Die Vielfalt musikalischer Glücklichmacher

Florian Bramböck feierte seinen 60er mit dem Tiroler Kammerorchester InnStrumenti beim Neujahrskonzert im ausverkauften Congress.

Virtuose am Saxophon ? Florian Bramböck verlieh dem Neujahrskonzert von InnStrumenti eine jazzige Note.
© Hauser

Von Markus Hauser

Innsbruck –Die Geburtstagsständchen, die man sich selbst spielt, sind die schönsten. Das mag sich der Innsbrucker Ausnahmesaxophonist Florian Bramböck in Erwartung seines anstehenden 60. Wiegenfestes gedacht haben, als er am Sonntag im Rahmen der Neujahrskonzerte des Tiroler Kammerorches­ters InnStrumenti als Rapper und Sax-Virtuose vor das Publikum trat. Mit ungemein fülligem Ton, so lautmalerisch, so voller Kraft, so einnehmend schön legte er all seine musikalische Ausdruckskraft in seine Hymne an den Tiroler „Schpeckknödel“.

Der traut sich was, der Bramböck, Jazz und Rap im Rahmen eines Neujahrskonzertes. Na ja, zu verantworten hat es eigentlich Gerhard Sammer als Leiter des Kammerorchesters. Aber der kennt offensichtlich gar keinen „Genierer“. Dass man in Österreich das neue Jahr bevorzugt walzerselig im Dreivierteltakt oder mit rasantem Polka- schmiss begrüßt, scheint ihn wenig zu kümmern. Mit InnStrumenti vertraut er nicht ausschließlich auf Strauß und Co. als einzige Seligmacher zum Jahresbeginn.

Auf so manchem musikalischen Nebenpfad entdeckt Sammer wahre musikalische Kostbarkeiten, welche die Herzen der Zuhörer ebenso mit prickelnder Lebensfreude erfüllen. Sammer scheut auch nicht davor zurück – wie unerhört –, Jazz zum Jahresbeginn zu kredenzen. Mit Irvin Berlins „Cheek To Cheek“, Jimmy van Heusens „Come Fly With Me“ oder Bart Howards „Fly Me To The Moon“, von Heidi Erler mit samtiger Stimme interpretiert, landen gleich drei so unpatriotische Jazzmelodien im Publikum und entpuppen sich als wahre melodische Glücklichmacher.

InnStrumenti spielen wunderbar. Beeindruckend ist die Aufmerksamkeit, mit der die Musiker, dem Anschlag des Dirigenten folgend, die Substanz der Werke zur Geltung bringen. Mit Emmerich Kálmán, Carl Michael Ziehrer, Franz von Suppé, Georges Bizet, Frederick Loewe, Jacques Offenbach serviert man lautmalerisch Walzer und Polkas, zeigt knackig-rhythmisches Profil, unwiderstehlichen Charme und lebt schlawinerhafte Leichtigkeit.

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„An der schönen blauen Donau“ und der „Radetzky-Marsch“ dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen, ehe mit Janis Joplin, Carlos Santana, Joe Cocker und Co. an das Woodstock-Jubiläum 2019 erinnert wird.

Sehr dynamisch und gelungen waren die tänzerischen Beiträge der jungen Innsbrucker Tanzgruppe The Dance Experience unter der Leitung von Amy Pedevilla und der beiden jungen Profitänzer Constanze Gabriel und Lukas Steinegger vom Tiroler Turniertanzklub GOLD WEISS Innsbruck.

Durch das Programm führte ein wahrer Meister der Worte, Thomas Lackner – humorvoll, hintersinnig, lyrisch beseelt. Die Gratwanderung zwischen literarisch höchstem Anspruch und bissig wie humorvoller Weltbetrachtung schafft er souverän. Vokal glänzte er in Georg Kreislers „Das Triangel“ und entpuppte sich auch noch als Triangel-Virtuose.


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