Zagreb-Weckruf: Die Haie müssen ganz schnell aufwachen

Der mühevoll erkämpfte 3:2-Pflichtsieg gegen ein B-Team aus Zagreb konnte die Stimmung bei den Innsbrucker Haien nicht aufhellen.

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Innsbrucks Top-Torjäger Andrew Yogan.
© gepa

Von Alex Gruber

Innsbruck – Die Helden in der 28. Runde der Erste Bank Eishockeyliga – und daran gab es überhaupt keine Zweifel – waren am Dienstagabend in der Tiwag-Arena auf Seiten der Kroaten zu finden: am selben Tag angereist; mit Leihspielern, die zum Teil doppelbeschäftigt in einer slowenischen Liga sind; und einem vom Ruin bedrohten Verein, wo nicht einmal mehr Geld für ein Tape vorhanden sein soll. Dafür legte der letzte Rest des Liga-Nachzüglers nicht nur zur Freude von Interimscoach Daniel Kolombo sein ganzes Herz aufs Innsbrucker Eis. Und dafür hätte man sich beinahe mit einem Punktegewinn belohnt.

„Meinen allergrößten Respekt, wie viel Herz und Einsatz sie gezeigt haben. Da mussten sich einige sogar Urlaub nehmen“, verneigte sich HCI-Verteidiger Flo Pedevilla vor den Gästen. Zur eigenen dürftigen Leistung „braucht man nicht viel zu sagen“. Das tat der Assistant Captain, der sich immer zu 100 Prozent in den Dienst der Mannschaft stellt, dann aber doch noch: „Wir haben uns vorgenommen, jetzt jedes Match so anzugehen wie eine Play-off-Partie. Natürlich sind solche Spiele, wo jeder nur die Höhe des Sieges in Frage stellt, schwierig. Aber am Ende des Tages ist es schon eine Frage der eigenen Einstellung. Die Leute zahlen Geld und wollen Leistung sehen“, war auch der 31-jährige Routinier weit davon entfernt, die Darbietung schönzureden. Ein Sieg bleibt dennoch ein Sieg. Oder wie es sein Linienpartner Philipp Lindner unmittelbar nach dem Match staubtrocken kommentierte: „Wir haben ein Tor mehr geschossen und drei Punkte. Das ist alles, was zählt momentan.“ Pedevilla hielt noch fest: „Wenn wir unseren normalen Job erledigen, schießen wir wahrscheinlich acht Tore.“

Normal ist in dieser Saison aber wenig bis gar nichts. Auch die Linienwahl von Headcoach Rob Pallin mit zehn Legionären in den ersten beiden Linien wirft Fragen auf. Und warum musste beispielsweise ein starker Daniel Wachter für Mario Lamoureux aus einer Linie mit Andrew Clark und Andrew Yogan weichen? Warum braucht ein Legionär wie Mike Boivin, der einen Zwei-Jahres-Kontrakt besitzt, einen weiteren Import an seiner Seite? Warum bekam manch heimischer Crack (z. B. Fabian Nussbaumer) – die Jungen waren gegen die Kroaten unter den Besten – so wenige Wechsel? Das „Warum“ ließe sich noch vielfältig ausdehnen. Privilegien hat sich zur Stunde auf Platz neun wohl kaum ein Import verdient.

Die Zagreb-Partie stellte den Haien nicht den besten Charakter-Nachweis aus. Mit einer Selbstzerfleischung ist aber auch keinem geholfen. Schon morgen geht der Liga-Alltag beim Tabellenführer in Wien weiter. Dort könnten die Haie untergehen – sie könnten aber auch genauso gut positiv überraschen. Es ist ja keine Frage der Qualität, die man mit vielen Topscorern (Lammers, Clark, Yogan ...) zweifellos aufweist. Es ist die Frage, ob Pallin den „Haufen“ wieder in eine gemeinsame Richtung zum Laufen bringt.


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