Die Stimmen von Kitzbühel: Von Träumen und realen Streifzügen

Ein „Mikromann am Hahnenkamm“ kommt selten alleine. Zumindest seit 2008. Seither ist das ungleiche Duo Stefan Steinacher (43) und Didi Ziesel (62) am Fuße von Streif und Ganslern wortreich bei der Arbeit.

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Zwei, die sich verstehen und in vielerlei Hinsicht ergänzen – gemein ist Didi Ziesel (links) und Stefan Steinacher die Liebe zum Sport und die Leidenschaft fürs Moderieren.
© Thomas Böhm

Von Max Ischia

Kitzbühel – Gleich beim Eingang des Kitzbüheler Pressezentrums: Wie es der Zufall will, laufen Stefan Steinacher und Didi Ziesel einem Mann mit schwarzem Anorak und grüner Wollmütze über den Weg. Man fällt sich spontan in die Arme. Es ist ein Wiedersehen, das gleichermaßen berührt wie Freude macht, aber auch Erinnerungen weckt. Beklemmende Erinnerungen. „Mir ist es gerade eiskalt über den Rücken gelaufen“, soll Ziesel Minuten später über das spontane Treffen mit Danie­l Albrecht sagen. Mit jenem Schweizer Ausnahmeski­fahrer, der schon als künftiger Gesamtweltcupsieger gehandelt wurde, ehe dessen Karriere just hier in Kitzbühel eine dramatische Wendung erfuhr. Albrecht, dreifacher Junioren-Weltmeister 2003 und Kombinations-Weltmeister 2007, verunglückte beinahe auf den Tag vor zehn Jahren im Abfahrtstraining beim Zielsprung verhängnisvoll: Der damals 25-Jährige erlitt dabei u. a. ein Schädel-Hirn-Trauma, lag drei Wochen in der Innsbrucker Universitäts-Klinik im Koma und sollte im Herbst 2013 nach mehreren Comebackversuchen seine Rennski für immer ins Eck stellen.

Dass Steinacher und Ziesel noch im selben Sommer Albrecht in dessen Heimat besuchten, beschreibt die beiden ungleichen Alphamännchen vielleicht am besten. Seit gefühlten Ewigkeiten in diesem schnelllebigen Geschäft behauptet sich das redselige Duo mit authentischem Entertainment. Das Jobverständnis ist denkbar einfach: „Wir brennen für das, was wir tun“, versichert Steinacher, der damals wie heute einen Traum lebt, seinen Traum.

Sentimentales Wiedersehen – Didi Ziesel (links) und Stefan Steinacher flankierten den Schweizer Ex-Skistar Daniel Albrecht.
© Thomas Böhm

1984 war’s, als der Fieberbrunner mit seiner Volksschulklasse am Hausberg hinter einem dieser engmaschigen Holzzäune stand und staunender Zeuge eines österreichischen Dreifacherfolgs wurde. „Es war der Wahnsinn. Franz Klammer hat gewonnen vor Erwin Resch und als wir gerade nach unten gewandert sind, ist Jimmy Steiner mit Nummer 55, das weiß ich noch genau, auf Rang drei gefahren. Da war was los.“

Erinnerungen, die prägten und in dem Dreikäsehoch zweierlei Wünsche weckten: „Ich wollte fortan auch einmal auf der Streif gewinnen. Und sollte daraus nichts werden, wollte ich hier zumindest moderieren.“ 24 Jahre später saß Steinacher am Ganslern hinter dem Mikro …

Kollege Ziesel kann diesbezüglich mit keiner Moderatoren-Anekdote aus seiner Kindheit aufwarten. Denn er war schon 31, als er erstmals vor größerem Auditorium zum Mikro griff. Er tat dies beim alpinen Weltcupfinale in Saalbach-Hinterglemm gemeinsam mit einem gewissen Edi („I werd narrisch“) Finger senior. Und doch ist es seit nunmehr neun Jahren so, dass allein der Gedanke an Kitzbühel das Herz des Salzburgers aufgehen lässt. 2010 lernte der Englisch- und Sportlehrer an der Ski-Mittelschule Saalfelden im Rahmen des Hahnenkammrennens seine Belkis kennen und lieben. Vergangenen Sommer sagten die beiden hochoffiziell Ja – im Starthaus von Kitzbühel.

Zu den Personen

Stefan Steinacher (43): Der begeisterte Sportler sammelte 1993 beim einstigen Snowboard-Kultevent „Lords of the Boards“ in seinem Heimatort Fieberbrunn erste Moderationserfahrungen. Längst zählt er zu den renommiertesten Sprechern des Landes. U. a. auf seiner Visitenkarte: Weltcup alpin, Biathlon, Nordische Kombination, Langlauf; Tennis (Kitzbühel, Wiener Stadthalle); Rad-WM in Innsbruck; Formel 1; MotoGP.

Didi Ziesel (62): Der Mann mit dem inzwischen graumelierten wie markanten Mittelscheitel ist seit drei Jahrzehnten eine verlässliche Größe in der heimischen Moderationslandschaft. Ob am Fuße von alpinen Weltcup- und WM-Pisten oder als langjähriger Fußball-Stadionsprecher in Salzburg – einst bei Austria, seit 2015 auch bei Red Bull. „Nebenbei“ ist er mit Herz und Seele Englisch- und Sportlehrer in der NMS Saalfelden.

Auf die Besonderheiten der Hahnenkamm-Rennwoche angesprochen, müssen die beiden nicht groß überlegen. Auch beim inzwischen zwölften Mal ist es „etwas ganz Besonderes“ (Ziesel) bzw. ein „wunderschöner Traum“ (Steinacher).

Kein Tag in dieser Woche, an dem die beiden nicht die Streif herunterfahren. Gestern war dies gleich zweimal der Fall. Auch wenn man inzwischen jeden Zentimeter dieser mythenumrankten Strecke kenne, sammle man stets neue Eindrücke. Und da man zu Athleten, Trainern und Serviceleuten ein mehr oder weniger freundschaftliches Verhältnis pflegt, springen immer wieder verwertbare Neuigkeiten raus. „Je mehr wir wissen, desto besser können wir informieren“, nickt Steinacher, um noch zwei Teammitglieder explizit ins Moderationsteam zu holen: „DJ Max Engelmayer und Daniela Maier als Koordinatorin nehmen uns viel Arbeit ab.“


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