„Einer der drei großen Südtiroler“

Rolf Steininger verfasste zum 100. Geburtstag von Toni Ebner umfassende Biografie.

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Historiker Rolf Steininger, Dolomiten-Chefredakteur Toni Ebner und SVP-Obmann Philipp Achammer (v. r.) bei der Buchpräsentation.
© Dolomiten

Bozen –Der Historiker Rolf Steininger wühlte sich in den vergangenen drei Jahren durch Tausende Aktenseiten, recherchierte in Dutzenden Archiven und kramte in seinen eigenen, umfangreichen Daten der Geschichte Südtirols. Sein Auftrag war klar: die gebührende Würdigung des Politikers, Unternehmers und Journalisten Dr. Toni Ebner, dessen Geburtstag sich heute zum 100. Mal jährt. Entstanden ist so die monumentale, mehr als 700 Seiten starke Biografie eines Mannes, der Südtirol über viele Jahre geprägt hat. Eines Mannes, den sein Sohn, Dolomiten-Chefredakteur Dr. Toni Ebner, anlässlich der Präsentation der Biografie in der Athesia-Buchhandlung in Bozen als „wichtigsten Menschen in unserem Leben“ bezeichnete.

Für den Autor Rolf Steininger selbst ist der am 22. Dezember 1918 als achtes von 16 Kindern auf einem Bauernhof in Aldein geborene Ebner „einer der drei großen Südtiroler“. Das habe sich schon früh gezeigt, führte der Historiker aus. So habe sich Ebner bereits in jungen Jahren als überzeugter „Dableiber“ gegen die Option (also die Auswanderung ins Dritte Reich) entschieden. 1945 war er einer der Mitbegründer der Südtiroler Volkspartei, die er auch lange Jahre im italienischen Parlament in Rom und als Mitglied des Europarats in Straßburg vertrat. Auch als Journalist und Chefredakteur der Dolomiten habe Ebner Werte vertreten, die dem Südtirol-Experten Steininger Respekt abringen: „Als in der Feuernacht von 1961 eine Person starb, sprach sich Ebner klar und deutlich gegen Gewalt aus, gegen Gewalt als politisches Mittel. Auch hier traf er wieder auf großen Widerstand, erhielt Morddrohungen, ja, es wurde sogar wirklich versucht, ihn umzubringen. Und trotzdem blieb er seiner Überzeugung treu. Das gibt es nicht so oft.“

Ebner scheute sich auch nicht, staatliches Unrecht anzuprangern. In einem bis heute unvergessenen Leitartikel – „Diese Schande muss getilgt werden!“ – nahm er als Erster öffentlich Stellung zu den grausamen Folterungen, mit denen die Carabinieri die „Feuernacht“-Attentäter zu Geständnissen zwangen.

Martha Ebner, die Witwe des legendären Politikers und Journalisten (r.).
© Dolomiten

„Ebner war ein Mann“, schreibt Steininger, „der in Südtirol und in der Welt zuhause war, dabei aber mit seiner Heimat, Aldein im Südtiroler Unterland, tief verwurzelt blieb. (...) Dabei verstand es dieser Bergbauernbub, in der zweiten Hälfte seines Lebens über die Grenzen Aldeins hinauszuschauen als ein Mann, der mit Leib und Seele Politiker und ebenso Journalist, Verleger und Unternehmer war und das politische Leben in Südtirol im Geiste seines großen Vorbildes und Lehrmeisters Michael Gamper entscheidend mitprägte.“

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Obwohl ihre Familie auf den Inhalt der Biografie keinen Einfluss hatte, ist Toni Ebners Witwe Martha mit Steiningers Arbeit zufrieden. „Das Buch wird dem Leben meines Mannes wirklich gerecht und gibt einen guten Einblick in die Geschichte Südtirols nach dem Ersten Weltkrieg. Auch bringt es Sachen ans Licht, die ich selbst so auch nicht wusste, obwohl ich diese Zeit ja miterlebt habe“, wird sie in den Dolomiten zitiert. (mz)

Rolf Steininger: Toni Ebner 1918–1981. Südtiroler Politiker, Journalist, Unternehmer. Athesia, Bozen 2018, ISBN 978-88-6839-417-2.


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