Eine Fülle tönender Geschichten

„Royal Philharmonic Orchestra“ und Geigerin Arabella Steinbacher im Meisterkonzert.

Arabella Steinbacher bezauberte mit introvertierter Geigenkunst.
© imago/Michel Neumeister

Innsbruck –Das Royal Philharmonic Orchestra ist mit dem jungen Dirigenten Lionel Bringuier auf Tournee. Bis man am 5. Februar wieder in London ist, durchstreift man noch neun deutsche Städte. Für Österreich ist die Handreichung Windsor-Wien mit der Ouvertüre zu Otto Nicolais Oper „ Die lustigen Weiber von Windsor“ eine hübsche Begrüßungsgeste. Romantisch, zügig und mit Esprit legte das königliche britische Orchester den Weg zurück.

Max Bruchs g-Moll-Violinkonzert, das der Komponist hasste, weil es alle seine anderen Werke verdrängte, bleibt mit seinem melancholischen Grundton und seiner Virtuosenbrillanz so sehr im Gemüt, dass es einen festen Platz zwischen den Violinkonzerten von Mendelssohn und Brahms einnimmt.

Arabella Steinbachers hochsensible Klangästhetik, mit der sie eine breitgefächerte Violinliteratur ausstattet, verzauberte natürlich gerad­e auch dieses melodieselige Werk mit seiner raffinierten Harmonik, dem teils verhangenen Weltschmerz und dem blitzenden Temperament der Randsätze, an dem der einst führende Geiger Joseph Joachi­m seinen Anteil hatte.

Eine lohnende Begegnung war das Dirigat von Lionel Bringuier, der präzise und in großräumiger Deutlichkeit all­e Einsätze vorbereitet, doch auch mit wenig Aufwand strukturelle und dynamische Differenziertheit erreicht. Steinbachers schlanker Tongebung und technischer Perfektion verschaffte er den nötigen Raum, überzog aber auch nicht Nikolai Rimski-Korsakows Geschichten der „Scheherazade“.

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Da manifestierte sich die charakteristische Kunst des in seiner Haltung großartigen Royal Philharmonic Orchestra, ohne Pomp und tourneegeschuldete Selbstdarstellung, gleichsam in seelenvollem Understatement, wunderbar zu musizieren. Herausragend die Geigensoli des Konzertmeisters. (u.st.)


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