Grünen-Chef Werner Kogler: „Das Comeback hat bereits begonnen“

2019 stehen den Grünen zwei wichtige Wahlen bevor. Bundessprecher Werner Kogler ist zuversichtlich, dass die Partei wieder Tritt fasst.

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Werner Kogler, Bundessprecher der Grünen, glaubt an ein gutes Jahr 2019 für die Partei, die bei der Wahl 2017 aus dem Nationalrat flog.
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Carmen Baumgartner-Pötz

Wien –„Rudern statt Sudern“ hat Werner Kogler beim Grünen-Bundeskongress Mitte November als Motto für seine Partei ausgegeben – ein Jahr nach dem Debakel bei der Nationalratswahl, bei der die Ökopartei aus dem Nationalrat flog. Mit der Themenmischung aus Ökologie und Gerechtigkeit soll das Comeback 2019 gelingen, wobei, „eigentlich hat das Comeback schon dieses Jahr begonnen“, gibt sich Kogler im TT-Interview zum Jahresausklang und zum Ausblick auf das kommende Jahr überzeugt. Als Highlights nennt er das „nicht selbstverständliche“ Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl in Tirol mit Verbleib in der Regierung und natürlich den Einzug Georg Willis als Bürgermeister ins Innsbrucker Rathaus. Und dann ist da noch der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober, „der derzeit seinen fünften Frühling feiert. Der ist ein tolles Role Model“, kommt Kogler ins Schwärmen, „weil er beweist, dass man auf dem sensiblen Feld Integration reüssieren kann, und das über Parteigrenzen hinweg“.

Bevor er sich in der ersten Jännerwoche ein paar Tage handyfrei gönnt, ist der Steirer in den letzten Tagen des Jahres noch viel unterwegs. Unternehmer treffen, Charityveranstaltungen besuchen, netzwerken, Pläne schmieden für das, was kommt. 2019 bringt aus Sicht der Grünen vor allem zwei spannende Wahlgänge: Den Auftakt des demokratischen Geschehens 2019 macht Salzburg. Dort geht es am 10. März um die Gemeinderäte und Bürgermeister der 118 Gemeinden bzw. der Stadt Salzburg. Die ehemalige Grünen-Landesrätin und derzeitige Klubobfrau im Landtag, Martina Berthold (48), könnte es Georg Willi nachmachen und das Bürgermeisteramt erobern – oder zumindest in die Stichwahl kommen. „Berthold wird unterschätzt“, kommentiert Kogler den bevorstehenden Wahlkampf im Westen. Das mache diesen besonders spannend. Als Wahlhelferin wird jedenfalls die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze aus dem benachbarten Bayern nach Salzburg kommen. Die 33-Jährige hat ihre Partei im Herbst mit einem betont positiven Wahlkampf zur zweitstärksten Kraft gemacht – an ihrer Fröhlichkeit und Herzlichkeit will man sich ein Beispiel nehmen.

Nach dem ersten Wahlgang in Salzburg soll dann auch die Grünen-EU-Wahlliste finalisiert werden. Dass Kogler für die Wahl am 26. Mai Spitzenkandidat wird, ist ja bereits fixiert. 2014 holten die Grünen mit 14,52 Prozent drei Mandate, 19 österreichische sind insgesamt zu vergeben. Weil es die erste bundesweite Wahl seit Oktober 2017 ist, glaubt Kogler, dass das „viele Menschen motivieren wird“ – denn nach wie vor erhalte man sehr viele Zuschriften, dass die Grünen der politischen Landschaft fehlten. Mit Klimaschutz habe man ein „Überlebens- und damit ein Überbauthema“, in dem die Grünen mit Selbstbewusstsein ihre Expertise einbringen können, ist Kogler überzeugt: „Das Bewusstsein zum Thema Klimaschutz in der Bevölkerung steigt, weil wir die erste Generation sind, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt, und gleichzeitig die letzte, die noch etwas dagegen tun kann.“ Ein weiteres Thema, das „die Leute noch mehr anspricht, weil es um die eigene Gesundheit und die der Kinder geht“, sei die „giftige Agrarindustrie“: Ausgelaugte Böden, Artensterben, Insektenrückgang – auch das mache emotional betroffen.

Außerdem wollen die Grünen einen „Haltungs- und Wertewahlkampf“ führen: „Der Bundeskanzler (Sebastian Kurz, ÖVP, Anm.) steht mit seiner Nähe zu Ungarns Viktor Orban konsequent auf der falschen Seite. In dessen Fidesz-Partei ist Antisemitismus bereits Staatsdoktrin. Wir müssen das noch mehr dechiffrieren und zeigen, dass wir es sind, die die proeuropäischen Werte vertreten“, so Kogler. Orban hingegen „kassiert Milliarden an EU-Förderung, bedient seine Klientel und schädigt die Union. „Das ist der Haberer von Kurz.“


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