Kanzler Kurz in Seoul: Was Österreich von Südkorea lernen will

Sebastian Kurz in Seoul: Ringen um Anschluss an die Technologie der Zukunft und großer Bahnhof für einen im Amt gealterten Kanzler.

Bundeskanzler Sebastian Kurz gestern beim südkoreanischen Staatschef Moon Jae-in.
© APA

Von Floo Weißmann

Seoul –Südkorea mag zu einer Demokratie und zu einem geschätzten Partner herangewachsen sein, doch in mancherlei Hinsicht gehen die Uhren noch anders. Das zeigte sich am Donnerstag beim Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz in Seoul­. Auf sein Treffen mit Premierminister Lee Nak-yeon folgt keine gemeinsame Pressekonferenz, wie im Westen bei solchen Anlässen üblich. Stattdessen kündigt ein Sprecher vor Journalisten die „Veröffentlichung der Ergebnisse“ an, welche Lee sodann offenbar vom Blatt herunterliest.

Für den Kanzler geht es beim Besuch in Südkorea und Japan in erster Linie um die Wirtschaft. Die beiden Länder sind nach China die größten Handelspartner Österreichs in Asien. Wichtiger noch: Sie führen bei Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Mobilfunkstandard 5G usw. „Es gibt vieles, was wir von Ihnen lernen können“, sagte Kurz gestern zu seinem Gastgeber. Österreich wolle etwa beim Ausbau von 5G zu den führenden Ländern in Europa aufsteigen. Das Handelsvolumen mit Südkorea wuchs im Vorjahr auf mehr als zwei Mrd. Euro, und Kurz sieht Luft nach oben, wie er in Seoul bekräftigt. Auch Lee beschwört für die Zukunft eine Win-win-Situation durch die verstärkte Kooperation von Unternehmen und Wissenschaftern.

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann, der Kurz begleitet, unterzeichnete gestern in Seoul eine gemeinsame Absichtserklärung für mehr Kooperation in der Grundlagenforschung. Er sei daran interessiert, wie es gelingt, Grundlagenforschung und ihre Anwendung in der Wirtschaft zusammenzufügen, erklärte er vor mitreisenden Journalisten. „Südkorea hat diese Kluft überwunden.“ Zur Kultur des Gastlandes gehört eine ausgiebige Ehrbezeugung. Am deutlichsten macht dies der frühere UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon beim „Global Engagement and Empowerment Forum“ in Seoul, wo Kurz als Redner eingeladen ist. Ban stellt den Kanzler vor als Vertreter der nächsten Generation von globalen Anführern, der schon mit 27 Außenminister wurd­e. Kurz relativiert; er sei „im ersten Jahr als Bundeskanzler doch deutlich gealtert“.

Fester Bestandteil der politischen Gespräche in Seoul – auch mit Staatspräsident Moon Jae-in – ist auch der Atomkonflikt mit Nordkorea. Die Europäer befinden sich dabei allerdings nur in einer Zuschauerrolle. Kurz versichert, dass Österreich die Bemühungen um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel unterstützt. Dem Vernehmen nach soll sich die südkoreanische Führung zuversichtlich gezeigt haben, dass der Dialog zwischen den USA und Nordkorea Fortschritte bringt.

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Heute reist die österreichische Delegation weiter nach Japan. Für den Kanzler ist es eine Rückkehr. Er hat das Land schon als Jugendlicher drei Wochen lang mit dem Tramperrucksack durchstreift.


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