Guerillaorganisation ELN erklärte befristete Waffenruhe für Kolumbien

Bogota (APA) - Für die Weihnachtstage und bis nach Neujahr hat die kolumbianische Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) einen...

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Bogota (APA) - Für die Weihnachtstage und bis nach Neujahr hat die kolumbianische Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) einen einseitigen Waffenstillstand verkündet. Alle offensiven Operationen sollen ruhen, „um zu Weihnachten und im neuen Jahr zu einem Klima der Ruhe beizutragen“, so die ELN laut dem Internet-Portal „amerika21.de“ in einem Kommunique. Präsident Ivan Duque reagierte reserviert.

Duque habe das Angebot „kühl“ aufgenommen, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE. Die Guerrilla müsste „alle kriminellen Aktivitäten beenden“, forderte Duque. Die Entscheidung sei „auf Ersuchen der Gemeinschaften in den Gebieten, die unter der Härte des vom Regime auferlegten Krieges leiden“, getroffen worden. Sie entspreche auch den Aufforderungen von sozialen Bewegungen und von Menschen, die am Frieden im Land interessiert sind, so die Erklärung weiter.

Duque ist seit August im Amt. Er hatte nach seiner Wahl angekündigt, den von seinem Vorgänger Juan Manuel Santos ausgehandelte Friedensvertrag mit der linken Guerillaorganisation FARC (Revolutionäre Streitkräfte) in Teilen ändern zu wollen. ,“Wir müssen korrigieren, was nötig ist, und etwas Neues aufbauen“, hatte der konservative Politiker bei seinem Amtsantritt angekündigt. Mit dem Abkommen hatte Santos vor gut zwei Jahren den jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen beendet. Die Rebellen legten die Waffen nieder und wollen künftig friedlich für ihre Ziele eintreten. Santos wurde dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Einen möglichen Friedensprozess mit der ELN machte Duque auch davon abhängig, dass zuvor alle von der Rebellengruppe festgehaltenen Geiseln freigelassen würden. Die ELN nutzte die Bekanntmachung der einseitigen Waffenruhe laut „amerika21.de“, um Duque zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zu drängen. „Präsident Duque, die Aufgabe des Weges und der Anstrengungen des Dialogs und des Friedens verschärft die Krise in Kolumbien“, selbst die „Überreste des Abkommens mit den FARC“ seien in Gefahr zerstört zu werden, wendet das Kommunique sich direkt an das Staatsoberhaupt. Es sei eine ernste und widersprüchliche Situation, dass „im Rahmen eines Friedensprozesses soziale Führungspersonen und Menschenrechtsverteidiger ermordet werden“ und die Regierung „Kriegsdrohungen gegen Venezuela“ verschärfe.

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Der Präsident äußerte sich im Rahmen der Ernennung eines neuen Oberkommandierenden des Heeres. Er wolle die „zur Weihnachtszeit üblichen einseitigen Feuerpausen einiger bewaffneter Gruppen“ nicht bewerten, berichtete das auf Lateinamerika spezialisierte Portal. Die Streitkräfte würden in ihren Aktionen allerdings nicht nachlassen und seien immer bereit, „die Bürger zu schützen“.

Wenn die ELN ihre Bereitschaft zum Frieden bekunden wolle, müsse sie jede Gewalt beenden und von ihr entführte Personen freilassen. Damit erneuerte Duque seine Vorbedingungen für den Friedensdialog, die er mit seinem Amtsantritt im August erhoben hatte und die von der ELN als einen Rücktritt von bereits mit der Vorgängerregierung getroffenen Vereinbarungen kritisiert werden.

Zum Jahreswechsel im vorigen Jahr herrschte eine deutlich längere Phase, während der die Guerilla ihre militärischen Aktivitäten ausgesetzt hatte. Sie erklärte damals, parallel zu Friedensgesprächen zwischen ihrer Verhandlungsdelegation und der Regierung von Kolumbien in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, ein Ruhen der Waffen vom 1. Oktober 2017 bis zum 9. Jänner 2018. Im September hatte die ELN sechs ihrer Gefangenen freigelassen und an das Rote Kreuz übergeben, ohne eine Rückkehr der Regierung an den Verhandlungstisch erreicht zu haben.


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