Harnoncourt und gespag-Chefs leiten neue Oö. Gesundheitsholding

Linz (APA) - Der frühere Chef des Linzer Spitals der Elisabethinen und derzeitige Geschäftsführer der Malteser Deutschland Franz Harnoncourt...

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Linz (APA) - Der frühere Chef des Linzer Spitals der Elisabethinen und derzeitige Geschäftsführer der Malteser Deutschland Franz Harnoncourt wird erwartungsgemäß Vorstandschef der neuen Oö. Gesundheitsholding. Die anderen Vorstandposten übernehmen die gespag-Chefs Karl Lehner und Harald Schöffl. In der Holding werden die Landeskrankenhäuser und die Landesanteile am Kepler-Uniklinikum (KUK) zusammengeführt.

Eine Hearing-Kommission habe sechs Bewerber eingeladen und die drei künftigen Vorstände vorgeschlagen, erklärte LH Thomas Stelzer bei der Präsentation der Führungsetage der Oö. Gesundheitsholding. Den Dreien, die ihre Funktionen offiziell mit 1. Juni antreten werden, werde es obliegen, „für die Mitarbeiter eine Unternehmensstruktur zu schaffen, wo sich alle wohlfühlen“, so LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (beide ÖVP).

Bereits im Vorfeld der Ausschreibung war nicht nur kolportiert worden, dass der Sohn des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt die Position des Vorstandsvorsitzenden übernehmen könnte, sondern auch, dass deswegen die Gehaltsgrenze für Landesmanager gestrichen worden sei. Diese lag zuvor beim Landeshauptmann-Salär von 239.000 Euro brutto jährlich. Über die Gehälter gab man sich am Freitag aber noch bedeckt: Das werde nun verhandelt und er gehe davon aus, dass man „zu sehr guten Lösungen“ komme, so Stelzer.

Harnoncourt empfindet die Aufgabe als eine spannende, „die im deutschsprachigen Raum ihresgleichen sucht“, wie er sagte. Als wichtigste erste Vorhaben nannte er, die Zusammenführung der Kulturen und „sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen“. Die Zusammenführung von gespag und KUK sei „sehr erfolgreich gestartet“ und werde nun in die Umsetzung gebracht, betonte Schöffl. Lehner will an die Aufgabe mit „Demut, aber auch mit Engagement herangehen“.

Ihre Arbeitsbeziehung sehen Lehner und Schöffl trotz der „Protokoll-Affäre“ nicht belastet: Der als ÖVP-nahe geltende Lehner hatte jahrelang zwei unterschiedliche Protokolle von gespag-Vorstandssitzungen anfertigen lassen - eines mit und eines ohne den Punkt Personalangelegenheiten - wobei der Aufsichtsrat die kürzere Version erhielt. Schöffl, der auf Vorschlag der FPÖ im gespag-Vorstand sitzt, hatte das kritisiert. Der Aufsichtsrat sah aber letztlich kein Fehlverhalten Lehners. Dieser betonte am Freitag, man habe „das besprochen und bereinigt“ und brauche die Kraft nun für die gemeinsamen Aufgaben.

Die Holding geht aus dem ehemaligen Landes-Spitalsbetreiber gespag hervor. Die gespag hatte in das 2015 mit der Errichtung einer Medizinfakultät gegründete KUK die Frauen- und Kinderklinik sowie die ehemalige Landesnervenklinik Wagner-Jauregg eingebracht, die Stadt Linz das AKH. Das Land hält seither am KUK 74,9, die Stadt 25,1 Prozent. Die Landesanteile wandern nun von der Beteiligungsholding des Landes zurück in die neue Oö. Gesundheitsholding.

Neben der Uniklinik werden der Holding auch die sechs Landesspitäler an acht Standorten und diverse gespag-Beteiligungen in unterschiedlichem Umfang - beispielsweise an den Landespflege- und Betreuungszentren, der FH Gesundheitsberufe GmbH und der Kinderreha Rohrbach-Berg - unterstellt. Die Politik verspricht sich von der Umstrukturierung jährliche Einsparungen von 7,5 Mio. Euro - bei einer Ausgangsbasis von rund 100 Mio. Euro - ab 2025 im nichtmedizinischen Bereich.

Von der SPÖ kam postwendend Kritik an der Besetzung: Klubvorsitzender Christian Makor und Gesundheitssprecher Peter Binder sehen „eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten, die darauf hindeuten, dass schon seit längerem feststeht, welche Manager als Sieger aus dem Hearing herauskommen“. Sie haben eine schriftliche Anfrage an den zuständigen Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) angekündigt, „um zu klären, ob Einfluss auf den Bestellungsprozess genommen wurde“. Auch vermuten sie, dass der Gehaltsdeckel für Landesmanager extra für diese Bestellung gestrichen worden sei. „Mir war es bislang nicht bekannt, dass Gesundheitsmanager besser als Bank- oder Energiemanager bezahlt werden“, so Makor.


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