Al-Bab, Afrin und nun östlich des Euphrat?

Istanbul (APA/AFP) - Bereits zwei Mal hat die Türkei im Norden Syriens interveniert, um die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von...

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Istanbul (APA/AFP) - Bereits zwei Mal hat die Türkei im Norden Syriens interveniert, um die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von ihrer Grenze zurückzudrängen. Mit der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zum Abzug der US-Truppen aus Syrien wird die Kurdenmiliz dort bald auf sich allein gestellt sein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat dann freie Hand für die Offensive östlich des Euphrat, die er vergangene Woche angekündigt hat. Dennoch dürfte ein solcher Einsatz deutlich schwieriger werden als die beiden vorherigen Offensiven gegen die YPG.

„OPERATION SCHUTZSCHILD EUPHRAT“

Wenige Tage nach der Einnahme der IS-Bastion Manbij durch die YPG im August 2016 ordnete Erdogan die „Operation Schutzschild Euphrat“ an, um die YPG und die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus den Gebieten um die nordsyrischen Städte Azaz, Al-Bab und Jarablus zu vertreiben. Damit wollte er insbesondere verhindern, dass die YPG ein durchgängiges Gebiet entlang der türkischen Südgrenze unter ihre Kontrolle bringt.

Schon wenige Tage nach Beginn der Offensive am 24. August eroberte die Türkei die Grenzstadt Jarablus von der IS-Miliz. Weitere Erfolge wie die Einnahme der symbolträchtigen Stadt Dabiq folgten, doch geriet der Einsatz vor der IS-Bastion Al-Bab ins Stocken. Erst nach verlustreichen Kämpfen konnten die türkische Armee und das verbündete Rebellenbündnis Freie Syrische Armee (FSA) Ende Februar 2017 die Stadt schließlich einnehmen.

Seitdem hat Ankara in den besetzten Gebieten eine Art türkisches Protektorat geschaffen. Während mit türkischer Hilfe Straßen, Schulen und Moscheen wiederhergestellt wurden, erneuerten türkische Firmen das Telefon- und Stromnetz. An den Schulen wird heute Türkisch unterrichtet, viele Straßenschilder sind zweisprachig. Viele Waren werden aus der Türkei importiert und auf der Straße patrouillieren von Ankara ausgebildete Sicherheitskräfte.

„OPERATION OLIVENZWEIG“

Während die im Zuge der „Operation Schutzschild Euphrat“ besetzten Gebiete mehrheitlich arabisch waren, richtete sich die im Jänner 2018 lancierte „Operation Olivenzweig“ in Afrin gegen ein traditionell kurdisches Siedlungsgebiet. Entsprechend erbittert war der Widerstand. Ankara begründete den Angriff in der syrischen Grenzregion mit der Bedrohung durch die YPG, doch stieß die Intervention international auf scharfe Kritik.

Die Türkei betrachtet die YPG als Terrororganisation, weil sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft. Die USA sehen die YPG dagegen als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die IS-Miliz und unterstützen sie mit Luftangriffen und Waffen. Die türkische Offensive wurde als Ablenkung vom Kampf gegen die IS-Miliz gesehen, doch letztlich ließ Washington die Türkei gewähren.

Die syrische Armee kam den bedrängten YPG-Kämpfern zwar zu Hilfe, doch konnte sie nicht verhindern, dass die türkische Armee und verbündete FSA-Kämpfer die Stadt Afrin Mitte März einnahmen. Dabei wurden zehntausende Einwohner vertrieben, zudem kam es zu massiven Plünderungen durch die Rebellen. Seitdem herrscht in der Region angespannte Ruhe, doch gibt es immer wieder Anschläge und Berichte über Übergriffe auf die Bevölkerung.


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