Bischof Schwarz - Von der Rochade bis zur Visitation

Klagenfurt/St. Pölten (APA) - Die Auseinandersetzung um die Diözese Gurk-Klagenfurt und ihren früheren Bischof Alois Schwarz hat mit der Ern...

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Klagenfurt/St. Pölten (APA) - Die Auseinandersetzung um die Diözese Gurk-Klagenfurt und ihren früheren Bischof Alois Schwarz hat mit der Ernennung eines Apostolischen Visitators einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Eine Chronologie:

17. Mai 2018: Der Vatikan gibt die Ernennung von Alois Schwarz zum neuen römisch-katholischen Bischof von St. Pölten offiziell bekannt. Der heute 66-Jährige löst Klaus Küng ab. Schwarz war im Jahr 2001 zum 65. Bischof der Diözese Gurk bestellt worden.

Juni: Medienberichte häufen sich, in denen es aus der Diözese offene Kritik am ehemaligen Kärntner Bischof hagelt. Insbesondere sein Führungsstil steht in der Kritik, immer wieder kommt diesem Zusammenhang auch ein Abhängigkeitsverhältnis des Bischofs zur Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee, Andrea Enzinger, zur Sprache.

1. Juli: Alois Schwarz übernimmt sein neues Amt und kehrt damit in sein Heimatbundesland Niederösterreich zurück.

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2. Juli: Engelbert Guggenberger wird zum Diözesanadministrator gewählt. Er kündigt an, dass in der Diözese alles auf den Prüfstand kommen soll. Insbesondere das Bistum soll durchleuchtet werden, auch Wirtschaftsprüfer werden eingesetzt.

3. Juli: Als eine der ersten Amtshandlungen macht Guggenberger mehrere Entscheidungen von Bischof Schwarz rückgängig: Das Statut des Bistums Gurk wird wegen Rechtswidrigkeit aufgehoben, dem Geschäftsführer wird ein Beirat zur Seite gestellt. Das neue Statut war erst im Februar in Kraft getreten.

16. Juli: Die Diözese gibt bekannt, dass das bischöfliche Mensalgut, also das Bistum Gurk, vier Jahre lang nicht von einem externen Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen worden ist, obwohl dies eigentlich vorgeschrieben war.

1. August : Schwarz schickt eine Sachverhaltsdarstellung an die vatikanische Bischofskongregation.

2. August: Der apostolische Nuntius Peter Zurbriggen bescheinigt Diözesanadministrator Guggenberger „volle Konformität mit geltendem Kirchenrecht“. Die Vorgehensweise der Diözesanleitung sei „mutig, verantwortungsvoll und konsequent“, zuvor war eine umfangreiche Dokumentation aus Kärnten in der Nuntiatur eingelangt.

31. August: Das Dienstverhältnis mit der Leiterin des Bildungshauses Stift St. Georgen am Längsee, Andrea Enzinger, wird beendet. Bereits im Juli war sie beurlaubt worden.

3. Oktober: Enzinger bekämpft ihre Kündigung vor Gericht. Sie klagt die Diözese Gurk-Klagenfurt und pocht auf die Einhaltung ihres Vertrages.

12. Oktober: Gegen Enzinger wird wegen Untreue ermittelt.

5. November: Der Arbeitsgerichtsprozess zwischen der Diözese Gurk-Klagenfurt und Enzinger wird mit einem Vergleich beendet.

10. Dezember: Die Präsentation des mittlerweile fertiggestellten Wirtschaftsberichts zur Gebarung des Bistums Gurk in der Ära von Bischof Alois Schwarz wird auf Weisung Roms abgesagt. Der Bericht über das bischöfliche Mensalgut soll an die Bischofskongregation in Rom übermittelt werden. Schwarz verlautbart indes, dass der Bericht die „Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften“ bestätigen würde.

11. Dezember: Die Diözese gibt bekannt, dass sie sich von Finanzkammerdirektor Walter Walzl und Bistums-Geschäftsführer Andreas Maier getrennt hat.

18. Dezember: Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz präsentiert das Gurker Domkapitel den Prüfbericht. Schwere Vorwürfe gegen Schwarz werden erhoben. Guggenberger spricht von einem „System Schwarz“, die Rede ist auch von Misswirtschaft, nicht eingehaltenem Kirchenrecht, fragwürdigen Personalentscheidungen und undurchsichtigen Vorgängen. Laut dem Bericht hat das Bistum in den vergangenen zwei Jahren Millionenverluste geschrieben.

20. Dezember: Salzburgs Erzbischof Franz Lackner wird von Papst Franziskus zum Apostolischen Visitator für die Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt.


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