Weihnachtsengel und Buchwurm: Stift Rein sucht Paten für Renovierung

Gratwein-Straßengel (APA) - Engel verkündeten laut dem Lukasevangelium die Geburt Jesu - und sind daher als Künder der frohen Botschaft rund...

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Gratwein-Straßengel (APA) - Engel verkündeten laut dem Lukasevangelium die Geburt Jesu - und sind daher als Künder der frohen Botschaft rund um Weihnachten nicht mehr wegzudenken. Rund 200 barocke Engel tummeln sich in der Basilika von Stift Rein bei Graz. Sie wurden in den vergangenen Jahren mithilfe von Spenden renoviert. Einige gemalte Exemplare warten noch auf Paten - ebenso wie Hunderte Bücher in der Bibliothek.

Sie sitzen, stehen und schweben auf und über den elf Altären, der Kanzel, der Chorbrüstung und dem Oratorium: Die 175 Engelsfiguren, die seit rund 250 Jahren die Basilika von Stift Rein zieren. Seit dem Jahr 2012 hat das Stift für die Erhaltung der vom Verfall bedrohten Figuren „Engelpaten“ gesucht - und gefunden. „Gegen einen Restaurierungsbeitrag zwischen 500 und 2.500 Euro konnte eine Engelpatenschaft übernommen werden“, schilderte Initiator Pater August Janisch im Gespräch mit der APA. „Die Aktion ‚Reiner Engel suchen Paten‘ ist praktisch abgeschlossen und die Engel restauriert“, freute sich der Zisterzienserpater. Wer am 24. Dezember zur Krippenandacht oder zur Christmette oder dem Festgottesdienst am Christtag kommt, kann sich selbst ein Bild davon machen.

„Doch ein altes Stift wie unseres ist mit der Renovierung nie fertig. Da gibt es laufend was zu tun, und da sind sicher noch zwei Dutzende Engel, die Josef Adam Mölk 1765/66 in Fresko-Technik ausführte und deren Patenschaft vergeben werden kann“, betonte Janisch. Wer einen Geldbetrag zwischen 500 und 1.000 Euro spendet, erhält eine Urkunde, die den Zahlenden als Paten eines gemalten Engels ausweist. Das Geld werde dann für anstehende Renovierungsarbeiten und -pläne, „beispielsweise für die Sockelzone im Mittelteil der Kirche“ verwendet, wie Janisch ausführte.

In den vergangenen knapp 890 Jahren seit der Gründung des Klosters ist die Zeit aber auch an den Büchern und Archivalien des Stiftes nicht spurlos vorübergegangen. Weit über 100.000 Handschriften des Mittelalters, Frühdrucke bis 1500 (Inkunabeln), aber auch wertvolle Bücher und Objekte des 16., 17. und 18. Jahrhunderts lagern in der Stiftsbibliothek und dem Archiv, schilderte der 76-jährige Zisterziensermönch. Viele davon müssten dringend restauriert werden, denn langjährige Nutzung, Säurefraß und die Larven von Nagekäferarten - sogenannte Bücherwürmer - haben dem Papier, den Einbänden und Buchblöcken stark zugesetzt. „Hier brauchen wir weitere Hilfe und viele Freunde, die uns unterstützen, die kostbaren Inhalte für weitere Generationen zu bewahren“, so der Reiner Pater.

„Wer heute mehr über die Ursprünge von steirischen Dörfern wissen möchte, findet im Reiner Stiftsarchiv die ältesten Aufzeichnungen: Ab dem 14. Jahrhundert haben die Reiner Mönche beispielsweise in den Urbaren, den Grundbüchern, genau über Besitzverhältnisse und Erntemengen Buch geführt“, erläuterte Janisch. „Selbst die erste Nennung von Graz findet sich in einer Urkunde in unserem Stift“, erzählte Pater August voll Stolz.

Die Buchpatenschaft wurde bereits im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Wichtige Inspiration und Unterstützung habe Alfred Stingl, Alt-Bürgermeister der Landeshauptstadt Graz, geleistet, wie Janisch zurückblickte. An die 300 Werke - Janisch spricht von „Patienten“ - konnten bereits gerettet werden. Auf der Liste der Buchpaten befinden sich neben privaten Spendern, etliche große steirische Unternehmen, Banken aber beispielsweise auch ein Gasthof aus der Region, eine Grazer Juristenrunde, ein Bezirkshauptmann, der sich zum Geburtstag eine Beteiligung an Buchpatenschaften wünschte - bis hin zu Pater August selbst: „Nach Führungen bekomme ich immer wieder Trinkgeld, das wird dann für weitere Buchrenovierungen eingesetzt. Es hängt einfach mein ganzes Herzblut an dieser Sache“.

Welche Spende ihn persönlich sehr berührt habe? „Da war eine Dame bei meiner Führung. Sie hat sich Tage später gemeldet und erzählt, dass sie die Patenschaft im Gedenken an ihren Vater, der ein ‚Bücherfreund‘ gewesen sei, übernehmen wolle. Der Mann war, wie sie mir dann erzählte, bereits im Jahr 1945 in Polen gefallen“, erinnerte sich Janisch.

Rund 20 Codices und gebundene Archivalien umfasst die Liste jene Objekte, die als nächstes renoviert werden sollten. Die Kostenvoranschläge betragen zwischen rund 500 und 2.600 Euro. „Ein Beiblatt im restaurierten Buch nennt den Namen des Paten und wird späteren Benutzern zeigen, wer die Restaurierung ermöglich hat“, erklärte Janisch. Jeder Pate und jede Patin erhalte zudem eine Urkunde vom Stift Rein.

Stift Rein wurde im Jahr 1129 - noch zu Lebzeiten des wichtigsten Heiligen des Ordens, Bernhard von Clairvaux (1090-1153) - gegründet und ist das älteste durchgehend bewohnte Zisterzienserkloster der Welt. Der Konvent zählt zurzeit 15 Zisterziensermönche, die rund ein Dutzend Stiftspfarren betreuen. Das Stift betreibt zudem das einzige Gymnasium im Bezirk Graz-Umgebung.

(S E R V I C E - Interessenten können sich direkt an P. August Janisch wenden: august.janisch@stift-rein.at. Spendenkonto: Raiffeisenbank Hitzendorf-Rein, IBAN: AT59 3813 8000 0103 0675, BIC: RZSTAT2G138. Die Unterstützung ist steuerlich absetzbar, wenn Vor- und Zuname sowie Geburtsdatum angegeben werden. https://www.stift-rein.at/Patenschaften/Buecher-Paten)


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