Rekordkälte in den USA: Zuerst kommt Tauwetter, dann wieder Frost

Im Mittleren Westen und Norden der USA sorgt eine Kältewelle weiterhin für lebensgefährliche Bedingungen. Bisher kamen 21 Menschen ums Leben. Vielerorts kam es zu skurrilen Begebenheiten.

In der stark von der Kältewelle betroffenen Millionenmetropole Chicago ließ der Frost etwas nach, auch wenn Freitag und Samstag noch immer sehr kalt bleiben sollen.
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Chicago – Nach arktischer Kälte im Mittleren Westen der USA können die Menschen dort am Wochenende auf ein Ende der Eiszeit hoffen - allerdings nur vorübergehend. Nächste Woche soll es schon wieder frostig werden.

Für die Nachbarstädte Minneapolis und Saint Paul sagte der Nationale US-Wetterdienst (NWS) Temperaturen von plus sieben Grad am Sonntag voraus – nach minus 32 Grad Celsius am Donnerstag wäre das ein Anstieg von fast 40 Grad. Bis Mitte nächster Woche soll die Temperatur dort dann wieder um 30 Grad auf minus 23 Grad fallen. Der NWS sprach von einem „Wetter-Peitschenhieb“. Der Wetterdienst teilte mit, die „lebensbedrohlichen“ arktischen Luftmassen, die in den vergangenen Tagen Teile der USA beherrschten, sollten noch am Freitag aus dem Nordosten des Landes abziehen.

Der Chicago River ist mit einer dicken Eisdecke überzogen. Am Donnerstag waren stellenweise Temperaturen von deutlich unter minus 30 Grad Celsius gemessen worden.
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Ungemach droht nun aber dem Westen der USA: An der Westküste wurden bis Montag gleich zwei schwere Stürme erwartet. „Schwere Regenfälle, starke Winde und viel Schnee in den Bergen werden Auswirkungen auf weite teile Kaliforniens an diesem Wochenende haben“, warnte der NWS. Gegenden, die im Sommer von verheerenden Waldbränden betroffen waren, drohten nun Überflutungen.

Minus 29 Grad in Chicago

In Chicago war es am Donnerstag mit minus 29 Grad Celsius kälter als an allen bisherigen letzten Jännertagen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1870. Nach NWS-Angaben verzeichnete die Millionenmetropole 52 Stunden lang Temperaturen von unter Null Grad Fahrenheit, das entspricht minus 18 Grad Celsius. Der Wetterdienst versah seinen Tweet dazu mit dem Hashtag #chiberia2019 – eine Mischung aus Chicago und Sibirien. Tatsächlich war es in Chicago nach einem Bericht des US-Senders NBC zeitweise sogar kälter als in Sibirien, am Südpol, auf dem Mount Everest oder in Alaska.

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Die New York Times berichtete, landesweit seien im Zusammenhang mit der arktischen Kälte mehr als 20 Todesfälle verzeichnet worden. Behörden machten demnach die extremen Temperaturen unter anderem für den Tod eines 18-jährigen Studenten in Iowa verantwortlich. Er war bewusstlos auf dem Campusgelände gefunden worden und später im Krankenhaus gestorben. Einige der Todesopfer seien erfroren, andere bei wetterbedingten Unfällen gestorben, hieß es. Viele Fälle würden noch untersucht, um die genaue Todesursache zu klären. Die Behörden gingen aber in davon aus, dass das Wetter eine Rolle gespielt habe.

Menschen können sich in Polizeistationen wärmen

In Chicago stiegen die Temperaturen an, sie lagen am Freitag aber weiterhin unter dem Gefrierpunkt. Der Wetterdienst hatte in den vergangenen Tagen vor Erfrierungen auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten gewarnt. Allein in Chicago wurden mehr als 60 Wärmestuben für Obdachlose eingerichtet. Auch alle Polizeistationen dienten als Möglichkeit für Menschen, sich aufzuwärmen.

Die Kältewelle führte zum Teil zu skurrilen Begebenheiten. In vielen Orten wurden Lieferketten unterbrochen. Gastwirte wurden nicht mehr mit Bier beliefert, aus Angst, der Gerstensaft könnte einfrieren. In den Bergen der Rocky Mountains fielen am Donnerstag stellenweise noch einmal bis zu 50 Zentimeter Schnee.

Die Kälte führte vereinzelt zu Stromausfällen. In vielen US-Bundesstaaten blieben Schulen und manche Universitäten geschlossen. Die Flughäfen kamen teils mit dem Enteisen der Maschinen nicht nach. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder waren verspätet. In mehreren Bundesstaaten wurde keine Post zugestellt.

Auch Washington von Kälte betroffen

Auch in der US-Hauptstadt Washington im Nordosten des Landes lagen die Temperaturen am Freitag wieder deutlich unter dem Gefrierpunkt, am Vormittag fiel Schnee. In zahlreichen Schulen in der Region fiel der Unterricht aus oder begann verspätet.

Verantwortlich für die „arktische Kälte“ war der sogenannte Polarwirbel. Diese Luftströmung ist an sich nicht ungewöhnlich. Der Wirbel entsteht regelmäßig am Pol, wenn im Winter keine Sonne durch die arktische Dauernacht dringt, welche die Kaltluft wärmen könnte. Das dabei entstehende sogenannte Höhentief kann auf der Nordhalbkugel kräftige westliche Winde erzeugen. Während der Polarwirbel normalerweise stabil mit seinem Zentrum über der Arktis bleibt, hatte er sich in den vergangenen Tagen ungewöhnlich weit nach Süden ausgebreitet. (APA/dpa)


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