St. Johann: Gute Finanzkraft hat nicht immer Vorteile

36,6 Mio. Euro umfasst das künftige Budget von St. Johann. Im Gemeinderat wurden die hohen Zahlungen an Bund und Land bemängelt.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Marktgemeinde St. Johann steht auf soliden finanziellen Beinen.
© Gerdl

Von Michael Mader

St. Johann i. T. –Der Bau des Kindergartens bzw. der Kinderkrippe mit dem derzeit noch sperrigen Namen Kinderbetreuungszentrum wird in St. Johann künftige Budgets prägen – immerhin rechnet man mit Gesamtkosten von mehr als sieben Millionen Euro.

Im Haushaltsvoranschlag sind deshalb im außerordentlichen Haushalt für die Kinderbetreuung auch rund 500.000 Euro vorgesehen. Des Weiteren 550.000 Euro für die Radwegverbindung nach Going und eine Million für Kanalbauten. In Summe umfasst der außerordentliche Haushalt im Budget für das Jahr 2019 rund 2,2 Millionen, der ordentliche Haushalt 34,4 Millionen Euro. „Wir haben aber auch viele Vorhaben in den ordentlichen Haushalt packen können. Unter anderem 500.000 Euro, um am Masterplan weiterarbeiten zu können“, erklärt Bürgermeister Stefan Seiwald.

Vizebürgermeister Georg Zimmermann, Obmann des Finanzausschusses, erwähnte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung insbesondere die Finanzkraft von St. Johann. Diese wird aus der Grundsteuer, einem Teil der Kommunalsteuer und Abgabenertragsanteilen errechnet. Seit dem Jahr 2009 hat sich die Finanzkraft von rund neun Millionen Euro auf nunmehr fast 13 Millionen Euro gesteigert. „Das hat aber auch Nachteile. Aufgrund unserer hohen Finanzkraft müssen wir hohe Beiträge an Land und Bund bezahlen“, erklärt Zimmermann. Alleine für das Jahr 2019 würden die Transferzahlungen 8,7 Millionen Euro ausmachen.

Der Bürgermeister werde bei Subventionsansuchen oft darauf hingewiesen, dass er eh genug Geld habe. Zimmermann: „Auf der anderen Seite müssen wir aber auch nicht ums Geld betteln.“

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Wesentliche Steigerungen bei den Ausgaben sieht der Obmann des Finanzausschusses in Zukunft bei den „Kleinen und den Älteren“; womit er die Kinderbetreuung und die Altenpflege anspricht. Nachdem von der Gemeinde mittlerweile bereits 140 Mitarbeiter beschäftigt werden, schlägt sich auch dieser Posten im Haushaltsvoranschlag nieder: In Summe rechnet man mit einer Steigerung der Personalkosten im Vergleich zum heurigen Jahr um fast sechs Prozent auf nunmehr 5,7 Millionen Euro.

Erfreulich aus Gemeindesicht ist nicht nur die stetige Steigerung der eigenen Steuern auf mehr als 16 Millionen Euro, sondern auch der prognostizierte Schuldenstand. Der soll nämlich von 10,7 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 7,8 Millionen Euro im Jahr 2019 sinken. Zimmermann: „Wir haben eine gediegene Schuldenkultur und brauchen der Zukunft nicht angstvoll ins Auge zu schauen.

Das sahen auch die Gemeinderäte so und stimmten dem Haushaltvoranschlag einstimmig zu. „Wir haben ein solides und braves Budget ohne Ausreißer, es sind viele Dinge drinnen, die wir gefordert haben“, merkte der fraktionsfreie Gemeindevorstand Heribert Mariacher an, der BM Seiwald aufgrund der Bildung von Rücklagen sogar lobt. Ein Problem sei für ihn aber die nach wie vor fehlende Zweitwohnsitzabgabe: „Es kann nicht sein, dass die Gemeinde die Infrastruktur herstellt und die Herren Spekulanten bei uns gutes Geld verdienen.“ Zimmermann betonte, dass er die Forderung nach einer Zweitwohnsitzabgabe schon zweimal bei Landesrat Johannes Tratter deponiert habe, und er glaube, dass das in absehbarer Zeit komme. Gemeindevorstand Christine Bernhofer (SP) wiederum beklagte die Kürzung von Sozialleistungen durch den Bund. „Das fällt auf die Gemeinde zurück.“


Kommentieren


Schlagworte