„Zeit ist vorbei, wo heilige Räume respektiert wurden“

Ein Vandalenakt an der frisch renovierten Fassade der Wörgler Kirche sorgt für Ärger. Die Täter schlugen mitten im Wohngebiet bei Tageslicht zu.

Im Herbst wurden die Renovierungsarbeiten an der Südfassade abgeschlossen.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Wörgl –Der künstlerische Wert ist mehr als fragwürdig, der Ärger dafür umso größer: Seit 2. Jänner „ziert“ ein Schriftzug die frisch sanierte Außenwand der Wörgler Kirche. Unbekannte Vandalen tobten sich mit ihren Spraydosen an der Südseite der Kapelle aus – und das am helllichten Tag. „Ein Unding“, ärgert sich Pfarrer Theo Mairhofer über diese „sinnlose Aktion, die nur Geld kostet“.

Dass sich bisher niemand bei der Pfarre mit Hinweisen auf die Täter gemeldet hat, wundert den Geistlichen. Passiert sei das Ganze nämlich an besagtem Mittwoch zwischen 13 und 15 Uhr und das direkt vor den Dutzenden Fenstern einer großen Wohnanlage. Die Strafe für diese Schandtat will selbst Mairhofer nicht nur einer höheren Macht überlassen – den Fall habe er bei der Polizei sofort angezeigt. Bisher gebe es noch keine heiße Spur, heißt es aus der Wörgler Inspektion.

Nun verschandelten Vandalen die Wand an der Taufkapelle.
© Hrdina

„Die Zeit ist vorbei, wo heilige Räume noch respektiert wurden“, bedauert der Pfarrer. Auch am Friedhof würden Wüstlinge immer wieder Gräber beschädigen. Vor zwei Jahren richteten Unbekannte sogar in der Kirche Schaden an. „Sie zerstörten Blumengestecke und beschmierten die Tischdecke am Altar“, erzählt Mairhofer. „Das alles bringt absolut nichts.“ Außer, dass die Pfarre nun erneut finanziell zu Kreuze kriechen muss.

Insgesamt investierte man 850.000 Euro, um das Gotteshaus wieder auf Vordermann zu bringen. Geplant war ursprünglich nur die Erneuerung der Fassade für 300.000 Euro. Im Zuge der Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass auch das Dach dringend ausgetauscht werden muss. Die Bauarbeiten mussten im Sommer zwischenzeitlich sogar unterbrochen werden, weil nicht klar war, woher man das Geld nehmen sollte.

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„Die katholische Kirche hat sich gewandelt, Zugehörigkeit schaut heute eben anders aus“, meint Mairhofer mit Blick auf die Finanzlage der kommunalen Seelsorgeeinrichtung. Die Gemeinde Wörgl steuerte für die anfangs geplante Fassade 80.000 Euro auf eine Laufzeit von vier Jahren bei – für das Dach hofft die Pfarrgemeinde nun auf weitere Unterstützung.

Für den Geldsegen sollen weiterhin Benefizaktionen sorgen: Die CD der Familienmusik Puchleitner, Apfelsaft, Wein und Schokolade gibt es weiterhin im Pfarrbüro zu erstehen. Im Frühjahr steht mit einem „Mariensingen“ ein weiteres Konzert zugunsten der Kirchenrenovierung an. Dann sollen auch die witterungsabhängigen Renovierungsarbeiten fortgesetzt werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürften auch die Schmierereien an der Kapellenwand wieder übermalt werden.


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