Wissenschaftsjahr 2 - Neues Einheitensystem tritt in Kraft

Wien (APA) - Am Weltmetrologietag am 20. Mai 2019 wird das neue Einheitensystem in Kraft treten, auf das sich im November Vertreter von 60 S...

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Wien (APA) - Am Weltmetrologietag am 20. Mai 2019 wird das neue Einheitensystem in Kraft treten, auf das sich im November Vertreter von 60 Staaten bei der Generalkonferenz für Maße und Gewichte geeinigt haben. Betroffen sind davon primär die Einheiten Kilogramm, Ampere (Stromstärke), Mol (chemische Stoffmenge) und Kelvin (Temperatur), die über Naturkonstanten definiert werden.

In Österreich wird 2019 ein europaweit einzigartiges Tunnelforschungszentrum fertiggestellt: Herzstück des „Zentrum im Berg“ am Erzberg in der Obersteiermark bilden mehrere stillgelegte Stollen, die ausgebaut wurden. Der Vollbetrieb der Forschung in den zwei parallel verlaufenden Autobahn- und zwei Eisenbahntunnel sowie einem reinen Versuchstunnel soll spätestens im Jänner 2020 starten. Rund 30 Millionen Euro werden in dieses Forschungszentrum der Montanuniversität Leoben investiert. Dort sollen etwa Raucherkennungs- und Löschsysteme sowie Baustoffe erprobt, neue Lüftungskonzepte getestet oder auch die Ausbreitung von Gasen unter realen Bedingungen untersucht werden. Geplant sind in Zukunft auch Projekte zur unterirdischen Speicherung von Energie aus Solar- und Windkraftanlagen.

Nach jahrelangen Vorarbeiten und der offiziellen Gründung der Silicon Austria Labs GmbH (SAL) am 14. Dezember wird das neue Forschungszentrum für elektronisch basierte Systeme mit Standorten in Graz, Villach und Linz 2019 seinen Betrieb aufnehmen. Neben den drei Sitz-Bundesländern und dem Bund ist auch die Industrie an dem Projekt beteiligt, in das bis 2023 280 Millionen Euro investiert und wo 400 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen. Das SAL-Hauptquartier wird in ein Gebäude an der Technischen Universität (TU) Graz einziehen, das bis Ende 2019 fertiggestellt sein soll.

Forschungspolitisch interessant wird es im Mai 2019: Geplant ist ein Forschungsgipfel, bei dem zentrale Vorhaben der Regierung im Forschungsbereich vorgestellt werden sollen: Dabei handelt es sich um das Forschungsfinanzierungsgesetz, das Planungssicherheit vor allem für die Förderagenturen bringen soll, eine Exzellenzinitiative für den Bereich Grundlagenforschung sowie die neue Forschungsstrategie der Bundesregierung bis 2030. Unabhängig davon soll voraussichtlich bei den Alpbacher Technologiegesprächen (22.-24.8.) eine nationale Strategie für die Bereiche Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) präsentiert werden.

Vorerst wenig Änderungen im Wissenschaftsbereich dürfte der Austritt Großbritanniens aus der EU mit 29. März bringen - wobei noch nicht klar ist, in welcher Form dieser erfolgt. Die britische Regierung hat aber bereits unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen garantiert: Wer 2019 ein Studium in Großbritannien beginnt, für den ändert sich nichts. Großbritannien bleibt auch selbst bei einem harten Brexit Mitglied im bis 2020 laufenden Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“.

Im aufgerüsteten Teilchenbeschleuniger SuperKEKB im japanischen Labor für Teilchenphysik KEK nahe Tokio gab es 2018 die ersten Kollisionen von Elektronen und Positronen, 2019 soll ein vom Institut für Hochenergiephysik (Hephy) der ÖAW in Wien mitentwickelter und mitgebauter Detektor für das Belle-II-Experiment in Betrieb gehen. Ziel ist es, damit Unterschiede zwischen Materie und Antimaterie zu untersuchen.

Abenteuerlich klingt ein deutsches Projekt, das im Herbst 2019 starten soll: Nach dem Vorbild einer Expedition vor 125 Jahren wird sich das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ 350 Tage im Nordpolarmeer einfrieren lassen. Ziel ist, die zentrale Arktis mit der Eisdrift zu durchqueren und umfangreiche Messungen auch im Winter vorzunehmen.

2019 kann mit zahlreichen Jahrestagen und Jubiläen aufwarten: Es jährt sich etwa der 500. Todestag von Leonardo da Vinci (2.5.) und von Kaiser Maximilian I. (12.1.). Höhepunkt der Aktivitäten rund um das Renaissance-Genie ist eine für Herbst geplante Ausstellung im Louvre in Paris. Der schillernden Persönlichkeit Maximilians, die am Ende des Mittelalters in einer Zeit tiefgreifender kultureller und weltanschaulicher Umbrüche herrschte, widmet sich eine Tagung der ÖAW und der Universitäten Wien und Innsbruck im März.

Mit dem Humboldt-Jahr 2019 und zahlreichen Aktivitäten wird in Deutschland der 250. Geburtstag des am 14. September 1769 in Berlin geborenen Naturforschers und Universalgelehrten Alexander von Humboldt begangen. Der Todestag des schottischen Erfinders James Watt jährt sich am 19. August zum 200. Mal, ebenso der 200. Geburtstag des französischen Physikers Leon Foucault. Am 23. Jänner hätte Meeresforscher Hans Hass seinen 100. Geburtstag gefeiert, der Neurowissenschafter und Medizin-Nobelpreisträger Eric Kandel wird am 7. November 90 Jahre alt.

Auch Institutionen feiern Geburtstag: Am 4. November vor 150 Jahren erschien die erste Ausgabe des Wissenschaftsjournals „Nature“. Die Universität Innsbruck wird 350 Jahre alt und feiert das ganze Jahr mit zahlreichen Events - so trifft Anfang Februar etwa die Creme de la Creme der internationalen Quantenforschung zu einem Kongress in Innsbruck zusammen. Das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) feiert Ende Mai, Anfang Juni sein zehnjähriges Bestehen. Genauso alt ist das Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn (NÖ), das seinen Geburtstag Ende April begeht.


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