FIS-Renndirektor Waldner kritisiert die hohe Risikobereitschaft

Der Mythos Streif ist einer, der sich viel um die Gefahren der berüchtigsten Abfahrt im Weltcup dreht. Und so nimmt wenige Tage vor den 79. Hahnenkammrennen auch wieder das Sicherheitsthema Fahrt auf.

FIS-Renndirektor Markus Waldner: „Es ist alles ausgereizt“
© gepa

Kitzbühel – FIS-Renndirektor Markus Waldner verfolgt die Entwicklungen im Material­sektor sehr kritisch. Die Rennläufer würden zu viel riskieren und seien vom Set-up her an der Grenze angelangt. Das sagte Waldner gegenüber der TT über...

... riskante Materialwahl: Das Gesamtpaket ist extrem ausgereizt, das Material sehr aggressiv. Das zeigen auch die Stürze von Marc Gisi­n in Gröden (Rippenbrüche, Lungenverletzungen, Anm.) und Thomas Dreßen (doppelter Kreuzbandriss, Anm.) in Beaver Creek. Das Hauptproblem liegt darin, dass die Abfahrtsski immer mehr jenen im Super-G und Riesentorlauf gleichen.

... Abfahrtsstrecken: Die Pistenpräparierung ist sehr hart. Es gibt sehr technische Passagen auf den klassischen Abfahrtsstrecken, da muss der Ski in den Kurven richtig gut greifen, damit man schnell ist. Im Vergleich zu früher sind die Ski von den Kanten her komplett anders präpariert. Wenn du schnell sein willst, dann musst du alles sehr aggressiv einstellen. Von daher ist das Set-up komplett ausgereizt.

...über die angepasste Technik: Früher ist man in den Kurven viel mehr gedriftet, jetzt wird dort beschleunigt. Das Material ist daher so eingestellt wie ein Riesentorlauf-Ski, damit man schnell ist. Der Nachteil: Wenn du die Ski flach stellst nach dem Sprung, dann kann sich der Ski leichter verkanten. Der Läufer ist dann nur noch Passagier, so war es bei Thomas Dreßen der Fall. Auch Marc Gisin passierte in Gröde­n das Gleiche.

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... über nicht mehr erlaubte Fehler: Das ist die Konsequenz. Wenn ein Fehler passiert und dann noch an der falschen Stelle, sind die Konsequenzen dramatisch.

...über das immer größer werdende Risiko, das die Athleten nehmen: Das ist absolut der Fall. Im Gesamtpaket wirken inzwischen enorme Kräfte auf die Fahrer. Das Kondi-Training der Athleten hat sich aber entwickelt, damit kann nun viel mehr Kraft übertragen werden. In der Folge wird mit mehr Fitness die Einstellung des Materials zugespitzt – das geht zurück auf den Körper.

... über die Unmöglichkeit, dass die FIS mit Regeln eingreift: Es sind so viele Details bei Kanten und so fort, das können wir nie regulieren. Zudem sind Niveau und Dichte extrem nach oben gegangen. Aber es bleibt wie gesagt so: Das Gesamtpaket ist extrem an der Grenze und ausgereizt. Wir haben viel zu viele Verletzungen. (rost)


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