Der Bergisel: Ein Berg zwischen Event und Tradition

Der Innsbrucker Bergisel, heute Schauplatz des dritten Springens der Vierschanzentournee, bietet Raum für allerhand Visionen. Eishockey, Beachvolleyball, Konzerte – nichts scheint in diesem Kessel unvorstellbar.

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Einen Air & Style am Bergisel wird es in dieser opulenten Form wohl nicht mehr geben. Im kleineren Rahmen vielleicht.
© Air+Style

Von Florian Madl

Innsbruck – Den Bergisel mieten, also das gesamt Areal? Ab 6000 Euro wäre man dabei. Garantiert: eine beeindruckende Kulisse über Innsbruck, Tradition inkludiert. Dort, wo 1809 die Tiroler Freiheitskämpfe stattfanden, wurden schon Snowboard-Events (Air & Style), ein Tennis-Länderkampf, Konzerte und wie heute Tourneespringen durchgeführt.

Herbert Mandl, von Pächter Österreichischer Skiverband zum Geschäftsführer der Bergisel GmbH bestellt, kann sich noch einiges mehr vorstellen: „Beachvolleyball ist ein Thema, Eishockey sowieso.“ Mit einem „Winter Classic“, wie es die National Hockey League vorlebt, scheinen die Vorbereitungen für November 2019 bereits weit fortgeschritten. Die Vorkehrungen werden auf eine halbe Million Euro taxiert, das Interesse der Erste Bank Eishockey Liga ist bereits geweckt und Hausherr Peter Schröcksnadel zeigte sich von der Idee bereits angetan.

Heuer könnte es zu einem Winter Classic der Innsbrucker Eishockey-Haie kommen.
© TT

Das heutige Tourneespringen gilt laut Mandl, ehemals Chef der österreichischen Ski-Damen, als „wichtiges finanzielles Standbein“ (Jahresumsatz 3,5 Mio. €): „Wir müssen ohne Zuschüsse auskommen, Gewinn erwirtschaften wir keinen. Im Gegenzug partizipiert die Stadt.“ Im Vorjahr stellte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel veranstaltungsbedingte Abgaben von 250.000 Euro in den Raum.

Sechs Großevents dürfte man laut dem Pachtvertrag jährlich durchführen, nach dem Abschied des Air & Style beschränkt sich das Aufkommen allerdings aufs Tourneespringen im Jänner (ca. 20.000 Zuschauer).

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Cro rappte bereits am Bergisel (2015).
© gepa

160.000 Besucher frequentieren den Traditionsberg jährlich – die Nummer drei in der Tiroler Hitliste hinter den Swarovski Kristallwelten in Wattens (ca. 700.000) und der Seegrube (Besucherzahl abhängig vom Skibetrieb). Kein Vergleich zum Schloss Schönbrunn in Wien (ca. 2,8 Mio.), aber eine Kenngröße. Und seit die Kriegsopfer- und Behindertenabgabe (15 %) gefallen ist, scheinen auch Konzerte wieder wirtschaftlich interessant zu sein.

Die Interessensgemeinschaft Bergisel, die Vertretung der 350 Anrainer, goutiert das Aufkommen in ihrer Nachbarschaft. „Wir haben das beste Einvernehmen“, meint Obmann-Stellvertreter Peter Außerladscheider, einer der vielen „Ur-Bergisler“. Hier kennt man sich, an Events würde man sich nicht stoßen. Selbst ein Flutlicht, seit vielen Jahren ein Thema, wäre kein Ding der Unmöglichkeit, „allerdings mit klaren Regelungen“. Für die anstehende nordische Ski-WM in Seefeld und eben in Innsbruck war das ein Thema, mittlerweile ist man davon wieder abgekommen.

Österreichs Tennis-Damen spielten auf (Barbara Schett, 2004).
© gepa

Weniger fehlende Innovationen als notwendige Sanierungsmaßnahmen stellte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zuletzt in den Raum: „Seit 1976 ist der Bergisel quasi unverändert, es herrschen katastrophale Toiletten-Zustände.“

Public Viewing 2008 im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft: Das Sicherheitskonzept von damals wurde übernommen.
© gepa

Sein Geschäftsführer Herbert Mandl kann sich aus Kostengründen jedoch keinen Umbau vorstellen: „Es bedarf der Unterstützung der öffentlichen Hand.“ Und auch die Tribünensituation in der Naturarena, die für gut 20.000 Eventbesucher zugelassen ist, stellt eine Herausforderung dar. Dabei hätte man allerhand Ideen, wie der Bergisel eine weitere Aufwertung erfahren könnte:

durch Investitionen in einen Kinderbereich, der dem Naherholungsgebiet guttun würde, oder durch ein Ski-Museum. So eines hat man bereits am Osloer Holmenkollen, der dem Innsbrucker Traditionsberg in seiner Aufmachung ähnlich scheint. Ein Vorbild für Tirol? Geschäftsführer Herbert Mandl winkt bei diesem Vergleich selbstbewusst ab: „Ich denke eher, dass der Bergisel die Maßstäbe gesetzt hat.“

Bergisel-Historie

1809: Schauplatz der Tiroler Freiheitskämpfe.

1906:

Gründung des „Ski-Club Innsbruck“.

1908:

Bau einer Schanzenanlage am „Husslhof“ durch den SCI, ersten internationale Wettkämpfe.

1927:

Erstes Bergiselspringen (23. Januar) auf der Naturschanze; Weite des Siegers: 47,5 m.

1933:

Erster Umbau der Schanze. Weitester Sprung: 74 m.

1949:

Neubau

1952:

Erste Vierschanzen-Tournee mit Springen in Innsbruck am 3. Januar 1953.

1964:

Olympische Winterspiele, Ausbau und Umbau

1976:

Olympische Winterspiele, Ausbau und Umbau

1985:

die Großschanzen-Wettbewerbe der Nordischen Ski-WM

1988:

Papstbesuch mit Messe

1999:

internationales Gutachter-Verfahren, die Jury erteilte Architektin Zaha Hadid den Zuschlag.

2001:

Neubau der Sprunganlage durch den ÖSV (ca. 12 Mio. €).

2002:

50. Vierschanzentournee (50.), Schanzeneröffnung am 14. September.

Quelle: www.bergiselspringen.at


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