Audi: Säuseln, grummeln, schnurren, pfeifen

Zur Familienaufstellung versammelte Audi die Jüngsten und Neuesten: den Vollelektriker e-tron und die Benzin-/Dieselbrüder A1, A6, Q3, Q8, TT.

Imposant-prägnanter Flüstergleiter ohne Scheu vor Schnee und Eis: Audis erster Vollelektriker e-tron.
© Hersteller

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Mondsee –Die Metamorphose von Audi wäre am augenfälligsten in der Gegenüberstellung mit Vorgänger-Modellen darstellbar. Doch hat eines der jüngst neu gemachten Vier-Ringe-Familienmitglieder noch gar keinen Vorläufer: der e-tron, der erste Batteriestrom-Elektriker aus Ingolstadt. Nach statischen Auftritten in San Francisco, USA, und in Paris, Frankreich, war er fürs Erste in die Wüste geschickt worden: nach Abu Dhabi, VAR. Auf Schotter und im Sand lieferte der 4,9-Meter-SUV, pro Achse von je einem Asynchron-Stromaggregat angetrieben, mit gesamt 408 PS und 664 Nm eine erste Leistungsprobe mit heckbetontem, elektronisch reguliertem Allradantrieb. Bei Elektriker-freundlichen – um nicht zu sagen sommerlichen – Temperaturen.

Jetzt ging’s an die Winterprobe. Auch wenn der Frost die Region rund um den Mondsee in Salzburg Mitte Februar nicht mehr ganz so fest im Griff hatte, so gab’s noch genug Schnee- & Eisfahrbahnen in lichteren Höhen. Den Auswirkungen der Nachtkält­e begegnete man mit Vorheize­n – vor dem Anheize­n des Antriebsstrangs. Die ersten (Asphalt-)Kilometer gestaltete­n sich, wenig überraschen­d, geschmeidig, dezent säuseln­d, penibel gegen Außengeräusche gedämmt und, nach Audi-Manier, mit sportlich-komfortabler Fahrwerksabstimmung. Seine gut 2,4 Tonnen Gewicht verleugnet der e-tron nicht, dennoch haben die Bremsen keine Mühe. Wie die Rekuperationsstufen aktiviert und reguliert werden, über die Schaltpaddles, hat man schnell herausgefunden. Auf winterlicher Fahrbahn benimmt sich der Vollelektriker fast schon enttäuschend normal. Eine erste Quintessenz nach rund dreißig Kilometern gemischtem Fahrprogramm: Bei gesetzeskonformer Fahrweise, eingeschalteter Sitz- sowie Innenraumheizung und drei Grad minus Außentemperatur zeigte die Verbrauchsanzeige am Ende einen Energie-Konsum von 28,2 kWh an. Das ist nicht weit weg vom nach WLTP ermittelten 100-Kilometer-Mix-Konsum von 22,5 kWh. 400 Kilometer Reichweite erscheinen somit realistisch.

Im Rahmenprogramm der Österreich-Fahrpremiere des Ringe-Elektrikers bewies unter anderem der A6, dass seine Souveränität auf eine noch höhere Ebene gehoben wurde, im gefahrenen 45 TDI quattro (3,0-l-V6) mit 231 PS schnurrt der kräftiger wirkende Diesel wie ein zufriedenes Kätzchen. Dem Q8 50 TDI quattro (3,0-l-V6, 286 PS) merkt man die erschlankte Dachlinie im Fahrbetrieb nicht an. Bemerkenswert ist seine Agilität im schmalen, engen Kurvengeläuf. Der Q3 ist als 35 TDI quattro mit 150 PS mehr als ausreichend, akustisch recht grummelig, motorisiert. Er demonstriert von Fahrwerk bis Lenkung nicht nur subjektiv gefühlt sportlichere Qualitäten als der Vorgänger. Nur dass der Schalthebel des manuellen Getriebes recht lang und mächtig ist, mutet ein wenig eigenartig an. Die TTs, seit dem Face- & Techniklift im Vorjahr ganz ohne Diesel-Option, machen – als quattros mit 197 PS –, unverändert Spaß, ob als Coupé, erst recht als Roadster, der mittägliche Sonnenschein lud zum Dach-Aufmachen ein. Und der A1 Sportback liefert in der Turbo-aufgeladenen dreizylindrigen Einliter-Benziner-Motorisierung (auch hier ist Diesel nun obsolet, ebenso wie die Dreitür-Ausführung) mit 116 PS und 7-Stufen-DSG (30 TFSI) eine mehr als kräftig-muntere Performance – bei forciertem Leistungsabruf begleitet von feinem Turbo-Pfeifen: Man muss sich auf der Autobahn nicht auf der rechten Spur anstellen.

A6, Q8, A1 und Q3 haben ihren Markteinstand ab Juli des Vorjahres bereits absolviert. Der e-tron startet im März, ebenso wie die gelifteten TTs, die bis dahin mit der RS-Version (wie gehabt mit 2,5-l-Fünfzylinder, 400 PS) komplett sein werden. Die Preise: e-tron ab 82.000, A1 Sportback ab 21.330, A6 Limousine ab 54.807, A6 Avant ab 58.040, Q3 ab 36.650, Q8 ab 88.400, TT Coupé ab 42.630, TT Roadster ab 46.360 Euro.


Kommentieren


Schlagworte