Wertschätzung der mobilen Pflege wird in Lienz diskutiert

Der Rückzug des Pflegedienstleiters des Sozialsprengels Lienz-Thurn offenbart Konflikte um die finanzielle Bemessung von Verantwortung.

Nicht nur im Sozialsprengel Lienz-Thurn wird hinter verschlossenen Türen über die Entlohnung im mobilen Pflegebereich diskutiert.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Andreas Bergmann hat alles richtig gemacht. Vor eineinhalb Jahren übernahm er die Pflegedienstleitung des Sozialsprengels Lienz-Thurn. Berufsbegleitend schloss er ein Studium der Pflegewissenschaften und des Pflegemanagements ab. Sein befristeter Arbeitsvertrag sollte nun in einen unbefristeten münden. Doch die Lohnverhandlungen mit dem Vereinsvorstand sind offenbar gescheitert. Bergmann zog für sich die Konsequenz und verlässt die Einrichtung „aus freien Stücken“, wie er letzt­e Woche erklärte, die Tiroler Tages­zeitung berichtete.

Der Pflegedienstleiter habe persönlich, menschlich und fachlich überzeugt und eine hervorragende Arbeit geleistet, bedauerte Sozialsprengel-­Lienz-Thurn-Obmann Christian Steininger Bergmanns Schritt. Der Betrieb mit insgesamt 33 Mitarbeitern verdank­e ihm eine professionelle Weiterentwicklung in dieser Zeit. Tags darauf wurden dem weisungsgebundenen Pflege­dienstleiter weiter­e Auskünfte an die Medien untersagt.

Es gehe um Wertschätzung, die sich auch finanziell bemessen lassen müsse, sagen die einen. Die Vereinsstruktur der Osttiroler Sozialsprengel sei nicht mit stationären Einrichtungen wie Wohn- und Pflegeheimen und dem Bezirkskrankenhaus vergleichbar, befinden die anderen.

Tatsächlich sind die beiden Bereiche mobil und stationär vom Verdienst her unterschiedlich. Die Sozialsprengel mit ihren privaten Trägervereinen fallen unter den Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ), während Pflegekräfte in den niedergelassenen Einrichtungen als Gemeindevertragsbedienstete laufen. Abgesehen von der Anzahl der Beschäftigten in der Pflege, von denen es in einem Krankenhaus einige hundert geben kann, in einem Sozialsprengel dagegen einige Dutzend, gibt es im stationären Bereich unter der Pflege­dienstleitung eine zweite Führungsebene, nämlich jen­e der Stationsleitungen. Sozialsprengel vergleichen die Tätigkeit ihrer Pflegedienstleiter gerne mit Stationsleitungen. Daraus resultiert eine geringere Entlohnung als einem Pflegedienstleiter tatsächlich auszubezahlen wäre. Man setzt also eine hohe Qualifikation voraus und überträgt die Verantwortung einer Pflege­dienstleitung bei gleichzeitig geringerer finanzieller Bemessung.

Tirols Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg plant ab dem Jahr 2020 die finanzielle Gleichstellung von Pflegekräften im mobilen und stationären Bereich in Tirol, sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz im Oktober in Lienz.


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