„Krippen sind immer noch eine hochemotionale Sache“

Die Dauerausstellung des Volkskunstmuseums zeigt eine der weltgrößten Sammlungen besonderer Krippen. Zu Weihnachten werden im ganzen Haus weitere Raritäten gezeigt. Heute wie früher sind die Miniaturen des Evangeliums sehr beliebt.

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Die Krippe von Josef Brugger besteht aus 300 Jahre altem Holz eines Bauernhofs.
© Foto TT / Rudy De Moor

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Eine Krippe ist nicht einfach nur die kompakte Darstellung des Heilgeschehens, eine Krippe ist viel mehr. Das weiß Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums: „Wenn beim Aufstellen der Krippen etwas nicht ganz genau stimmt, kommen sofort Beschwerden. Krippen sind immer noch eine hochemotionale Sache.“

Karl C. Berger ist Leiter des Volkskunstmuseums.
© Foto TT / Rudy De Moor

Während Künstler sich heutzutage vor allem auf die Geburtsszene (Maria-Josef-Jesus) beschränken, war früher auch die Darstellung der gesamten Bibel üblich. Diese Krippen blieben das ganze Jahr über stehen. Aktuell ist ein Werk des Sterzinger Schnitzers Josef Benedikt Probst (1773 bis 1861) zu sehen. „Die vertikale Ebene der Krippe zeigt viele Stationen: Das beginnt beim Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies und führt über die Geburt und die Kreuzigung bis hin zur Auferstehung und Verklärung“, erklärt Berger.

Solche Jahreszeitenkrippen funktionieren oft wie Wimmelbücher, erst nach und nach entdeckt der Betrachter die ganzen Details. „Es ist häufig der Fall, dass in Tiroler Krippen Alltagsszenen dargestellt werden. Das reicht dann vom Holzhacken bis hin zu einem Burschen, der das Plumpsklo benutzt“, sagt Berger schmunzelnd.

Etwas Besonderes ist auch eine Krippe, die eine türkische Blasmusikkapelle zeigt. Diese Tradition, die aus Tirol nicht mehr wegzudenken ist, wurde ebenso nach Österreich importiert wie etwa der Kaffee oder das Kipferl.

Die Jahreszeitenkrippe erzählt die Geschichte vom Sündenfall bis zur Auferstehung.
© Foto TT / Rudy De Moor

Die Miniaturen des Evangeliums haben über die Jahre immer wieder eine Neuinterpretation erfahren. So ist in einem Ausstellungsraum die Miniaturkrippe „Bootsflüchtlinge“ von Karlheinz Lauber zu sehen. Der Innsbrucker weist darauf hin, dass das Christuskind damals auch nach Ägypten flüchten musste. Der Künstler zeigt Maria und das Jesuskind in einem Schlauchboot mit kaputtem Motor. Die männliche Figur ist jedoch einer der Könige. Knapper Kommentar des Künstlers: „Josef ist leider ertrunken“.

Bei der neuesten Krippe war bis zuletzt nicht sicher, ob sie tatsächlich bis Weihnachten fertig wird. Nun ist sie in voller Pracht zu sehen. Andreas Brunner, er arbeitet in der Kunstwerkstatt Lienz der Lebenshilfe, hat eine Papierkrippe geschaffen, deren Figuren an Comics erinnern. Wichtig war ihm, dass der Papst bei der Anbetung vertreten ist, auch Mutter Theresa darf nah beim Kind sein. Zwei Franziskaner gesellen sich dazu, wobei Brunner einem der beiden sein Aussehen verliehen hat.

Eine große Krippe findet sich im Kreuzgang des Museums. Die mannshohen Figuren wurden 1985 aus Alt- und Neuholz gefertigt. Das Altholz stammt aus einem 300 Jahre alten Bauernhof, der sich in Matrei in Osttirol befunden hat. Er musste dem Bau der Transalpinen Ölleitung weichen.

Altes lebt in dieser Krippe weiter, zumal es mehrere Exemplare gibt. Eine ältere Variante wurde in die USA verkauft und im World Trade Center aufgestellt, durch die Anschläge von 9

11 aber zerstört. Die Idee der Krippen ist indes unzerstörbar. „Sie sind immer wieder in der Krise. Die Krippe ist aber nicht wegzudenken“, sagt Berger.

War es in der Nachkriegszeit die Armut, die viele zum Verkauf zwang, ist das Aufstellen der Krippen nun vor allem eine Zeit- und Platzfrage. Die Form der Krippe, wie wir sie heute kennen, geht auf Franz von Assisi zurück. Deswegen spielen Tiere eine wichtige Rolle, wie Ochs und Esel. Im Neuen Testament steht: „So ging in Erfüllung, was durch Jesaja gesagt ist: ,Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.‘“ Will heißen: Tiere sind schlau!


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