gegen die FPÖ positionieren, haben Sie sich zuletzt versöhnlich gezeigt......

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Wien (APA) - APA: Während sich viele Ihrer Kollegen ganz klar gegen die FPÖ positionieren, haben Sie sich zuletzt versöhnlich gezeigt...

Brauer: Alles, was man mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit sagt, ist von vornherein falsch. Einerseits stimmt es manchmal, dass dreing‘haut werden muss. Das muss die Jugend machen. Und dann stimmt es wieder, dass das Dreinhauen kontraproduktiv ist. Ich bin älter, und die Situation ist so, dass man die FPÖ weder verjagen, noch ignorieren kann. Das hat man lange gemacht, und es hat sich überhaupt nicht bewährt. Die FPÖ drückt das Denken und Empfinden eines Teils der Bevölkerung aus. Die kann man ja nicht wegschicken. Man muss versuchen, sie mit Überzeugungskraft zu beeinflussen. Bei der Regierung muss man alles dransetzen um sie zu bremsen, wo es gilt sie zu bremsen, und da fehlt es nicht an Gründen. Und man muss sie vor sich hertreiben, wo es wichtig und richtig ist. Es ist ja nicht so, dass da lauter böse Menschen unterwegs sind. Die FPÖ ist ja kein Block, der so und so denkt.

APA: Angesichts der politischen Lage in Europa mehren sich Stimmen, die sich an die 1930er-Jahre erinnert fühlen. Sie mussten sich damals vor den Nazis verstecken. Wie sehen Sie diesen Vergleich zu heute?

Brauer: Wer das sagt, weiß nicht, wovon er spricht. Das kann man nicht vergleichen. Die äußeren Umstände sind so unterschiedlich. Heute wird jemand ärmer, weil er kein Geld hat, um Benzin zu kaufen. Wir sind als Kinder barfuß in die Schule gegangen. Die Kinder hatten Hunger nach Brot, wie in Kalkutta heute. Unter Not hat man etwas ganz anderes verstanden. Jemand, der mit den Worten Nazi herumfuchtelt, weiß nicht, wovon er spricht.

APA: Sie haben kürzlich aufhorchen lassen, als Sie sich gegen Zuwanderung ausgesprochen haben....

Brauer: Man soll keine persönlichen Hassgefühle haben. Die Menschen reagieren so, wie sie reagieren. Ich würde an ihrer Stelle auch alles dransetzen, um wohin zu kommen, wo ich meine Familie groß ziehen kann. Rein sachlich ist für mich klar, dass mit der Einwanderung der gebändigte Antisemitismus in Europa einen enormen Aufschwung bekommt, wie es in Frankreich bereits abzusehen ist. Nicht, weil das böse Menschen sind, sondern weil sie ein Problem mit den Juden haben. Die meisten arabischen Länder haben keine Landkarte, wo Israel vorkommt.

APA: Wie sollten Politik und Gesellschaft in Ihren Augen reagieren?

Brauer: Die FPÖ versucht, durch Belästigen und Nadelstiche zu erreichen, dass sie zurückfahren oder gar nicht kommen - das wird nicht sein. Dieses „KZ“ (Anspielung auf die Kontroverse um das Asyl-Quartier in Drasenhofen, Anm.) ist ja ein Vergnügen im Vergleich dazu, was sie zuhause erwartet. Das kann sich kein Europäer vorstellen, wie es zugeht in solchen Ländern. Die flüchten ja nicht, weil das Wetter schlecht ist. Sie flüchten aus vielen Ländern, wo gar kein Krieg ist. Sie flüchten vor sich selbst. Vor ihrer eigenen, stecken gebliebenen Zivilisation. In Wahrheit flüchten sie auch vor dem Islam, obwohl sie Mohammedaner sind, aber das wissen sie glaube ich gar nicht. Man muss alles dransetzen sie zu integrieren, mit viel Einfühlungsvermögen. Das frontale Attackieren ist kontraproduktiv.

APA: Wie funktioniert Integration aus Ihrer Sicht am besten?

Brauer: Am deutlichsten zeigt sich das in den Schulen: Ein Kind lernt auf jeden Fall die Landessprache. Nur dann nicht, wenn man das mit großem Aufwand und Interesse verhindert, etwa, indem man die Mädchen zu Hause einsperrt. Es muss uns gelingen, diejenigen zu integrieren, die das wollen. Man muss das Bewusstsein fördern, dass die westliche Zivilisation die beste ist, die die Menschheit entwickelt hat. Mit dieser Selbstsicherheit muss man den Menschen gegenübertreten - ohne Hochmut - und ihnen mit Klugheit helfen, sich zu integrieren.


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