Österreichische Soldaten im Kosovo: Ein Stein im Sicherheitsgefüge

Mehr als 700 österreichische Soldaten stehen im Kosovo und in Bosnien im Einsatz. Der Westbalkan braucht auch 20 Jahre nach den Kriegen noch internationales Militär.

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„Was ihr tut, ist notwendig, damit das Große funktioniert“: Verteidigungsminister Mario Kunasek mit österreichischen Soldaten im serbisch-orthodoxen Kloster Decani.
© Bundesheer/Karlovits

Von Wolfgang Sablatnig

Pristina –Wo sich das Tal der Decanska Bistrica zur Ebene von Metochien öffnet, liegt malerisch das Kloster Decani. Die Anlage aus dem 14. Jahrhundert ist sauber herausgeputzt. Aus dem späten Mittelalter stammen auch die farbenfrohen Fresken, die den Kirchenraum prägen. Rechts vom Altar thront Christus als Herrscher der Welt.

Nur ein militärischer Checkpoint neben Tor zur Anlage stört das friedliche Bild. Österreichische Soldaten der internationalen Friedenstruppe KFOR schieben dort Wache. Von „Camp Sparta“ aus, ein Stück oberhalb im Wald, betreuen die 30 Männer und Frauen vier Checkpoints rund um das Kloster im Westen des Kosovo. Das Camp mit seinen Wohncontainern ist karg eingerichtet. Nach zwei Wochen kommt Ablöse.

Der Schutz für das Kloster und seine Mönche ist nötig, weil dieses Heiligtum der serbisch-orthodoxen Gläubigen in einem nach dem Kosovo-Krieg so gut wie ausschließlich albanisch besiedelten Gebiet liegt. Decani steht auch auf einer Liste von 44 Klöstern, Kirchen und historischen Denkmälern, die der Staat Serbien für sich beansprucht.

Die Wunden im Land sind fast 20 Jahre nach dem Krieg noch lange nicht verheilt, wie Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) bei einem vorweihnachtlichen Besuch im Kosovo feststellen musste. Die vergangenen Wochen haben auch die österreichische Truppe, die großteils im „Villagio Italia“ am Rande der nahen 50.000-Einwohner-Stadt Pec stationiert ist, gefordert. Zwei Mal mussten Kompanien nach Mitrovica ausrücken, wo das albanische und das serbische Siedlungsgebiet aufeinanderstoßen. Politik und Medien verbreiten aggressive Stimmung, berichten österreichische Offiziere. Die Demonstrationen seien aber zum Glück friedlich verlaufen.

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30 österreichische Soldaten leben in den Wohncontainern von „Camp Sparta“. Ihr Auftrag: Schutz des nahen Klosters Decani.
© Sablatnig

Grund zur Aufregung gab es genug: die hohen Strafzölle, die der Kosovo für Güter aus Serbien verfügte, und die Gründung einer eigenen Kosovo-Armee, die aus bestehenden Spezialkräften erwachsen soll. Weitere Unruhe könnte ein Termin in Den Haag in den Niederlanden schüren: Das dortige Sondergericht für Kriegsverbrechen während des Kosovo-Krieges will im Jänner erstmals einen Kommandanten der damaligen albanischen „Befreiungsarmee“ UCK einvernehmen.

Pläne, die internationale Truppenpräsenz Ende 2019 zu reduzieren, sind denn auch fallen gelassen worden, berichtete der Kommandant der Österreicher, Oberst Shahim Bakhsh.

Aktuell tragen 28 Staaten mit 3000 Soldaten zur KFOR-Truppe bei. 427 Männer und Frauen stammen aus Österreich. Der Kosovo ist damit die Region mit dem größten rot-weiß-roten Auslandskontingent. Auf Rang zwei folgt mit Bosnien (300 Soldaten) ebenfalls ein Staat am Westbalkan. Das dritte große Kontingent steht im Libanon.

Nur ein kleiner Teil der Soldaten kann Weihnachten in Österreich verbringen. Für die anderen brachte der Besuch Kunaseks zumindest eine Feier – und für manche ein Selfie – mit dem Verteidigungsminister.

1999 war Kunasek als 23-jähriger Wachtmeister selbst in Bosnien im Aus-landseinsatz. „Ihr macht einen großartigen Job. Das, was ihr tut, ist notwendig, damit das Große und Ganze funktioniert“, bedankte er sich nun bei den Soldatinnen und Soldaten in Pec und in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo.

Die Notwendigkeit der Einsätze am Balkan steht für den Minister außer Zweifel. Letztlich hätten es aber die jeweiligen Politiker in der Hand, nachhaltig für Entspannung zu sorgen und positive Bedingungen zu schaffen.


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